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Ernteprognose

Kartoffeln: Kleine Ernte, hohe Preise

Abladen Kartoffeln am Feldrand
am Montag, 27.08.2018 - 13:23 (Jetzt kommentieren)

Die deutsche und die europäische Kartoffelernte leiden unter der extremen Dürre. Davon geht das Bundeslandwirtschaftsministerium (BMEL) in seiner ersten Prognose aus.

Während die deutsche Frühkartoffelernte von witterungsbedingten Einbußen noch weitgehend verschont blieb, sieht es bei der Haupternte völlig anders aus.

Bei den mittleren und späten Kartoffelsorten haben die lang anhaltende Hitze und Trockenheit bereits zu irreversiblen Mengen- und Qualitätseinbußen geführt. Es sei denn, es konnte durch Beregnung gegengesteuert werden. Die Beregnungsflächen sind jedoch begrenzt.

Deutliche Ernteeinbußen zu erwarten

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Das mengenmäßige Ergebnis der Haupternte wird entscheidend davon abhängen, ob in nächster Zeit noch Regen fällt. Niederschläge sind zudem erforderlich, um überhaupt ernten zu können. Bei zu trockenem und hartem Boden werden ansonsten die Knollen beim Roden durch Kluten beschädigt.

Der einzig positive Aspekt der vorherrschenden Witterung besteht in einem geringen Krankheitsdruck. Das erste vorläufige Ergebnis der Kartoffelernte wird vom Landwirtschaftsministerium Ende September veröffentlicht.

Schon jetzt wird mit Ernteausfällen von bis zu 40 Prozent gerechnet, berichtete der Geschäftsführer des Bundesverbands der obst-, gemüse- und kartoffelverarbeitenden Industrie (BOGK), Horst-Peter Karos. "Wenn kein Wetterumschwung kommt, ist die Missernte da", sagte Karos.

Kartoffelpreise sind kräftig gestiegen

EZP Kartoffeln

Seit der zweiten Julihälfte schlägt sich die wachsende Sorge um die Kartoffelernte auch in der Preisentwicklung nieder. Da sich eine enge Versorgungslage bei den Verarbeitungskartoffeln abzeichnet, wächst das Interesse der Industrie an Doppelnutzungssorten und Speisesorten in Übergrößen mit ausreichender Backeignung.

Die Erzeugerpreise für festkochende Speisekartoffeln (lose Ware) lagen im Juli durchschnittlich bei 28,20 Euro/dt und damit um 16 % über dem vergleichbaren Vorjahresniveau. Nach Auslaufen der Frühkartoffelsaison ist der Abstand zum Vorjahr angesichts der gegensätzlichen Ernteaussichten deutlich größer geworden.

In der 34. Kalenderwoche fiel der durchschnittliche Erzeugerpreis mit 23,50 Euro/dt um 29 % höher aus als ein Jahr zuvor. Auch die Entwicklung am europäischen Terminmarkt spiegelt die schwachen Ernteerwartungen wider. Im letzten Julidrittel durchbrach die Notierung für den April-2019-Kontrakt die Marke von 30 Euro/dt.

Europa: Ernte wird ebenfalls klein

Kartoffelernte

Nach einer Schätzung des Verbandes der nordwesteuropäischen Kartoffelanbauer (NEPG) wurde die Anbaufläche für Konsumkartoffeln in den fünf wichtigsten nordwest-europäischen Erzeugerländern nach einer deutlichen Zunahme im Vorjahr nochmals um etwa ein Prozent ausgeweitet und dürfte sich damit im Erntejahr 2018 auf knapp 600.000 ha belaufen.

In den vorangegangenen Jahren hatten der Ausbau von Verarbeitungskapazitäten, insbesondere in Belgien und in den Niederlanden sowie der florierende Export von Kartoffelprodukten die Anbauentscheidungen der Landwirte beeinflusst. Mittlerweile hat sich der Wettbewerb auf den internationalen Märkten verschärft, sodass die Exportpotenziale vorsichtiger eingeschätzt werden.

Bedeutsamer als die leichte Anbauausweitung werden für die diesjährige Erntemenge die Hektarerträge sein, die infolge der in weiten Teilen des „europäischen Kartoffelgürtels“ herrschenden Hitze und Trockenheit spürbar niedriger als sonst ausfallen werden. Zudem sind witterungsbedingte Qualitätseinbußen feststellbar, beobachtet das BMEL.

Damit könnte sich für Kartoffelerzeuger mit Vertragsanbau die Erfüllung der eingegangenen Lieferverpflichtungen als ernsthaftes Problem herausstellen. Da freie Verarbeitungsware knapp sein dürfte, kann man davon ausgehen, dass die Verarbeitungsbetriebe vermehrt auch auf Speisekartoffeln zurückgreifen werden, mit entsprechenden Auswirkungen auf die Preisentwicklung an diesem Teilmarkt. Auch die Frage, ob für die kommende Anbausaison genügend Pflanzkartoffeln verfügbar sein werden, stellt sich bereits.

Mit Material von BMEL

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