Zum Adventsgewinnspiel

Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Energiekrise und Holz heizen

Holz heizen: Klimaretter oder Dreckschleuder – pro und kontra

Holz heizen.
am Mittwoch, 03.11.2021 - 13:14 (9 Kommentare)

Die Energiekrise löst einen Boom aus: Das Heizen mit Holz. Doch der nachwachsende Rohstoff ist nicht unumstritten.

Holz.

Kritiker von Holzheizungen sagen nämlich: Diese sind nicht wirklich CO2-neutral. Durch die Verbrennung wird das im Holz über viele Jahre gebundene CO2 in sehr kurzer Zeit wieder freigesetzt. Zusätzlich (und das ist der Hauptkritikpunkt) entsteht eine Menge Feinstaub. Das prangern etwa der Meteorologe Jörg Kachelmann und Umweltverbände seit Jahren an.

Die Holzwirtschaft und Waldbesitzer betonen hingegen die Nachhaltigkeit von Brennholz als nachwachsende Ressource. Außerdem: Holz könne regional angebaut werden, die Transportwege seien kurz und Transport und Lagerung seien zudem ungefährlich für Menschen und Natur.

Auch das Bundeslandwirtschaftsministerium (BMEL) vertritt diese  Auffassung: „Holz ist nachhaltig. Bei seiner Verbrennung wird nicht mehr klimaschädliches Kohlendioxid freigesetzt, als beim Pflanzenwachstum vorher gebunden wurde.“

Regenerative Energie aus dem Wald oder aus Reststoffen der Holzverarbeitung leistet nach Einschätzung des BMEL einen wichtigen Beitrag zum Gelingen der Energiewende. Der Ersatz von fossilen Energien durch Holz spart jährlich in einer Größenordnung von rund 33 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente ein, heißt es weiter.

Mit Holz heizen: der neue Boom

Das das Heizen mit Holz keine Nische mehr ist belegen die Zahlen: Rund 1,1 Mio. Haushalte nutzen Scheitholz, Holzpellets oder Hackschnitzel in Heizkesseln als primäre Energiequelle zum Heizen des kompletten Wohnraums, berichtet das BMEL.

Zudem gibt es etwa 11 Millionen Einzelraumfeuerstätten, überwiegend Kaminöfen und Kachelöfen, als ergänzende Holzheizungen. Insgesamt machen erneuerbare Energieträger rund 15 Prozent der Wärmeversorgung in Deutschland aus und ca. 85 Prozent dieser erneuerbaren Wärmeerzeugung wird durch Bioenergie bereitgestellt.

Holz ist dabei einer der bedeutsamsten nachwachsenden Rohstoffe: 65 Prozent der Wärme aus erneuerbaren Energien in Deutschland wird aus Holz erzeugt. An der Stromversorgung liegt der Anteil von Holz am gesamten Strom aus erneuerbaren Energiequellen bei 4 Prozent. Zusammen mit der Erzeugung von Strom in Biomasseheizkraftwerken ist der Energieträger Holz für gut 29 Prozent der gesamten erneuerbaren Energieerzeugung verantwortlich.

Der Anteil von Holz an der gesamten Endenergieversorgung in Deutschland hat sich in den letzten fünf Jahren kaum verändert und beträgt rund fünf Prozent.

Holz ist klimafreundlich und regional

Brennholz.

„Heizen mit Holz ist aktiver Klimaschutz, wird dabei doch nur so viel Kohlendioxid freigesetzt, wie zuvor auch vom Baum aufgenommen wurde. Steigende Preise für Gas und Öl lassen die Nachfrage nach diesem umweltfreundlichen Energieträger weiter zunehmen, sagt auch das Bayerische Landwirtschaftsministerium (STMELF) und fordert die Waldbesitzer auf vom Trend zum Brenn- bzw. Energieholz zu profitieren.

Zum einem können Waldbesitzer udn Waldbauern den eigenen Energiebedarf kostengünstig aus dem eigenen Waldbesitz decken. Und zum anderen können sie aktiv am Energieholzmarkt teilnehmen, heißt es dort. Energieholz wird in vier Varianten gehandelt: Als Brennholz lang, als Scheitholz, als Waldhackschnitzel und als Pellets. Während Pellets nur in speziellen Werken produziert werden, können Brennholz lang, Scheitholz und Waldhackschnitzel direkt im Wald hergestellt werden, sagt das STMELF.

Geeignet sind im Prinzip alle Holzarten, jedoch unterscheiden sich die einzelnen Hölzer in ihrem Energiegehalt (Brennwert). Der Brennholzmarkt ist zudem ein eher regionaler Markt ohne große Transportwege. Neben kleineren Firmen, die gezielt Brennholzsortimente herstellen, beziehen auch viele Kunden ihr Brennholz direkt vom Erzeuger. So können Waldbesitzer und Waldbauern direkt vom Brennholzboom profitieren.

Kachelmann: Holz heizen „ist dreckige Technologie“

Heizen.

Prof. Hermann Spellmann vom Wissenschaftlichen Beirat für Waldpolitik beim Bundeslandwirtschaftsministerium betont in einem Gutachten, dass das Verbrennen von Holz klimafreundlich sei, denn "Gas oder Erdöl sind fossile Brennstoffe. Wenn die in der Erde blieben, hätten wir insgesamt weniger Emissionen". Was als Brennholz verbrannt werde, "würde dann später wieder gebunden im Wald und dann würde ein Kreislauf entstehen", betont Spellmann.

Damit sind aber nicht alle einverstanden. "Es stinkt wieder abends in Deutschland", twitterte etwa Jörg Kachelmann. Der  Gestank ist dem ehemaligen ARD-Wettermoderator nach "ein perfekter Marker für den Feinstaubgehalt der Luft". Dass der kräftig ansteigt, führt Kachelmann auf einen "Holzofen-Wahnsinn" zurück. Ein Beleg dafür ist seinen Ausführungen nach, dass die Feinstaubbelastung jetzt nicht mehr zur "Rush Hour" und an stark befahrenen Straßen, sondern vor allem Abends, an Wochenenden und in Wohngebieten hoch ist.

„Das Verbrennen von Holz ist eine zutiefst dreckige Technologie, eigentlich die dreckigste verfügbare“, sagt Kachelmann in seinem Blog.

Und auch das Umweltbundesamt (UBA), Umweltverbände wie der NABU hauen in dieselbe Kerbe. Dort heißt es unter anderem: Je nach Holzbeschaffenheit und Bauart des Ofens werden beim Verbrennen beträchtliche Mengen mikroskopisch kleiner Rußpartikel freigesetzt. Und die sind nicht nur gesundheitsschädlich – sondern auch weitaus klimaschädlicher als bislang gedacht.

Das Umweltbundesamt geht davon aus, dass Holzöfen in Deutschland mittlerweile mehr Feinstaub produzieren als alle LKW und PKW zusammen. Und das Problem wird sich in Zukunft noch verschärfen, denn der Trend zum Holz ist ungebrochen - sagt das UBA.

Kommentare

agrarheute.comKommentare werden geladen. Bitte kurz warten...