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Wintereinbruch und Ernte

Kanada: Extremwetter lässt Raps erfrieren

Canola
am Montag, 18.11.2019 - 14:57 (Jetzt kommentieren)

Kanadas Raps-Farmer haben nichts zu lachen. Das Wetter setzt ihnen in diesem Jahr extrem zu.

Starker Schneefall und Regen während der Ernte hatten Erntefläche bereits drastisch reduziert. Nun gibt eine polare Kältewelle vielen Pflanzen vor dem Ende der Ernte den Rest. Dies ist der letzte Schlag in einem äußerst schwierigen Jahr, der die Probleme der Farmer bis weit ins Jahr 2020 verschlimmern dürfte, glaubt die Nachrichtenagentur Reuters.

Kanadische Farmer berichteten über das Abfallen und Zersplittern der Schoten bei Frost und hoher Feuchtigkeit. Zu den Wetterproblemen kamen in diesem Jahr auch noch die Handelsbeschränkungen durch China. Diese drückten die Ausfuhren des weltweit größten Raps-Exporteurs Kanada ebenso nach unten wie die Erlöse der Farmer. 

Große Flächen nicht abgeerntet

Canolernte Kanada

Die Raps-Preise sind beim weltweit größten Rapsexporteur derzeit aber nicht höher als im vorigen Jahr, trotz der massiven Ernteprobleme. Das deutlich kleinere Angebot hätte die Preise eigentlich nach oben treiben müssen. Das ist jedoch nicht geschehen. Dieses Jahr wird vielen Farmern wegen der Wetterextreme als die "Ernte aus der Hölle" in Erinnerung bleiben, sagte der Rapsfarmer John Guelly aus Alberta gegenüber Reuters.

Die Probleme könnten so frustrierend sein, dass sie auch die Aussaat im nächsten Frühjahr negativ beeinflussen, sagte Guelly weiter. "Ich denke, es wird mit Sicherheit einen Rückgang der Anbaufläche geben", ist der erfahrene Landwirt überzeugt. In der Provinz Alberta waren bis Mitte November immerhin 17 Prozent der Rapsflächen noch nicht abgeerntet.

Zum gleichen Termin standen in der Provinz Saskatchewan noch 12 Prozent und in Manitoba 9 Prozent der Pflanzen auf den Feldern. Das kanadische Landwirtschaftsministerium schätzt die nicht abgeerntete Fläche zuletzt auf etwa 1,1 Millionen Hektar bzw. 13 Prozent der gesamten Erntefläche von Raps.

Ernte auch im Frühjahr noch möglich

Kanada Canola

Einige Flächen könnten nach den letzten Schätzungen der Provinzregierungen aber noch abgeerntet werden. Doch die Menge der nicht geernteten Pflanzen scheint die größte seit vielen Jahren zu sein, sagte Shawn Jaques, Geschäftsführer der Saskatchewan Crop Versicherung.

Rapspflanzen, die über den Winter auf den Feldern bleiben, sind dem Wild und der Witterung ausgesetzt. Ein Teil davon kann jedoch trotzdem noch geerntet werden. Analysten befürchten deshalb: Die Farmer werden versuchen die verbliebenen Pflanzen doch noch zu ernten, sobald die Felder im Frühjahr trocken sind. Das könnte sie dann davon abhalten, die nächste Ernte rechtzeitig in den Boden zu bekommen.

„Es gibt unter den Farmern eine spürbare Enttäuschung", sagte Curtis Rempel, Vizepräsident beim Canola Council of Canada. "Der Herbst war für viele Landwirte so hart, und die Leute denken immer noch darüber nach: "Wie sieht das Frühjahr in Bezug auf die alte Ernte aus?"

Versicherungsfrist ist abgelaufen

Am vorigen Freitag ist zudem die Frist abgelaufen, bis zu der die Landwirte in Saskatchewan und Alberta, den beiden größten kanadischen Anbauprovinzen für Raps, ihre Versicherungsansprüche geltend machen konnten.

Das Erfassen der Flächen ist zudem ein sehr unsicherer Prozess sagen die Versicherer. Denn: Viele Landwirte versuchen am Ende doch noch ihre Ackerflächen abzuernten, um etwas Gewinn zu erwirtschaften, sagt Todd Lewis, Präsident der Agricultural Producers Association von Saskatchewan.

Dieses Jahr war die Ernte "sehr lang und sehr frustrierend", sagte Lewis weiter. "Es trifft wirklich viele Farmer sehr hart."

Ernteprognose wohl zu hoch angesetzt

Canada Canola

Das US-Landwirtschaftsministerium (USDA) hatte seine Schätzung zur kanadischen Raps-Ernte zuletzt auf 19,5 Millionen Tonnen gesenkt. Das war ein Minus von 0,6 Mio. t gegenüber dem Vormonat und ein Rückgang von 0,8 Mio. t gegenüber dem vorigen Jahr.

Diese Korrekturen scheinen angesichts der hohen Flächenverluste aber zu gering zu sein. Die Erntefläche wurde vom USDA noch auf 8,4 Millionen Hektar geschätzt, und damit unverändert zum Vormonat und 0,7 Mio. Hektar kleiner als im Vorjahr.

Der Rückgang der Erträge ist auf den sehr frühen Wintereinbruch zurückzuführen, der schon Ende September begann und seit dem reichlich Schnee in die kanadische Prärie brachte. Zusätzlich zum Schnee kam es in den Hauptanbaugebieten zu einem sehr frühen Frosteinbruch.

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