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Wetterextreme

Jahrhundertsommer: Dürre, Hitze und schlechte Getreideernte

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Dr.Olaf Zinke, agrarheute
am
06.07.2018

Extreme Dürre und Hitze im Osten und Norden Deutschlands. Drastische Ernteausfälle sind die Folge. Der Vergleich zum Jahrhundertsommer 2003 liegt nahe.

Der extreme Sommer 2018 könnte den Jahrhundertsommer 2003 in den Schatten stellen. Die Daten zur bisherigen Wetterentwicklung in Deutschland und in Teilen Europas lassen diese Annahme jedenfalls zu.

Die Auswirkungen auf die Getreideernte und die Futterproduktion sind gravierend. Nach den bereits sehr schwachen Ernteprognosen für Deutschland, Polen, das Baltikum und Skandinavien haben Analysten jetzt auch die Ernte in Frankreich kräftig nach unten korrigiert. Und dort rechnet man in den nächsten Tagen mit einer Hitzewelle sowie weiteren deutlichen Ernteverlusten.

Die Europäische Kommission hat ihre Schätzung der europäischen Getreideernte bereits spürbar reduziert. Angesichts der derzeitigen Wetterprognosen dürfte dies nicht die letzte Korrektur gewesen sein.

Dürre im Osten und Norden

Ernte 2018

In Teilen Ostdeutschlands erleben wir eine der schlimmsten Trockenperioden seit Beginn der regelmäßigen Aufzeichnungen vor mehr als 55 Jahren. Auch im Norden ist die Trockenheit ausgeprägt.

Schon April und Mai waren Rekordmonate. Noch nie war es in diesen beiden Monaten so warm wie in diesem Jahr. Der Juni war ebenfalls über 2 Grad wärmer als im langjährigen Mittel.

"An einzelnen Punkten sind wir nah an Extremwerten dran", sagte Agrarmeteorologe Hans Helmut Schmitt vom Deutschen Wetterdienst (DWD). Östlich der Weser sei es bereits seit Ende April zu trocken.

Die Werte des für Pflanzen nutzbaren Wassers sind in Ostdeutschland punktuell unter 30 Prozent gesunken. „Das ist dann einfach nur knochentrocken“, sagt Schmitt.

Aussicht auf Regen gebe es für die betroffenen Gebiete vorerst nicht. Das bestätigen die langfristigen Wetterprognosen anderer Wetterdienste.

Keine Entwarnung für den Juli

Flächenbrand in den USA

Die langfristigen Vorhersagen der Wetterdienste sehen auch einen zu heißen und trockenen Juli auf Deutschland zukommen. Dann dürfte es wohl einen Rekordsommer geben. Schon jetzt liegt der Sommer 2018 in Sachen Dürre deutlich vor dem Jahrhundertsommer 2003. Dieses Jahr ist bisher deutlich trockener als 2003.

Etwas anders ist die Situation in Sachen Hitze. Der Juni 2003 war der wärmste Juni seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Der Juni 2018 war zwar in den ersten 10 Tagen deutlich heißer als die vergleichbare Zeit im Juni 2003, danach wurde es aber etwas kühler.

Schaut man auf den aktuellen Klimatrend vom US-Wetterdienst NOAA, sieht es jedoch auch nach einem extrem trockenen Juli aus. Außerdem könnte der Juli deutlich wärmer als im langjährigen Mittel ausfallen. In den kommenden Tagen liegen die Höchstwerte meist zwischen 25 und 30 Grad, im Südwesten etwas darüber, an den Küsten darunter.

Doch es könnte noch heißer werden. Das erreichen der 40-Grad-Marke in Teilen Frankreichs scheint möglich, und diese Wetterlage könnte schneller auch zu uns kommen als man vielleicht denkt.

Deutsche Getreideernte sehr schwach

Getreideernte D

Die außergewöhnlichen Witterungsverhältnisse haben bereits zu erheblichen Korrekturen der Ernteschätzungen für Deutschland und Nordeuropa geführt. Nun geht es offenbar auch mit den bislang guten Erwartungen für Frankreich nach unten.

Der Deutsche Bauernverband (DBV) ging in seiner Schätzung am Donnerstag (5.7.) von einer Gesamternte für Deutschland von nur  noch 41 Millionen Tonnen aus. „Wir werden erneut eine Ernte haben, die weit unter dem Durchschnitt liegt“, stellte DBV-PräsidentJoachim Rukwied fest.

Das bedeutet gegenüber der bereits unterdurchschnittlichen Vorjahresernte in Höhe von 45,5 Mio. t nochmals einen Rückgang von 4,5 Mio. t. Die Durchschnittsernte der vergangenen fünf Jahre beträgt 47,9 Millionen Tonnen.

Im Jahrhundertsommer 2003 hatten die deutschen Landwirte allerdings nur 39,4 Mio. Getreide geerntet. Damals fiel die Getreideernte auch europaweit mit 250 Mio. t sehr schlecht aus. Für 2018 prognostiziert die Europäische Kommission bisher noch 299 Mio. t.

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