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Getreideexport Ukraine

Kein Getreide aus der Ukraine? Unglückliche Reise des Frachters Razoni

Razoni-Frachter-Getreide-Ukraine
am Mittwoch, 10.08.2022 - 14:27 (7 Kommentare)

Der Frachter „Razoni“ war das erste Schiff, das nach dem russisch-ukrainischen Abkommen zur sicheren Passage durch das Schwarze Meer mit einer Ladung Getreide Odessa verlassen hat. Doch an seinem Bestimmungshafen Tripoli im Libanon will man ihn anscheinend nicht mehr.

Am 1. August 2022 verließ der Getreidefrachter Razoni, beladen mit 26.000 Tonnen Körnermais, den Hafen von Odessa. Die Hoffnung war groß, dass damit ein Beitrag im Kampf gegen den Hunger auf der Welt gleistet werden könne. Denn seit der russischen Invasion der Ukraine hat kein größeres Handelsschiff die dortigen Schwarzmeerhäfen verlassen. Experten hatten lange gewarnt, dass Putin Hunger als Waffe einsetzen werde. Das Abkommen über ukrainische Getreideexporte vom Juli schien, dem einen gewissen Riegel vorzuschieben. Doch während mittlerweile drei Frachter mit rund 57.000 Tonnen Mais die Ukraine verlassen haben, könnte für das erste der Schiffe, die Razoni, eine Irrfahrt begonnen haben.

Razoni fährt vorerst nicht in den Libanon

Tripoli im Libanon, den Zielhafen der Razoni, hat das Schiff noch nicht angelaufen. Wie die ukrainische Botschaft im Libanon über Facebook mitteilte, verweigere der libanesische Käufer wegen fünfmonatiger Verspätung die Annahme der Lieferung. Gegenüber dem ARD-Studio Kairo erklärte der ukrainische Botschafter Ihor Ustasch in Tripoli, dass weitere Verhandlungen zwischen der Reederei und möglichen Käufern stattfinden würden. Wie die Zeitung „Tagesspiegel“ berichtet, sei die Ladung der Razoni als Hühnerfutter gedacht. Derzeit ankert die Razoni laut Medienberichten nahe der südtürkischen Stadt Mersin.

Warum ist die Fahrt der Razoni so wichtig?

Die Fahrt der Razoni gilt als wichtiger Test, wie gut das von der Türkei vermittelte Abkommen über Getreideexporte zwischen der Ukraine und Russland umgesetzt werden könne. Der türkische Admiral Özcan Altunbulak, Chef des Koordinationszentrums für Getreideexporte aus der Ukraine sagte dazu: „Die Augen der Weltöffentlichkeit sind auf unsere kollektive Anstrengung hier gerichtet. Es ist unsrer Pflicht, diese historische Anstrengung zu erfüllen.“ Eine Sprecherin des russischen Außenministeriums erinnerte unterdessen an den zweiten Teil des Abkommens, auch russische Exporte von Getreide und Düngemitteln zu erleichtern.

Wie viele Getreidefrachter warten noch in der Ukraine?

Laut Vereinten Nationen warten derzeit noch 27 Getreidefrachter in den Häfen der Ukraine auf die Möglichkeit zum Auslaufen, allein 16 davon mit 580.000 Tonnen Getreide in der Region Odessa. John Rich, Vorstandsvorsitzender des ukrainischen Agrarunternehmens MHP, mahnte in einem Gespräch mit der Zeitschrift Forbes, dass das Getreide zumeist überdurchschnittlich lange in den Schiffen gelagert worden sei. Dadurch sei eine Bildung von Schimmel bzw. Mykotoxinen wahrscheinlich. Wörtlich sagte er: „Soweit wir hören, ist das Getreide von fragwürdiger Qualität.“

Wie wird ukrainisches Getreide derzeit exportiert?

MHP-Chef John Rich sagte gegenüber der Zeitschrift Forbes, dass der Großteil der Produktion seines Unternehmens derzeit per Lastwagen oder Schiene nach Europa geliefert werde. Der Unternehmer sieht die Gefahr von russischen Angriffen auf Getreideexporte aus den ukrainischen Schwarzmeerhäfen als noch nicht vollständig gebannt. Russland hat in jüngster Vergangenheit bereits Getreidehäfen bombardiert. Derzeit lagerten in den Silos der Ukraine noch rund 25 Mio. Tonnen Getreide, zusätzlich rechnet er mit einer Ernte von 21 Mio. Tonnen. Erschwerend für ukrainische Exporteure sei, dass Getreidepreise auf dem Weltmarkt wieder ungefähr auf dem Vorkriegsniveau angekommen seien: Die Gewinnspanne für Exporte aus der Ukraine reflektiere aber nicht das Risiko, das ukrainische Händler angesichts der Kampfhandlungen im Land tragen würden.

Wie ist der aktuelle Weizenpreis auf dem Weltmarkt?

Mahlweizen-CBOT-Preis-Kontrakte

Am Chicago Board of Trade (CBOT) haben die Getreidepreise derzeit wieder das Niveau vor dem Krieg in der Ukraine erreicht. Dort werden Weizenkontrakte für Mahlweizen derzeit für 791 US-Cent/Bushel gehandelt. Einen Tag vor Ausbruch der Kämpfe in der Ukraine lag der Preis bei 874,75 US-Cent je Bushel. Für Mais lag der Kontraktpreis an der CBOT am 23. Februar 2022 bei 628,75 US-Cent je Bushel, am heutigen 10. August liegt er bei 619 US-Cent. Die Getreidepreise am CBOT gelten als wichtiger Indikator für den Weltmarkt.

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