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Kartoffelmarkt

Hohe Preise für knappe Kartoffeln

AF_Kartoffeln-Legen-Saat
am Montag, 19.11.2018 - 14:53 (Jetzt kommentieren)

Die Preise für Speisekartoffeln sind wegen der historisch kleinen Ernte im Oktober und auch im November weiter gestiegen.

Kartoffelpreise

Mitte November wurden in Deutschland für vorwiegend festkochende Speisekartoffeln Erzeugerpreise von gut 27 Euro je dt gezahlt. Das ist fast dreimal so viel wie im vorigen Jahr zum gleichen Termin.

Ausdruck der knappen Marktversorgung ist, dass die Kurse sogar während der Einlagerungssaison gestiegen sind. Nicht alle Landwirte profitieren jedoch von den sehr hohen Preisen. Mitunter haben sich Kartoffelbauern vertraglich zu niedrigeren Konditionen an Abnehmer gebunden. Ware für den freien Verkauf steht wegen der historisch kleinen Ernte aber nur wenig zur Verfügung.

Vor dem Hintergrund der europaweiten Knappheit sind die Kurse auch am europäischen Terminmarkt sehr hoch. Die dort gehandelten Verarbeitungskartoffeln werden für April 2019 mit 29,20 Euro je dt notiert und für Juni 2019 mit gut 30 Euro.

Historisch schlechte Ernte

Kartoffelernte

Der extreme Dürresommer dieses Jahres führte zu der katastrophalen Kartoffelernte. Das Bundeslandwirtschaftsministerium (BMEL) ging in seiner ersten Schätzung davon aus, dass die deutschen Landwirte nur 8,7 Mio. t Kartoffeln ernteten. Das wäre ein Einbruch der Produktion um ein Viertel.

Martin Umhau von der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) meint dazu: „Wir erwarten eine der kleinsten Kartoffelernten, die wir jemals in Deutschland hatten.“ Dabei blieb die Frühkartoffelernte von witterungsbedingten Problemen noch weitgehend verschont.

„Bei den mittleren und späten Kartoffelsorten führten dann Hitze und Trockenheit jedoch zu erheblichen Mengen- und Qualitätseinbußen, soweit nicht durch Beregnung gegengesteuert werden konnte“, berichtet das BMEL. Die durchschnittlichen Erträge waren mit nur 350 dt je ha ähnlich schlecht wie im Dürrejahr 2003.

Kartoffeln in ganz Europa knapp

Ernte von Kartoffeln

Aber nicht nur in Deutschland fiel die Kartoffelernte sehr schlecht aus. Auch die anderen im Verband der nordwesteuropäischen Kartoffelanbauer (NEPG) zusammen arbeitenden Länder hatten mit der Witterung massive Probleme. Mitte November ging der Anbauverband davon aus, dass die Ernte in den fünf NEPG-Ländern um mindestens ein Fünftel auf weniger als 20 Mio. t schrumpft.

Dabei hatten die Landwirte die Anbaufläche sogar ausgeweitet. Grund der Expansion war, dass der Bedarf der Verarbeitungsindustrie in den letzten fünf Jahren um 15 Prozent zugenommen hat. Damit besteht am europäischen Kartoffelmarkt in diesem Jahr ein echter Versorgungsengpass.

Innerhalb der Europäischen Union ist Deutschland deutlich vor Frankreich und Polen der größte Produzent und wichtigste Lieferant für die Verarbeitungsindustrie. Nach Daten der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) haben sich die deutschen Kartoffelexporte (in Frischwert) in den letzten 15 Jahren auf 5,5 Mio. t mehr als verdoppelt. Diese Ausfuhr entspricht etwa der Hälfte der deutschen Erntemenge und dürfte in dieser Saison auf keinen Fall zu erreichen sein.

Nicht alle Landwirte können liefern

Ernte von Kartoffeln

Etwa 70 Prozent der  Kartoffelernte sind in den NEPG-Ländern in irgendeiner Weise unter Vertrag genommen, in der Hauptsache von der verarbeitenden Industrie. Eine Reihe von Landwirten berichtete jedoch, dass sie kaum in der Lage sind, die vertraglich vereinbarte Menge zu liefern.

Nach Einschätzung der NEPG war nicht klar, „wie die Käufer auf die Knappheit reagieren und ob sie Landwirte zwingen, ihre vertraglich vereinbarten Mengen zu liefern, selbst wenn der Kauf auf dem teuren freien Markt erforderlich ist.“ Dabei sind freie Kartoffeln im gesamten NEPG-Gebiet sehr knapp.

Die finanziellen Verluste könnten also beträchtlich sein, selbst wenn es den Landwirten gelingt, ihre Verträge zu erfüllen. In Belgien, Frankreich und Deutschland hatten die Bauernverbände deshalb Gespräche mit der Industrie und der Politik geführt. Ziel war es, die extreme Situation als höhere Gewalt geltend zu machen. Dann müssen zuvor kontrahierten Mengen nicht in vollem Umfang geliefert werden.

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