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Kartoffelmarkt und Corona-Krise

Kartoffelanbau bricht drastisch ein – wegen Corona

Kartoffeln.
am Montag, 26.10.2020 - 14:42 (Jetzt kommentieren)

Der Kartoffelfläche in Europa schrumpft zweistellig. Die Gründe: Die wegbrechende Nachfrage und niedrige Preise.

Kartoffeln pflanzen.

Die Organisation der nordwest-europäischen Kartoffelanbauer (NEPG) rechnet mit einem dramatischen Rückgang des Kartoffelanbaus aufgrund von Corona. Die Ursachen sind die weiterhin deutlich kleinere Nachfrage aufgrund von Covid-Auflagen im Gastronomiesektor und das extrem niedrige Preisniveau.  

Die NEPG geht davon aus, dass die Erzeuger im Nordwesten der EU im nächsten Frühjahr insgesamt 15 Prozent weniger Kartoffeln anpflanzen werden. Der Grund: Aufgrund von Covid-19 brach die Nachfrage nach verarbeiteten Kartoffelprodukten in Europa und weltweit stark ein. Die derzeitige Nachfrage nach Rohstoffen aus den Fabriken liegt im Vergleich zur letzten Saison vor der Pandemie bei etwa 85 Prozent, meldet die NEPG.

Die Kartoffernte der fünf großen westeuropäischen Anbauläner wird in dieser Saison auf 27,9 Millionen Tonnen geschätzt, wenn alle Kartoffeln tatsächlich noch geerntet werden. Dies wären 4,5 Prozent oder rund 1 Million Tonnen mehr als in der vorigen Saison.

Angesichts der niedrigen Preise und der hohen Kosten ist das jedoch nicht sicher, ob alle Kartoffeln noch aus dem Boden kommen. Die Ernte läuft außerdem länger als gewöhnlich und es gibt immer noch einige Flächen in den schwierigen sehr feuchten Regionen in Westbelgien und Großbritannien, wo nicht geerntet wurde.

Verarbeiter brauchen viel weniger Rohstoff – Angebot ist zu groß

kartoffellager.

Das derzeit niedrige Preisniveau für Verarbeitungs-Kartoffeln mach die angespannte Marktlage deutlich. Die Kontraktpreise an der EEX für November liegen gerade einmal bei 5,0 Euro je 100 kg und für den April 2021 wird mit 6,50 je 100 kg nicht viel mehr notiert. Vor einem Jahr lagen die Preise noch bei 15,50 Euro je 100 kg – und damit rund dreimal so hoch.

Europäische Kartoffel-Verarbeiter sitzen weiterhin auf sehr großen Lagerbeständen an Fertigprodukten in ihren Kühlhäusern. Sie benötigen über einen längeren Zeitraum deutlich weniger Rohstoffe. Es wird erwartet, dass sie das Volumen ihrer Verträge mit den Erzeugern im nächsten Jahr deutlich reduzieren. Aufgrund der tatsächlichen Kosten für den Anbau und die Lagerung von Kartoffeln ist nach Einschätzung der NEPG deshalb auch keine größere Veränderung der Vertragspreise zu erwarten.

In den letzten 5 Jahren haben die NEPG-Erzeuge ihre Anbaufläche um 7,7 Prozent ausweitet. Der Anstieg in Frankreich betrug fast 14 Prozent und in Deutschland 10 Prozent, aber auch die anderen Länder vergrößerten ihre Fläche. Diese Anbauexpansion ist ein enormer Kontrast zu dem Nachfrageinbruch nach Covid-19.

Mit den sich abzeichnenden neuen Auflagen für die Gastronomie in der zweiten Welle in mehreren Ländern erwartet die NEPG keine Änderungen der Marktlage für die kommenden Saison.  Darüber hinaus könnte auch das Ergebnis der Brexit-Verhandlungen den Markt noch negativ beeinflussen.

Kartoffelpreise weiterhin sehr, sehr niedrig

Karoffelpreise.

Der niederländische Börsenmakler De Vries & Westermann berichtet, dass zusätzlich zu den Corona-Problemen die zuletzt verbesserten Erntebedingungen für eine Marktsituation mit einem gut ausreichenden Angebot sorgen. Dies setzt die Kartoffelpreise noch stärker unter Druck.

Die Notierungen für Kartoffelchips von PotatoNL und Belgapom verharren vorerst auf einem sehr niedrigen Niveau von 3 Euro bis maximal 4 Euro pro 100 Kilo. Die Stimmung auf dem Kartoffelmarkt ist negativer als Anfang Oktober, berichten die niederländischen Analysten.

Die Erzeugerpreise für vorwiegend fest kochende Speise-Kartoffeln lagen in Deutschland in  der vorigen Woche im Schnitt bei 10,35 Euro je 100 kg. Das waren rund 8 Euro bzw. 43 Prozent weniger als im vorigen Jahr zum gleichen Termin – als gut 18 Euro je 100 kg notiert wurden.

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