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DLG-Kolloquium 2018

Klimawandel verändert Landwirtschaft

staubige Rapsaussaat
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Dr.Olaf Zinke, agrarheute
am
04.12.2018

Welche Folgen hat der Kimawandel für die Landwirtschaft. Und wie können Landwirte darauf reagieren. Auf dem DLG-Kolloquium wurden diese Fragen diskutiert.

Der Witterungsverlauf der letzten 12 Monate wird den deutschen Landwirten wohl noch lange in Erinnerung bleiben. Zu tief sind die Spuren, die dieses außergewöhnliche Jahr in Getreidespeichern, Futtersilos und Jahresabschlüssen hinterlassen hat. Mit dieser Einschätzung leitete der Präsident der DLG Hubertus Paetow das heutige DLG-Kolloquium in Berlin zum Thema „Landwirtschaft und Klimawandel“ ein.

Dabei machte der DLG-Präsident deutlich, dass sich die Landwirtschaft intensiv mit dem Thema Klimawandel beschäftigen muss, um herauszufinden in welche Richtung man sich entwickeln muss, um die Herausforderungen erfolgreich zu meistern. Außerdem vertrat er die Auffassung, dass die Landwirtschaft künftig am besten ohne staatliche Dürrehilfen mit den Herausforderungen der Natur zurechtkommen muss.

Zunahme von Wetterextremen

Symboldbild Klimawandel in der Landwirtschaft

Der DLG-Präsident führte weiterhin aus, dass der große Vorteil des Getreideanbaus in Nordeuropa eigentlich eine relativ gleichmäßige Verteilung von Niederschlägen und Temperaturen ist. Klimawandel in Nordeuropa bedeutet für ihn deshalb auch nicht fundamental andere Witterungsverhältnisse sondern die Zunahme von Wetterextremen, wie etwa Trockenheit, extreme Nässe, Stürme, Kälte und Hitze.

Das es den durch die Anwesenheit des Menschen verursachten Klimawandel gibt, wird nach Paetows Einschätzung von den meisten Wissenschaftlern nicht in Frage gestellt. Für Landwirte ist nach seiner Meinung die Existenz des Klimawandels nicht so entscheidend.

Landwirte sind nach seiner Meinung ohnehin Entscheidungen unter Unsicherheit gewöhnt. Deshalb muss das Phänomen des Klimawandels vor allem als weiterer Parameter auf der Entscheidungsmatrix des Landwirts gesehen werden. Die nötigen Anpassungen will der DLG-Präsident in ihrer Dringlichkeit mit den Eintrittswahrscheinlichkeiten der Wetterereignisse wichten.

Landwirtschaft muss sich anpassen

AF_Winterraps-Staub-Saat

Paetow kritisierte außerdem, dass in der öffentlichen Diskussion der letzten Monate immer wieder geäußert wurde, dass die Landwirtschaft die Dürre als Folge ihres Anteils am Klimawandel selbst verschuldet habe. Seiner Meinung nach führt diese Behauptung nicht nur in die Irre, weil sie nicht stimmt, sondern auch weil sie von den tatsächlich notwendigen Überlegungen ablenkt.

Notwendig ist nämlich eine genaue Analyse der Ursachen und vor allem die Suche nach Lösungen. Zwei Aspekte bestimmen Paetows Meinung nach das Thema Landwirtschaft und Klimawandel, die klar voneinander getrennt werden müssen. Zum einen ist dies der Anteil der Landwirtschaft an den Treibhausgasemissionen und an den Emissionen zur Landnutzung. Dabei muss man allerings auch die Kohlenstoffbindung in den landwirtschaftlichen Erzeugnissen und im Boden berücksichtigen.

Der andere Aspekt ist nach Peatows Einschätzung eine Anpassung der Produktionssysteme an die Folgen des Klimawandels. Das ist zum einen möglich durch Veränderungen der Prozesse innerhalb der heutigen Produktion. Möglich ist jedoch auch ein Umbau des gesamten Betriebssystems hin zu anderen Kulturen mit besserer Anpassung an die klimatischen Verhältnisse.

Treibhausgase deutlich reduzieren

Angus-Rinder auf hügeliger Weide

Der Anteil der Landwirtschaft an den globalen Emissionen von Treibhausgasen ist nicht einfach zu beziffern. Die Einschätzungen reichen nach Aussagen des DLG-Präsidenten von 10 bis 40 Prozent, je nachdem welche Schritte der Nahrungsmittelproduktion der Landwirtschaft zugerechnet werden. Für Deutschland geht man von einem Wert von etwa 7 Prozent aus.

Auf der international anerkannten THG-Skala liegt die deutsche Landwirtschaft unter den Wirtschaftssektoren auf Position 5der Verursacher. Der DLG-Präsident führt weiter aus, dass im Rahmen des Pariser Klimaschutzabkommens bis 2030 insgesamt weitere 38 Prozent THG-Emissionen eingespart werden müssen. Auf die Landwirtschaft bezogen bedeutet dies für die nächsten 15 Jahre Einsparungen von 15 Prozent.

Um dies möglichst effizient umzusetzen, will Peatow auf die besonders kritischen Bereiche schauen. Dazu zählen vor allem Methan aus der Rinderhaltung und Lachgas aus der Denitrifikation des Bodens. Beides ist nach Meinung Peatows wesentlich schwieriger in den Griff zu bekommen als etwa der CO2-Ausstoß aus Verbrennungsmotoren.

Und außerdem dürfen die ergriffenen Maßnahmen die Produktivität nicht beeinträchtigen. Denn was hilft es nach Aussage Peatows, bei einem globalen Phänomen wie dem Klimawandel, „wenn wir in Deutschland weniger THG erzeugen  - indem wir weniger Getreide oder Milch produzieren – was dann an Nahrungsmitteln fehlt. Diese dann aber woanders produziert werden und die Treibhausgase von dort in die Atmosphäre geschickt werden.“

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