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Kartoffelmarkt und Kartoffelpreise

Kartoffeln: Große Ernte und Corona drücken Kartoffelpreise

geenrtete Kartoffeln liegen auf einem Acker neben einer Kartoffelpflanze
am Donnerstag, 24.09.2020 - 07:33 (Jetzt kommentieren)

Die deutsche Kartoffelernte wird deutlich größer als im vorigen Jahr und auch erheblich größer als im langjährigen Mittel.

Graphik der abstürzenden Erzeugerpreise für Speisekartoffeln im September 2020

Der Grund für die größere Kartoffelernte: Eine deutliche Ausweitung der Anbaufläche. Für die Kartoffelpreise ist das jedenfalls keine gute Nachricht, denn die stehen seit der Coronakrise mächtig unter Druck.

Das betrifft nicht nur die dramatisch abgestürzten miesen Preise für Verarbeitungskartoffeln, sondern mittlerweile auch die ebenfalls unter Druck stehenden Preise für Speisekartoffeln.

Für vorwiegend festkochende Kartoffeln bekamen die Bauern nicht einmal mehr 11 Euro je 100 kg und damit gerade halb so viel wie im vorigen Jahr zu diesem Zeitpunkt mit knapp 20 Euro je 100 kg.

Anbauausweitung sorgt für große Kartoffelernte

Kartoffelernte in Deutschland.

Basierend auf den bisher vorliegenden Rodeergebnissen aus der „Besonderen Ernte- und Qualitätsermittlung“ schätzt das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) die neue Kartoffelernte auf rund 11,6 Millionen Tonnen. Das wären 8,9 Prozent mehr als im vergangenen Jahr und 8,3 Prozent mehr Kartoffeln als im mehrjährigen Durchschnitt.

Wesentlicher Grund dafür ist die Ausweitung des Kartoffelanbaus. In Deutschland ist die Anbaufläche für Speise-, Verarbeitungs- und Industriekartoffeln um 1,2 Prozent auf fast 275.000 Hektar angestiegen.

Spitzenreiter bei der Anbaufläche bleibt Niedersachsen (45 Prozent), gefolgt von Bayern (16 Prozent) und Nordrhein-Westfalen (13 Prozent). Nach Schätzungen des Verbandes der nordwesteuropäischen Kartoffelanbauer werden auf knapp 190.000 Hektar der deutschen Anbaufläche Konsumkartoffeln erzeugt.

Corona macht dem Kartoffelmarkt zu schaffen

Im Bundesdurchschnitt weisen die bisher ausgewerteten Rodeergebnisse einen vorläufigen Hektarertrag von 420 Dezitonnen aus. Damit werden die schlechten Ergebnisse der beiden vorangegangenen Trockenjahre übertroffen, der mehrjährige Durchschnitt jedoch um 1,6 Prozent verfehlt. Die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie hatten den Kartoffelmarkt spürbar beeinflusst.

Mit dem Wegfall des Außer-Haus-Verzehrs in Folge des Lockdowns schrumpfte der Bedarf an Verarbeitungskartoffeln, insbesondere für die Herstellung von Tiefkühl-Pommes-Frites, dramatisch. Private Haushalte kauften im ersten Halbjahr 2020 hingegen 15 Prozent mehr Speisekartoffeln als im Jahr zuvor.

Den Kartoffelpreisen hat dies bisher nicht wirklich nach oben geholfen. Mit der Wiedereröffnung gastronomischer Angebote hat sich die Nachfrage nach Schälkartoffeln und verarbeiteten Kartoffelerzeugnissen jedoch wieder etwas verbessert. Das Vor-Corona-Niveau ist aber noch nicht wieder erreicht.

Verarbeitungs-Kartoffeln stehen weiter unter Druck

Grafischer Verlauf der Kartoffelpreise am Terminmarkt mit einem Abfall im August 2020

Besonders stark veränderte die Coronapandemie die Entwicklung des Marktes für Pommes-Frites-Kartoffeln. Analysten befürchten, dass die Auswirkungen dieser Krise noch lange spürbar sein werden. Der Markt drehte sich von einem nachfrageorientierten Handel hin zu einer Situation mit einem enormen Überangebot. Insbesondere der Food-Service-Sektor war stark betroffen.

Restaurants und Fast-Food-Ketten mussten massenhaft ihre Türen schließen, Caterer verloren Bestellungen und Großveranstaltungen wurden abgesagt. Der direkte Nachfrageverlust nach Chips wurde auf über 50 Prozent geschätzt. Damit gab es jedoch ein enormes Überangebot an Rohstoffen für die verarbeitende Industrie.

Die Kartoffelnotierungen für Verarbeitungsware fielen am Terminmarkt in kurzer Zeit von 17 Euro auf weniger als 2 Euro pro 100 Kilo. Derzeit liegen die Preise für den Novemberkontrakt 2020 bei 5 Euro und für April des kommenden Jahres bei 7 Euro je 100 kg.

Aus den Niederlanden ist zu hören, dass die Chipshersteller derzeit rund 80 Prozent der normalen Kapazität nutzen. Die Nachfrage nach Pommes Frites hat sich etwas erholt, aber noch nicht auf das Niveau vor der Coronakrise.

Derzeit haben die meisten Hersteller genug Vertragskartoffeln und sind nicht auf dem freien Markt aktiv, berichtet der niederländische Börsenmakler De Vries & Westermann.

Mit Material von BMEL

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