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Holzmarkt und Holzpreise

Holzpreise explodieren – bei den Bauern kommt nichts an. Die Fakten.

saegewerk
am Freitag, 14.05.2021 - 13:45 (2 Kommentare)

Die Preise für Schnittholz steigen und steigen. In Deutschland und weltweit.

bauholzpreise.

Der Rohstoff ist mittlerweile so knapp, dass ein Exportverbot gefordert wird – von den Wirtschaftsministern Thüringens und Sachsens.  Nun könnte man meinen, dass sich Bauern und Waldbesitzer über die hohen Holzpreise freuen können. Doch bislang kommt ihnen der gewaltige Nachfrageboom kaum zu Gute. Am Rohholzmarkt kommt die Preisrallye bei Schnitt- und Bauholz jedenfalls nur ganz, ganz langsam an.

Profiteure sind Sägewerke und Exporteure. Bezahlen müssen die hohen Preise die Bauwirtschaft, Handwerker, Zimmerleute und – Verbraucher. Am Anfang der ganzen Kette – nämlich bei den Waldbesitzern und den Landwirten mit Bauernwald – kommt von diesem Boom weiterhin wenig an.

Das Statistische Bundesamt (Destatis) meldete hingegen, dass die Holzpreise auf der gewerblichen Handelsstufe weiter nach oben schießen: So war Nadelschnittholz im März knapp 21 Prozent teurer als im vorigen Jahr – allein gegenüber Februar sind die Preise um 6,4 Prozent gestiegen.

Die letzte Statistik über die Erzeugerpreise von Fichtenstammholz zeigt für Januar lediglich einen Preisanstieg  von 4,1 Prozent – damit sind die Preise für die Waldbesitzer jedoch noch fast 5 Prozent niedriger als im vorigen Jahr und sogar ein Drittel niedriger als im Januar 2018. Da kann doch etwas nicht stimmen mit dem Markt, sagen sich viele Waldbesitzer.

Den Preisboom bestätigen auch die internationalen Märkte nachdrücklich: An der Börse in Chicago haben sich die Preise für Bauholz (Lumber) seit Dezember von etwa 490 Cent auf aktuell 1630 Cent je board foot (FBM) mehr als verdreifacht!

Holzmangel würgt Bauboom ab – Exportverbot gefordert

Holztransport.

Aber nicht nur Bauern und Waldbesitzer gehören gewissermaßen zu den Verlierern der Entwicklung am Holzmarkt. Auf der anderen Seite stehen die Bauindustrie und sämtliche Holzverarbeitenden Gewerke. Sie leiden unter dem extremen Holzmangel und den explodierenden Einkaufpreisen. Die Auftragsbücher der meisten Handwerker und Bauunternehmer sind randvoll, die Holzlager jedoch gähnend leer. Und die Lieferzeiten werden immer länger.

Der Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks (ZVDH) berichtete im März, dass die Kosten für Holzprodukte und Dämmstoffe in den ersten Monaten des Jahres um mehr als 50 Prozent nach oben geschossen sind. Dazu kommen lange Lieferzeiten von bis zu drei Monaten. Damit steigen auch die Baukosten drastisch, zumal auch andere Rohstoffe sich zuletzt dramatisch verteuert haben. So sind die Preise für Stahl und Eisen im deutschen Großhandel im April um 30 Prozent gestiegen, berichtet Destatis. Und gerade gehen am Weltmarkt die Kupferpreise durch die Decke.

Aber zurück zum Holz: Die Wirtschaftsminister aus Thüringen und dem Saarland, Wolfgang Tiefensee und Anke Rehlinger fordern dieser Tage eine zeitweilige Exportbeschränkungen als letztes Mittel, um das Problem mit Holzknappheit in den Griff zu bekommen und die Engpässe bei Unternehmen zu beheben. Viele große Sägewerke exportieren jedoch weiter massiv.

Nach Angaben des Bundesverband der Deutschen Säge- und Holzindustrie waren es 20 Millionen Festmeter Rund- und Schnittholz im vergangenen Jahr. Das sind 80 Prozent mehr als noch im Jahr 2019. Der größte Teil davon war Nadelrundholz.

Festmeter Fichte jetzt bei 90 Euro – Noch Luft nach oben

fichtenholzpreise.

„Die Preise für Holz und andere Rohstoffe steigen rasant, das wird zur Gefahr für Handwerk und Bauwirtschaft", begründete Saarlands Ministerin Rehlinger die Forderung. "Lösungen für die Rohstoffknappheit fallen einzelnen Bundesländern schwer. Es handelt sich unter anderem um ein Problem auf dem Weltmarkt, ist Rehlinger überzeugt.

Vielleicht würde es ja helfen, wenn man den Waldbesitzern für das Rohholz höhere Preise bieten würde? Dann würde es sich auch lohnen, mehr Rohholz auf den Markt zu bringen – denn im Wald herrscht eigentlich kein Mangel.

Doch scheinbar kommt jetzt allmählich Bewegung in den Markt: Das sagte auch Nicole Dölle-Otto gegenüber der dem Hessischen Rundfunk. "Es ist so, dass teilweise horrende Summen geboten werden, nur damit man liefert. Damit die Baustellen nicht stillstehen", sagt die Sägewerkbesitzern aus Nordhessen. „Der Markt macht den Preis. Vor kurzem hat ein Festmeter Fichte noch etwa 30 Euro gekostet. Jetzt sind wir schon bei fast 90 Euro angekommen.“

Fakt ist jedoch: Das ist im Vergleich zu den Rekordpreisen die Sägewerke und Holzhändlern erzielen, wenig, und liegt weit unter den Holz-Preisen vergangener Jahre. Deshalb wird der Frust bei den Waldbesitzern immer größer. Allein der Aufwand, durch Dürre und Borkenkäfer entstandene Schadholz aus dem Wald zu räumen, ist oft teurer als der Gegenwert des Rohstoffs. Das macht vielen Waldbesitzern auch finanziell schwer zu schaffen.

Dazu kommt, dass viele Forstbetriebe in der Vergangenheit Einschlagstopps für frisches Nadelholz verhängt haben, um einen eigentlich bis vor kurzem gut versorgten Markt zu schützen. Jetzt hat sich die Lage jedoch komplett gedreht. Holz ist extrem knapp und teuer, und die Preise steigen immer weiter.

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