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Maisernte und Maispreise

Körnermais: Ernte verzögert sich, Importe sehr hoch

Maisernte
am Mittwoch, 30.10.2019 - 15:46 (Jetzt kommentieren)

In Deutschland läuft die Maisernte genau so schleppend wie in den USA. Die Maispreise sind am Weltmarkt zuletzt etwas gestiegen.

Die Körnermaisernte in Deutschland kommt nur schleppend voran. „Während sie im Westen in einigen Regionen auf ihr Ende zugeht, stehen insbesondere im Südwesten noch große Mengen auf den Äckern“, berichtet der Deutsche Raiffeisenverband (DRV) in seinem aktuellen Marktüberblick.

Die Gesamternte schätzt der DRV jetzt auf 4,2 Millionen Tonnen. Das entspricht etwa dem langjährigen Durchschnitt. Im August war der DRV lediglich von 3,9 Millionen Tonnen ausgegangen. Das Statistische Bundesamt hatte die deutsche Körnermaisernte Ende September nur auf 3,5 Mio. t geschätzt und damit deutlich kleiner als der DRV.

Das Landwirtschaftsministerium (BMEL) war in seiner Ernteschätzung von einer Maisernte von 3,8 Mio. t ausgegangen. Im Dürrejahr 2018 hatten die deutschen Bauern gerade einmal 3,3 Mio. t Mais von den Feldern geholt.

Ernte bis weit in den November

Maisernte landwirt

"Das diesjährige Ergebnis liegt um zirka 26 Prozent über dem Wert des Vorjahres, das durch die Dürre mehr als enttäuschend ausfiel", sagte der DRV-Getreidemarktexperte Guido Seedler. Der teilweise ergiebige Regen in den vergangenen Wochen hat die Pflanzenentwicklung nach einem vergleichsweise trockenen Sommer positiv beeinflusst.

Allerdings hat das kühle und regnerische Wetter die Abreife verzögert und die Ernte immer wieder unterbrochen, da die Böden teilweise zu nass sind. „Weil die Äcker aufgrund kürzerer Tage und sinkender Temperaturen nur noch schwer abtrocknen, kann sich die Ernte noch bis weit in den November hineinziehen“ glaubt Seedler.

Die Erträge fallen je nach Region und Niederschlagsmenge sehr heterogen aus, die Qualitäten sind in der Summe gut bis durchschnittlich.

Europäer importieren reichlich Mais

Maisernte

Die Europäische Kommission hatte die europäische Körnermaisernte zuletzt auf 66,5 Mio. t nach unten korrigiert – nachdem man vier Wochen zuvor noch mit 68,5 Mio. t gerechnet hatte. Damit würde die europäische Maisernte recht deutlich unter der guten Ernte aus dem Vorjahr von 69,0 Mio. t zurückbleiben.

Vor einem Jahr hatten vor allem die südosteuropäischen Länder wie Rumänien, Bulgarien und Ungarn sehr große Maisernten eingefahren und die den hitzebedingten Produktionseinbruch in Westeuropa mehr als ausgeglichen. Wegen der insgesamt sehr kleinen europäischen Getreideernte und der knappen Versorgung mit Futtergetreide waren die Maisimporte 2018  auf den neuen Rekordstand von 24 Mio. t geklettert. Für dieses Jahr rechnet die Kommission noch mit Einfuhren von 17 Mio. t.

Die hohen Erntemengen bei Weizen und Gerste drücken den Importbedarf offenbar nach unten – dennoch fließt derzeit reichlich Mais aus Brasilien und aus der Ukraine – aber auch aus Serbien - nach Europa. In den ersten vier Monaten des laufenden Wirtschaftsjahres liegen die Importmengen sogar 26 Prozent über dem rekordhohen Vorjahreswert – so dass die Kommission ihre Einschätzung zu den Einfuhren durchaus noch nach oben revidieren könnte. Auch Deutschland hat schon 250.000 t Mais aus Dritteländern importiert.

US-Maisernte mit großem Rückstand

Maisernte

Die Maispreise folgen indessen weniger den Vorgaben des europäischen Marktes als der Entwicklung am Weltmarkt. Und hier gibt die USA derzeit die Richtung vor. Dort hatte die extrem späte Aussaat nach Überflutungen im Mittelwesten zu einer verzögerten Entwicklung der Pflanzen und einem sehr späten Erntebeginn geführt.

Ende Oktober hatten die Farmer erst 41 Prozent der Maisernte eingebracht  - im Vergleich zu 61 Prozent im langjährigen Mittel. Ob dieser große Rückstand noch aufgeholt werden kann ist fraglich, denn im Mittelwesten hat der Winter bereits begonnen – mit reichlich Schnee und Frost. Zuvor hatten massive Regenfälle die Erntearbeiten in zahlreichen Staaten verzögert.

Das USDA hatte die US-Maisernte deshalb schon mehrfach nach unten geschätzt und damit die internationalen Mais- und Getreidepreise spürbar gestützt. Anderseits fällt die Maisernte in der Ukraine und auch in Russland sehr groß aus und  auch in Südamerika steht reichlich günstiger Mais für den Export (nach Europa) zur Verfügung. 

Weltmarkpreise etwas gestiegen

Maispreise Europa

Die Weltmarkpreise für Körnermais sind an den Exporthäfen der USA in den letzten 8 Wochen um etwa 10 USD je t auf etwa 175 USD/ t fob (156 Euro) gestiegen. Gleichzeitig wird der Mais am Schwarzen Meer für 165 USD/t (147 Euro) verladen und damit 10 USD günstiger. Am wichtigsten französischen Exporthafen Bordeaux werden derzeit 185 USD/t (165 Euro) verlangt. Das sind etwa 5 Euro mehr als  vor vier Wochen.

Im Vergleich zum vorigen Jahr sind die US-Exportpreise deutlich höher, während das Niveau in der Ukraine und vor allem in Frankreich erheblich niedriger ist als 2018. Am europäischen Terminmarkt kostet der Novembertermin derzeit knapp 164 Euro je t. Am Hamburger Importhafen Brake (fot) wird der importierte Mais für 176 Euro/t verladen. Es bleibt abzuwarten, wie sich der Exportmarkt in den kommenden Monaten entwickelt“ analysiert der DRV-Getreidemarktexperte die aktuelle Entwicklung.

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