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Ausblick Europäischer Zuckermarkt

Kommission erwartet keine deutlich höheren Zuckerpreise

Zuckerrüben
am Donnerstag, 19.12.2019 - 15:19 (Jetzt kommentieren)

Die Europäische Kommission erwartet in ihrem Marktausblick keinen Rückgang der Zuckerproduktion und nur etwas höhere Preise.

Zuckerpreise

Nach der Aufhebung der Quotenregelung im Jahr 2017 befindet sich der EU-Zuckersektor in einer Konsolidierungsphase. Die Europäische Kommission erwartet in ihrem Marktausblick, dass sich dieser Prozess fortsetzt und es  zu einer Konzentration der Zucker- und Isoglucoseproduktion in den wettbewerbsfähigsten EU-Mitgliedstaaten kommt.

In den ersten Jahren nach dem Quotenende sind die europäischen Zuckerpreise aufgrund eines Produktionsüberschusses und eines intensiven Wettbewerbs zwischen den EU-Zuckerherstellern, die um Marktanteile auf dem EU-Binnenmarkt kämpfen, stark gesunken.

Darüber hinaus ist der Weltmarktpreis für Zucker seit 2017 aufgrund eines globalen Produktionsüberschusses ebenfalls stark gefallen.In ihrer Vorschau erwartet die Kommssion derzeit nur einen allmählichen und zudem sehr moderaten Anstieg der Zuckerpreise auf 405 bis 430 Euro je Tonne.

Werke wurden geschlossen

Vor diesem Hintergrund haben die deutsche Südzucker AG und die französische Cristal Union die Schließung von Werken angekündigt. Bis 2020 sollen in Frankreich vier Fabriken und in Deutschland zwei Fabriken mit einer Gesamtverarbeitungskapazität von rund 800.000 t Zucker stillgelegt werden.

Darüber hinaus wurde 2019 ein Werk in Polen geschlossen. Dies mag überraschen, da diese drei Länder die größten Zuckerproduzenten in der EU sind, die sich im sogenannten „Rübengürtel“ befinden und neben Belgien und den Niederlanden als die wettbewerbsfähigsten Hersteller in der EU gelten.

Erhebliche Anbauausweitung

Rübenmiete

Darüber hinaus gehören Frankreich, Deutschland und Polen zu den EU-Mitgliedstaaten, die die Zuckerrübenanbaufläche nach Abschaffung der Quotenregelung am stärksten ausgeweitet haben. Für den Durchschnitt der Jahre 2017 bis 2019 im Vergleich zu 2014-2016 gab es folgende Anbauausweitungen: Frankreich: + 19 %, Deutschland: + 21 %, Polen: + 22%.

Um die Fixkosten zu senken und die Wettbewerbsfähigkeit zu steigern, bemühen sich die Zuckerunternehmen, bestehende Fabriken an ihrer Kapazitätsgrenze zu betreiben. Daher werden Fabrikschließungen nicht zwangsläufig zu einem Rückgang der Zuckerproduktion führen, glaubt die Kommission.

Stattdessen kann die Reduzierung der Verarbeitungskapazitäten zu einer höheren Kapazitätsauslastung der verbleibenden Fabriken führen, glaubt die Kommission.

Produktionsrückgang in Süd- und Osteuropa

Unter den wichtigsten zuckerproduzierenden EU-Mitgliedstaaten erzeugen nur die Niederlande und Belgien an ihrer geschätzten Kapazitätsgrenze. In Frankreich, Deutschland und Polen wird die Zuckerproduktion - trotz Fabrikschließungen -voraussichtlich stabil bleiben, glaubt die Kommission. Das wird zu einer höheren Kapazitätsauslastung bis zum 2030 führen.

In anderen EU-Mitgliedstaaten wird die Produktion voraussichtlich zurückgehen. Der stärkste relative wird für Griechenland (-47%), Italien (-21%) und Rumänien (-19%) erwartet, da diese drei Länder zu den EU-Zuckerproduzenten mit den höchsten Produktionskosten gehören.

Isoglukoseproduktion stagniert

Im Gegensatz zur Zuckerproduktion, erfordert eine deutliche Steigerung der Isoglukoseproduktion Investitionen in zusätzliche Produktionskapazitäten. Vor der Aufhebung des Quotensystems wurden Investitionen in Ungarn und Bulgarien getätigt. Die jüngsten Entwicklungen haben jedoch in den meisten EU-Mitgliedstaaten einen Rückgang der Isoglucoseproduktion gezeigt.

Dies ist möglicherweise auf den starken Rückgang der Zuckerpreise zurückzuführen, bei dem sich die Isoglukoseproduktion und Investitionen in zusätzliche Produktionskapazitäten nicht mehr rentieren.

Darüber hinaus können mit Isoglucose verbundene Gesundheitsbedenken einige Lebensmittelverarbeiter davon abhalten, von Zucker auf Isoglucose umzusteigen. Das könnte selbst in Marktsituationen geschehen, in denen Isoglucose einen Preisvorteil gegenüber Zucker aufweist. Vor diesem Hintergrund dürfte die EU-Isoglukoseproduktion im Prognosezeitraum – also bis 2030 - nur moderat ansteigen.

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