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Getreideernte und Getreidepreise 2021

Hurrikan Ida drückt mächtig auf die Getreidepreise - was ist los?

Getreide verladen.
am Freitag, 03.09.2021 - 13:07 (Jetzt kommentieren)

Hurrikan Ida hat die Getreidepreise den vierten Tag in Folge nach unten gedrückt.

Maispreise.

Auslöser für den Preisrückgang sind offenbar Befürchtungen, dass die Probleme an den wichtigsten US-Getreidehäfen nicht so schnell behoben werden können, obwohl im Mittelwesten die Haupternte von Mais und Soja unmittelbar bevorsteht.

Die Mais-Preise fielen in den USA auf ein Sieben-Wochen-Tief, da Befürchtungen wegen der zerstörten Getreideterminals und anhaltender Exportprobleme an der US-Golfküste zahlreiche Verkäufe durch Händler und Investoren am Terminmarkt auslösten, sagten Analysten. Auch die Sojabohnen-Futures fielen auf ein Zweimonatstief. Der Weizen wurde ebenfalls mit nach unten gezogen.

Die großen Getreidehändler an der US-Golfküste hatten am Mittwoch weitere Schäden gemeldet, die der Hurrikan Ida an ihren Terminals angerichtet hat. Der Getreidehändler Cargill bestätige zudem erhebliche Schäden an einer großen Anlage in Westwego.

Hinzu kommt: Durch die anhaltenden Stromausfälle im Süden von Louisiana bleiben die übrigen eigentlich noch intakten Getreideterminals ebenfalls geschlossen. „Die von Ida zunächst ausgelöste Verkaufswelle führte in der Folge dann zusätzlich zu technisch ausgelösten Verkäufen im Getreide- und Ölsaatensektor“, sagte ein US-Analyst.

Mississippi mit Schiffswracks verstopft - Export gestört

weizenpreise.

Neben zerstörten Terminals und Stromausfall hat Ida offenbar auch zahlreiche Transportschiffe für Getreide und andere Schüttgüter im Mississippi versenkt, deren Trümmer die Fahrrinne verstopft haben, teilte die US-Küstenwache mit.

Die Notfallbehörden überprüften noch Ausmaß der Zerstörung, hieß es weiter. Ein Teil der zuvor gesperrten Flussabschnitte, wurde am Mittwochnachmittag jedoch wieder für den Schiffsverkehr freigegeben, berichtet Reuters. Gleichzeitig blieb nach Angaben der Küstenwache eine etwa 120 km lange Strecke aufgrund abgestürzter Stromleitungen und gesunkener Schiffe im Fluss weiterhin für den gesamten Schiffsverkehr gesperrt.

„Der US-Markt wird derzeit durch die Exporte, die durch Ida gestört werden, ziemlich belastet", sagte  ein US-Getreidehändler. Doch die meisten Analysten sind überzeugt: Die starke globale Exportnachfrage begrenzte den Preisrückgang. Hinzu kommt: Das globale Angebot schrumpft weiter. Nicht nur die extrem schlechte Getreideernte in Kanada stützt die Getreidepreise. Auch die russische Weizenernte wurde diese Woche nach unten korrigiert. Das russische Analystenhaus Sovecon meldete am Dienstag, es habe seine Prognose für Russlands Weizenernte 2021 von 76,2 Millionen auf 75,4 Millionen Tonnen gesenkt.

Gleichzeitig ist die Nachfrage der großen Importeure sehr hoch: So hatte das US-Landwirtschaftsministerium (USDA) in der Woche bis zum 26. August Exportverkäufe von US-Sojabohnen von mehr als 2 Millionen Tonnen und gemeldet – und übertraf damit die meisten Handelserwartungen. Ähnlich stark läuft der auch Export von Weizen und Mais.  

Immer wichtiger für den Getreidemarkt wird noch ein anderer Termin: Nämlich der 10. September. Dann wird das USDA die aktualisierten monatlichen Angebots- und Nachfrageschätzungen für die globalen Getreidemärkte bekanntgegeben. Diese Bericht stößt noch auf zusätzliches Interesse, denn das USDA hat angekündigt, die Ernteflächen für Mais und Sojabohnen einen Monat früher als üblich zu überprüfen und bekannt zu geben.

Getreidepreise geben auch in Europa nach

weizenpreise.

Die Weizenpreise sind auch am europäischen Terminmarkt zurückgegangen. Und auch am Kassamarkt nutzen Händler die Preisschwäche für deutlich Korrekturen in Preisangeboten. Am Freitag Mittag wurde der September- Weizen am Terminmarkt mit 246,50 250 Euro je Tonne gehandelt und der Dezembertermin notierte bei 241 Euro – das ist ein Minus von 4 bis  bzw. 5 Euro zum Wochenbeginn.

Für die Ernte 2022 werden am Terminmarkt derzeit jedoch unverändert Preise von 218 Euro angezeigt – das heißt: Der Markt erwartet weiterhin große Veränderung der Angebotssituation.

Allerdings sind mit den Terminmarkpreisen auch die Kassapreise zurückgegangen: So wurde der Weizen am Großmarkt und Exporthafen Hamburg am Donnerstag mit 245 Euro je Tonne notiert – das sind 6 Euro weniger als  zum Beginn der Woche. Für den Dezember-Weizen wurden in Hamburg am Donnerstag 249 Euro je Tonne geboten – ebenfalls ein Minus von 6 Euro.

Die Preise für Futtergerste am Großmarkt und Exporthafen Hamburg lagen am Donnerstag bei 221 Euro je Tonne – das waren 2 Euro weniger. Für Roggen der neuen Ernte boten die Händler in Hamburg  221 Euro Tonne – das war sogar 1 Euro mehr.

Am wichtigsten französischen Großmarkt und Exporthafen Rouen wurde Brotweizen am Donnerstag mit 245 Euro je Tonne notiert (Minus 3 Euro) – die fob-Preise für den Export lagen in Rouen bei 298 Euro je Tonne (Minus 1 Euro). Futtergerste wurde in Rouen für 227 Euro je Tonne angeliefert (Minus 4 Euro).

Am heutigen Freitag beginnt der Handel in Chicago mit schwächeren Getreidepreisen – das könnte auch in Europa nochmals für schwächere Kurse sorgen.

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