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Getreideernte und Preise

Kanada: Farmer ernten weniger Weizen und Raps

am
03.09.2019
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Kanadas Farmer gehören bei einer ganzen Reihen von Kulturen zu den globalen TOP-Exporteuren.

Das betrifft neben Raps/Canola und Weizen, auch Gerste, Hafer sowie Sojabohnen und Hülsenfrüchte. Sehr aufmerksam beobachtet der Markt deshalb die Entwicklung der Anbauflächen und die Produktionsprognosen beim zweiten nordamerikanischen Topexporteur.

Insbesondere für Deutschland sind Angebot und Preise der Kanadier als Wettbewerber am Markt für Qualitätsweizen wichtig. Das gilt vor allem auch für den britischen Markt – als wichtiger europäischer Exportmarkt für deutschen Qualitätsweizen.  

Ernte hat gerade erst begonnen

Ende der vorigen Woche hat das kanadische Statistikamt auf der Grundlage einer Befragung von Farmern die Ernteschätzungen aktualisiert.  Allerdings hat die Ernte bei Sommergetreide (Weizen, Gerste) und Sommerraps (Canola) gerade erst begonnen. Die Zahlen können sich also noch sehr stark verändern – wie in der Vergangenheit mehrfach geschehen. Und das ganz überwiegend nach oben.

Die derzeitigen Schätzung sprechen aber eine andere Sprache: Vor allem bei Weizen liegen die Ernteprognosen des kanadischen Statistikamtes unter den letzten Schätzungen des kanadischen Landwirtschaftsministeriums und des USDA. Beim Raps wird vor allem die letzte Ernteprognose des USDA sehr weit verfehlt.

Außerdem bestätigt das Statistikamt die riesige Erntemenge bei Gerste. Grund für die sehr groß erwartete Gerstenernte sind die kräftigen Anbaueinschränkungen bei Raps/Canola infolge des Handelsstreits mit China. Viele Farmer sind deshalb vom Raps auf Gerste oder Sommerweizen umgeschwenkt.

Mehr Sommerweizen, weniger Durum

Wichtigstes Getreide in Canada ist der Weizen. Dabei entfallen etwa 80 Prozent der Ernte auf Sommerweizen, 18 Prozent auf Durum und nur 2 bis 3 Prozent auf Winterweizen. In diesem Jahr wurde der Anbau von Sommerweizen zwar sehr kräftig um fast 600.000 ha ausgeweitet, gleichzeitig haben die Farmer den Anbau von Durum und Winterweizen um eine ähnliche Größenordnung eingeschränkt.

Am Ende erwartet das Statistikamt eine Gesamternte von etwa 31,2 Mio. t. Das sind immerhin 1,3 Mio. t weniger als das Landwirtschaftsministerium geschätzt hat und sogar 2,1 Mio. t weniger als das USDA erwartet. Und das bei einem der wichtigsten globalen Exporteure. Immerhin rechnet man bislang mit Ausfuhren von rund 24 Mio. t. Das ist nur geringfügig weniger als die Europäer am Weltmarkt verkaufen können.

Die Weizenpreise (ohne Durum) hatte das kanadische Landwirtschaftsministerium für das aktuelle Wirtschaftsjahr zuletzt zwischen 220 und  250 CAD/t erwartet und damit in fast auf der Höhe der vorigen Jahres mit 245 CAD.

Canola: trotz kleiner Ernte – genug für den Export

Canolaernte kanada

Wichtigste Ölsaat in Kanada ist der Sommerraps/Canola. Hier gehen die Statistiker derzeit von einer Erntemenge von 18,4 Mio. t  aus. Das wäre die kleineste Ernte seit vier Jahren und immerhin 1,7 Mio. t weniger als das USDA zuletzt geschätzt hat. Das kanadische Landwirtschaftsministerium ist hingegen von einer ähnlich kleinen Ernte ausgegangenen wie das Statistikamt. Grund ist die sehr kräftige Anbaueinschränkung der kanadischen Farmer um mindestens 700.000 ha auf 8,5 Mio. ha.

Die Exportmenge dürfte dennoch zwischen 9,5 und 10,0 Mio. t liegen und  zu einem weitaus größeren Teil als bisher nach Europa und Japan fließen. Denn der bislang größte Importeur China nimmt derzeit aus Kanada jedenfalls nichts ab.

Die kanadische Sojaernte wird auf 3,7 Mio. t geschätzt und damit etwas kleiner als in den Vorjahren. Auch hier haben die Farmer den Anbau um mehr als 200.000 ha eingeschränkt. Dennoch werden knapp 5 Mio. t Soja exportiert. 

Die Preiserwartungen des kanadischen Landwirtschaftsministeriums für das aktuelle Wirtschaftsjahr lagen für Raps zwischen 460 und 500 CAD/t und damit etwas niedriger als im vorigen Jahr mit knapp 500 CAD/t. Ende August wurde Canola am Terminmarkt mit  448 CAD/t gehandelt und damit am unteren Ende der Preisprognose.

Starke Anbauausweitung bei Gerste

ERNTE KANADA

Einen deutlichen Anbauzuwachs (zu Lasten von Raps) verbuchte in diesem Wirtschaftsjahr die Gerste. Auf der Grundlage einer kräftigen Anbauausweitung von etwa 370.000 ha rechnet das Statistikamt mit einer sehr großen Ernte von 9,7 Mio. t. Das USDA hatte die Produktion sogar deutlich über 10 Mio. t geschätzt.

Von der Gesamternte werden allerdings rund 6 Mio. t selbst verbraucht und verfüttert. Immerhin 3,0 Mio. t sollen in den Export fließen. Mehr Gerste exportieren nur noch die  Europäer, die beiden Schwarzmeerländer und Australien. Die Gerstenpreise hatte das kanadische Landwirtschaftsministerium für das aktuelle Wirtschaftsjahr zuletzt zwischen 230 und  250 CAD/t geschätzt und damit niedriger als im vorigen Jahr mit 260 CAD/t.

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