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Rekordhitze in Kanada und den USA

Hitzewelle zerstört Getreideernte in Nordamerika und fordert Hitzetote

Farmer.
am Freitag, 02.07.2021 - 05:00 (1 Kommentar)

Während bei uns Starkregen und Gewitter toben, leiden Kanada und Teile der USA unter einer extremen Hitzewelle.

sommerweizen.

Rekordtemperaturen bis knapp 50 Grad Celsius forderten bereits viele Todesopfer unter der Bevölkerung. Gleichzeit schädigt die Gluthitze auch die Landwirtschaft. Betroffen sind neben den Tieren insbesondere der Sommerweizen und die gerade blühenden Canolapflanzen (Raps) in den Hauptanbaugebieten im Nordwesten der USA und in den kanadischen Prärieprovinzen.

Die Preise für Sommerweizen – der in Kanada 95 Prozent der Weizen-Ernte ausmacht und in den USA etwa 35 Prozent – sind auf neue Rekordhochs gestiegen und auch die Canolapreise gehen seit Tagen steil nach oben. Farmverbände befürchten erhebliche Ausfälle bei der Ernte. Landwirte in den kanadischen Prärieprovinzen und im Nordwesten der USA, beobachten sorgenvoll die extrem hohen Temperaturen beim Raps, der gerade blüht und deshalb besonders anfällig für Hitzeschocks ist.

Die schlimmste Hitze beschränkt sich aber auf den Westen der USA und Kanadas. Da jedoch viele Pflanzen in den weiter östlich gelegen Regionen seit Wochen ebenfalls wenig Feuchtigkeit abbekommen haben, dürften die hohen Temperaturen auch dort beträchtliche Ernteausfälle verursachen.

Rekordtemperaturen mit schlimmen Folgen

getreidefeld.

In Kanada wurde am 28. Juni das bisherige Hitze-Allzeit-Rekordhoch gebrochen. In der Stadt Lytton, in British Columbia, wurde eine Temperatur von 49,6 Grad gemessen. Dieser Wert ist höher als in typischen nordamerikanische Hitze-Hotspots wie etwa Las Vegas in der Mojave-Wüste. Der bisherige Rekordwert in Kanada stammt aus dem Jahr 1937 und lag bei 45°C.

Weiter südlich, im pazifischen Nordwesten der USA, in den beiden Staaten Oregon und Washington, wurden in Portland und Seattle ebenfalls Rekord-Temperaturen von mehr als 40 Grad gemessen. Die Temperaturen in den sehr trockenen und heißen Getreideanbaugebieten dieser Bundesstaaten waren ebenfalls über 40 Grad gestiegen.

Die Weizenanbauregionen dieser Staaten befinden bereits in einer schweren Dürre, die sich sowohl auf den Winter- als auch auf den Sommerweizen ausgewirkt hat, berichten jedenfalls regionale Farmverbände gegenüber US-Medien. Winterweizen wird bereits mit deutlich unterdurchschnittlichen Erträgen geerntet, während das Szenario beim Sommerweizen noch schlimmer ist. Einige Farmer glauben, dass sie etliche Felder aufgrund der Schäden wohl nicht abernten werden.

Ähnlich ist die Lage in Kanada: Lin Jacobson, Präsident der kanadischen Alberta Agricultural Federation, sagte vor der regionalen Presse, dass die Ernteerträge aufgrund des extremen Wetters die Erwartungen der Landwirte wohl schwer enttäuschen werden. Die Farmerin Jessica Fasori plagten noch ganz andere Sorge:  Sie versuchte, ihre draußen gehaltenen Schweine zu schützen, indem sie sie mit einer "natürlichen Sonnencreme" aus Schlamm einrieb.

Blühender Raps leidet besonders unter der Hitze

rapsblüte.

Tracy Jouan, Vizepräsidentin für Versicherungen bei der Agriculture Financial Services Corp. (AFSC), sagte gegenüber der regionalen Presse, sie sei sich bewusst, dass dies eine sehr schwierige Situation für die Farmer ist. „Es besteht kein Zweifel, dass dieses Wetter einen großen Einfluss auf die Ernte hat, obwohl es noch ungewiss ist, wie schwer die Folgen sein werden. Es hängt wirklich von der Region und dem Zustand der Pflanzen ab, bevor diese extreme Hitzewelle ausbrach“, sage sie.

Das ist jetzt eine ganz besondere Stresssituation. Pflanzen, die bereits mit trockenen Bedingungen zu kämpfen hatten, werden durch die Hitze wohl deutlich stärker geschädigt. Einige Gebiete hatten aber eine etwas bessere Bodenfeuchtigkeit und scheinen nun etwas besser dazustehen, sagte Jouan. Rapspflanzen, die derzeit in voller Blüte stehen, werden wohl am stärksten unter der Gluthitze leiden.

„Aber die Landwirte in Alberta waren auch früher schon mit diesen Herausforderungen konfrontiert“, sagte Jouan. "Wir alle hoffen, dass Mutter Natur ihren Kurs so schnell wie möglich ändert und etwas von dieser Hitze reduziert." Der noch vor der Hitzewelle veröffentlichte Cop-Monitoring-Bericht von Alberta besagt, dass immerhin 80 Prozent der Canola-Pflanzen in der Provinz sich zu diesem Zeitpunkt noch in gutem Zustand befanden –  das war besser als im Fünfjahresdurchschnitt. Dieses Rating dürfte nach dem Abklingen der Gluthitze und ohne schellen Regen aber deutlich schlechter ausfallen. 

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