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Aussaat und Ernte 2019

Wie hoch steigen die Getreidepreise?

Getreidepreise
am Freitag, 14.06.2019 - 05:05 (Jetzt kommentieren)

Die Rallye am Getreidemarkt ist nicht vorbei. Sowohl in den USA als auch in Europa steigen die Kurse für Mais, Weizen, Soja und Raps erneut kräftig.

Grund ist die große Unsicherheit der Märkte über die wirklichen Anbau- und Ernteverluste im Mittleren Westen der USA. Dort haben die Farmer aufgrund der extremen und weiter anhaltenden Niederschläge so wenig Mais und Sojabohnen ausgesät wie noch nie zu diesem Termin.

Beim Weizen leidet vor allem die Qualität unter dem Dauerregen. Außerdem wird er als wichtiges Substitut vom Mais mit nach oben gezogen. Die Auswirkungen auf die globalen Märkte sind gewaltig. Die möglichen Produktionsausfälle in den USA überlagern die Nachrichten über gute Ernteaussichten in Europa und am Schwarzen Meer.

Die USA sind sowohl bei Mais und Soja als auch beim Weizen einer der wichtigsten Exporteure.

Preise messen Knappheiten

Mais überflutet

Die möglichen Ernteverluste in den USA haben deshalb große Auswirkungen auf die globalen Märkte und auf den Getreide- und Sojahandel – und natürlich auch auf die Preise. Preise messen Knappheiten und die Märkte erwarteten offenbar eine deutliche Angebotsverknappung – wenn man die jüngste Rallye betrachtet. Daraus ergeben sich für Landwirte immer wieder Gelegenheiten zur Teilabsicherung, wie unsere Reihe Vermarktung Live mit Praxistipps zum Risikomanagement zeigt.

Bislang stand in den USA vor allem der Mais im Fokus der Beobachtungen. Nun richtet sich die Aufmerksamkeit auf die Sojabohne. Denn hier ist der Rückstand der Farmer bei der Aussaat noch erheblich größer als er beim Mais war. Und es regnet immer weiter. Damit haben die Farmer in viele Bundesstaaten nicht die Möglichkeit anstelle Mais doch noch Soja anzubauen.

Der USDA-Report vom Dienstag hatte bereits einen sehr kräftigen Rückgang des Maisanbaus in den USA unterstellt. Bei Soja hatte das USDA die Fläche noch unverändert gelassen. Hier erwartet der Markt jetzt ebenfalls deutliche Korrekturen.  

USDA will Sojafläche im Juli korrigieren

Sojafeld

Das US-Landwirtschaftsministerium wird seine Prognosen für US-Sojabohnen im nächsten Monat überarbeiten, sagte USDA-Chefökonom Robert Johansson. Auch bei Sojabohnen dürfte es wohl deutlich Korrekturen nach unten geben – auch wenn noch ein Teil der nicht bestellten Maisfläche in Sojafläche umgewandelt wird, glauben mittlerweile viele Analysten. 

Das glaubt auch Johannsen und sagt: "Wir hatten noch keine Informationen, um diese Zahlen zu ändern. Ich denke, wir werden im Juli-Report Anpassungen an der Sojabohnenernte sehen“. Das USDA hat außerdem am Dienstag auch seine Prognose für den durchschnittlichen Preis für Sojabohnen angehoben. Johansson stellte weiterhin fest, dass sich die Ausaat und das Auflaufen sich beim Mais extrem verzögert hat. "Damit wird die Hauptkornfüllperiode für Mais in den heißesten Teil des Sommers verschoben", fügt Johansson hinzu. Das dürfte typischerweise den Gesamtertrag beeinträchtigen.

"Mit diesen Ankündigungen werden auch die Bohnen immer höher steigen“, sagt der Analyst Darin Fessler. Die Sojabohnen, die im Juni gepflanzt werden, zwingen das USDA, seinen derzeitigen Durchschnittsertrag zu senken“, sagt Fessler. "Und die Anbaufläche muss ebenfalls reduziert werden. Fessler fügt hinzu: "Die beiden Dinge, die die großen Investoren beobachten werden, sind die Wettervorhersagen und die technischen Indikatoren."

Riesige Flächen bleiben unbestellt

Feld unter Wasser

In seinem Juni-Report hatte das USDA nur beim Mais deutliche Veränderungen vorgenommen obwohl der Rückstand bei der Sojaaussaat noch erheblich größer ist. So wurde die  ursprüngliche Aussaatfläche beim Mais von 37,6 Mio. ha auf  nur 36,4 Mio. ha nach unten korrigiert. Ein Minus von nur 4 Prozent bzw. 1,2 Mio. ha.

Das USDA hatte in seinem letzten Crop-Progress-Report vom Montag gemeldet dass bis Ende der vorigen Woche noch 13 Prozent bzw. 6,4 Mio. ha Mais unbestellt sind. Das wären deutlich mehr als der USDA-Report unterstellt. Die erwarteten Mais-Erträge setzte das USDA ebenfalls um 4 Prozent nach unten: Damit schrumpft die US-Maisernte gegenüber der vorigen Prognosen um fast 9 Prozent auf 348 Mio. t. 

Die Aussaatfläche bei Sojabohnen hat das USDA im Juni-Report mit 34,4 Mio. ha hingegen unverändert gelassen. Das war für viele Beobachter doch etwas überraschend, auch wenn im Juni noch Sojabohnen gesät werden können. Das USDA hatte in seinem letzten Crop-Progress-Report gemeldet, dass bis Ende der vorigen Woche noch 40 Prozent bzw. 13,8 Mio. ha Sojafläche unbestellt waren. So viel wie noch nie zu diesem Termin.

Das ist auch bei etwas trockenerem Wetter kaum noch zu schaffen. Die erwarteten Soja-Erträge hatte das USDA ebenfalls unverändert gelassen: Damit blieb die US-Sojaernte mit rund 113 Mio. t gegenüber der vorigen Prognose unverändert.

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