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Vermarktung Live

Katastrophale Lage im Norden

Vermarktung Live
© Dieter Jendrziak
von am
19.12.2017

Die Situation auf den landwirtschaftlichen Betrieben in Norddeutschland hat sich zum Jahresende keineswegs verbessert, sondern weiter verschärft.

Die Hoffnung auf einen Ausgleich des gewaltigen Niederschlagsüberschusses, ist mittlerweile verflogen. Immer neue heftige Regenfälle nagen jetzt kurz vor Weihnachten an der Hoffnung auf ein ausgleichendes Frühjahr, in dem die Landwirte einigermaßen zeitgerecht die Sommerung in den Boden bringen, oder das Grünland für den neuen Aufwuchs vorbereiten können.

Ehe die Flächen wieder befahrbar sind, brauchen wir eine lange Trockenperiode und die Strukturschäden werden wohl noch deutlich länger brauchen.

Nur die Hälfte der Flächen bestellt

Hochwasser auf Maisstoppeln
Hier konnte der Mais immerhin abgefahren werden. © Dieter Jendrziak

An eine zeitgerechte, frühe Gülledüngung, die auch das Lagerungsproblem entschärfen könnte, ist noch gar nicht zu denken. Die Verluste sind auf jeden Fall jetzt schon sehr hoch. Futterbaubetrieben fehlt häufig ein Grünlandschnitt, der Aufwuchs muss aber noch irgendwie geräumt werden, denn sonst sind keine Qualitäten im ersten Schnitt der kommenden Saison möglich.

Der Silomais ist oft von minderer Qualität. Teilflächen stehen immer noch und die Erntekosten waren nicht selten doppelt so hoch wie sonst. Der Ackerbau leidet sowieso. Landesweit ist wohl höchstens die Hälfte der geplanten Fläche bestellt worden und auch davon ist der weitaus größere Teil in keinem guten Zustand. Nicht selten wird es wohl ein  Totalverlust. Es kommt jetzt auf das Frühjahr an.

Die Sommersaaten sind mittlerweile nahezu ausverkauft und extrem teuer geworden. Auf schweren Standorten in der Marsch, die womöglich nicht mehr gepflügt werden konnten, ist eine anständige Sommerung mit einer Frühjahrsfurche sehr schwierig.

So mancher Landwirt denkt hierzulande darüber nach, sich lediglich mit dem guten ökologischen Zustand zufrieden zu geben und keine weiteren Kosten zu produzieren, insbesondere wenn kein früher Saatzeitpunkt eingehalten werden kann. Dann könnte zumindest die nächste Saison vernünftig vorbereitet werden. Bei dem derzeitigen Preisniveau ist ohnehin nicht viel zu holen.

Stimmen die Anbau- und Ernteprognosen?

Schlamm auf Feld
Hier wurde mit Gewalt eine Herbstfurche gezogen. Ideal für die Struktur ist das nicht. © Dieter Jendrziak

Die Statistiker haben sich für die kommende Ernte jedenfalls bereits weit aus dem Fenster gelehnt. Den Anfang machte der Prognosedienst Mars (Monitoring Agricultural RecourceS). Dieser hat in seinem Bericht zur aktuellen Lage in den Ackerbauregionen der EU bekanntgegeben, dass große Teile Polens, des Baltikums und Nordostdeutschlands von einer außergewöhnlich nassen Witterung mit größeren Schäden bei den Wintersaaten betroffen sind.

Diese Aussage bezieht sich explizit auf die Aussaatbedingungen und die daraus resultierende kommende Ernte. Dabei wurde die Rapsfläche in Deutschland um ganze 2 % reduziert, aber die Extrembedingungen für das Wintergetreide finden im Ergebnis kaum Beachtung, obwohl auch hier das Aussaatzeitfenster mittlerweile geschlossen ist. Schleswig-Holstein und das nordwestliche Niedersachsen hatten die Mars-Spezialisten überhaupt nicht auf dem Plan.

Eine weitere Prognose kam Mitte Dezember vom französischen Analystenhaus Strategie Grains (Tallage). In ihrem Marktbericht erwarten die Analysten keine kleinere Anbaufläche und eine nahezu unveränderte Weizenernte in Deutschland gegenüber dem Vorjahr.

Das ist aber kaum vorstellbar, wenn die Hochertragsstandorte in der Marsch nahezu komplett ausfallen. Immerhin werden allein in Schleswig-Holstein rund 200.000 ha Winterweizen angebaut. Wenn dann grob geschätzt mindestens die Hälfte entfällt, würden rund 1 Mio. t Weizen fehlen.

Dann kommen noch die Nachbarn im Norden und im Süden hinzu. Da fragt man sich schon wie genau arbeiten die Analysten eigentlich. Letztendlich haben diese Meldungen erheblichen Einfluss auf die Notierungen an den Getreidebörsen.

Dies ist eine Markteinschätzung aus der Serie "Vermarktung live".

Nässe, Schlamm und Schnee: So sieht es auf norddeutschen Feldern aus

Wasser auf Wiese
Diese Grasfläche ist völlig überschwemmt und nicht nutzbar. © Dieter Jendrziak
Schlamm auf Feld
Hier wurde mit Gewalt eine Herbstfurche gezogen. Ideal für die Struktur ist das nicht. © Dieter Jendrziak
Voller Wassergraben
Die Gräben sind voll. Aus den häufig vorhandenen Niederungsgebieten muss das Wasser gepumpt werden, wodurch hohe Kosten entstehen. Die Schöpfwerke werden mit E-Motoren sowie Dieselaggregaten betrieben und laufen schon seit langem rund um die Uhr. © Dieter Jendrziak
Nasse Wiese
Eine nicht geerntete Grünlandfläche. Dieser Schnitt stört aber den ersten Aufwuchs im kommenden Frühjahr und muß kostenintensiv entsorgt werden, sobald die Fläche wieder befahrbar ist. © Dieter Jendrziak
Überschwemmung auf Wiese
Seit Monaten hängt über Norddeutschland ein grauer Himmel ... © Dieter Jendrziak
Überschwemmung auf Wiese
... aus dem immer wieder ergiebige Niederschläge fallen. © Dieter Jendrziak
Verschlammte Weide
Auch für die Weidehaltung wird der aufgeweichte Boden zum Problem. © Dieter Jendrziak
Hochwasser auf Maisstoppeln
Hier konnte der Mais immerhin abgefahren werden. © Dieter Jendrziak
Hochwasser auf Maisacker
Diese Maisfläche wird nicht abgeerntet werden können. © Dieter Jendrziak
Überschwemmtes Stoppelfeld
Ein trostloses Bild, das den Landwirten vor Ort über den Winter erhalten bleiben wird. © Dieter Jendrziak
Festgefahrener Traktor
Der Versuch, zur Entwässerung einen Grüppel zu ziehen, ist gescheitert. Das Wasser kann bis zu dem Punkt zwar abfließen, aber der Strukturschaden ist groß. © Dieter Jendrziak
Festgefahrener Traktor
Die Bergung des Schleppers war keine leichte Aufgabe. © Dieter Jendrziak
Gefrorener, gepflügter Acker mit Stauwasser
Sonnige, trockene Tage, an denen der Boden abtrocknen kann, gab es in der zweiten Jahreshälfte viel zu wenig. © Dieter Jendrziak
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