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Getreidemarkt und Getreidepreise

Kursfeuerwerk bei Getreidepreisen - Weizenpreise peilen 200-Euro an

Ansicht eines Berges Getreide in einem Getreidelager
am Donnerstag, 01.10.2020 - 12:17 (Jetzt kommentieren)

Am Mittwoch sind die Weizenpreise in Europa um fast 6 Euro auf 198 Euro je Tonne nach oben geschossen. Auch für Mais und Raps sind die Kurse sehr kräftig gestiegen.

Gestiegene Weizenpreise am europäischen Terminmarkt Stand September 2020

Auslöser für die gestiegenen Weizenpreise war das Kursfeuerwerk am Terminmarkt in Chicago. Dort hatte der Bericht des USDA über die Lagerbestände an Mais, Soja und Weizen eine – für die meisten Analysten völlig unerwartete – Preisrallye ausgelöst.

Hintergrund war, dass die Lagerbestände erheblich kleiner waren als der Markt erwartet hat. Warum? Offenbar war der Abverkauf von Weizen, Mais und Sojabohnen nach China erheblich größer als es die offiziellen Exportstatistiken zeigen – auch wenn man die nach der offziellen US-Exportnomenklatur als „unbekannt“ bezeichneten Abnehmer (in der Regel private Einkäufer aus China) mitberücksichtigt.  

Hinzu kommt: Im gleichzeitig vom USDA veröffentlichen Small Grains Report 2020 sind Anbaufläche und Produktion von Weizen für die Ernte 2020 kleiner ausgefallen als von Analysten erwartet wurde. Diese hatten – vor allem wegen einer guten Sommerweizen-Ernte im Norden der USA - eher mit einer Korrektur nach oben gerechnet. Die Folge war, dass die Preise für den Chicago-Weizen bis Handelsschluss um fast 30 Cent auf 578 Cent je Buschel nach oben schossen.

Für Mais betrug der Aufschlag immerhin noch 14 Cent auf 379 Cent je Buschel und für Soja schossen die Preise um 30 Cent auf 1023 Cent nach oben. Diesem höheren Preisniveau passten sich die Getreidepreise an den übrigen Handelsplätzten an – auch an der MATIF in Europa.

Neben einem Anstieg beim Weizen von 6 Euro auf 198 Euro je Tonne – ging es für den Raps um 4 Euro auf 385 Euro je Tonne nach oben und der Mais verteuerte sich an der MATIF um 3 Euro auf knapp 173 Euro. Auch in Russland und an anderen Exportmärkten steigen die Preise.

USA: Exportboom räumt die Läger leer

Weizenpreise am Terminmarkt in Chicago nehmen zu, Stand September

In den USA führen die Korrekturen jedenfalls zu einem heftigen Kursfeuerwerk mit Anpassungsreaktionen an allen globalen Märkten. Und wieder einmal ist der Großeinkäufer China der Verursacher.

Die US-Maisvorräte gingen in den letzten drei Monaten bis zum 1. September um 76,8 Millionen Tonnen auf nur noch 50,7 Millionen Tonnen zurück und die Sojabohnenvorräte schrumpften um 23,3 Millionen Tonnen auf 14,3 Millionen Tonnen. Dies war laut dem vierteljährlichen Bestandsbericht des US-Landwirtschaftsministeriums der zweitgrößte Bestandsabbau für beide Rohstoffe.

Beim Weizen nahmen die Vorräte von Juni bis September wegen der aktuellen Ernte um knapp 31 Millionen Tonnen auf 50,8 Millionen Tonnen zu. Das sind jedoch die kleinesten Weizenbestände seit fünf Jahren zu diesem Termin. Hinzu kommt: Anbaufläche und Erntemenge fallen offenbar kleiner aus als bisher in den Büchern steht. Das USDA meldet eine Gesamtweizenfläche 17,9 Millionen Hektar, im Vergleich zu 18,4 Millionen im vorigen Jahr und 19,4 Millionen Hektar vor zwei Jahren. Die erwartete Ernte wird nur noch mit 49,7 Millionen Tonnen angegeben – nach 52,6 Millionen Tonnen im vorigen Jahr.

Eigentlich wird der Bestands-Bericht vom September häufig nicht sehr stark beachtet, da Händler auf Einzelheiten aus dem monatlichen Angebots- und Nachfragebericht (USDA-Report) am kommenden Freitag (09.10) warten. "Der September-Bestandsbericht enthält normalerweise wenig Neues, doch vielleicht hat sich dies dieses Jahr durch die großen Menge an Getreide an den Exportmarkten verändert", sagte ein Analyst.

Algerien will mehr Weizen in Russland kaufen – Frankreich ist zu teuer

Landwirtschaftliche Maschine nimmt Getreide auf eine Schaufel am Fahrzeug auf

Russlands bevorstehender Eintritt in den für Frankreich enorm wichtigen Weizenimportmarkt Algeriens sorgt ebenfalls für erhebliche Unruhe bei den europäischen Weizenexporteuren. Die algerische staatliche Getreideagentur OAIC hat vor kurzem modifizierte Ausschreibungsbedingungen veröffentlicht, die eine Lockerung der Importauflagen bei proteinreichem Mahlweizen aufzeigen und damit die Einfuhr von billigerem Weizen vom Schwarzen Meer bzw. vor allem aus Russland ermöglichen.

Die aktuell sehr hohen Preise in Russland, das bereits den Markt des weltweit größten Weizenimporteurs Ägypten dominiert, schränken jedoch seine unmittelbaren Absatz-Möglichkeiten in Algerien ein. Frankreich befürchtet seit langem die russischen Ambitionen, Weizen nach Algerien zu exportieren, was auch die hohen Importkosten Algeriens senken dürfte. Frankreich liefert pro Saison etwa 5 Millionen Tonnen Weizen nach Algerien, seinem Hauptexportziel. Das sind rund 40 Prozent seiner Exporte außerhalb der EU.

Die russischen Preise sind in den letzten Wochen aufgrund lebhafter Exporte und langsamer Verkäufe durch die Landwirte kräftig gestiegen, während die Regierung mitgeteilt hat, dass sie eine Exportobergrenze einführen will. "Für diese Saison wird sich aber nicht viel ändern", sagte Nathan Cordier von der Beratungsfirma Agritel. „Aber Tatsache ist, dass französischer Weizen in Zukunft nicht mit einer großen Preisspanne gegen die Herkunft des Schwarzen Meeres davonkommen kann."

Internationale Händler könnten in dieser Saison erstmals begrenzte Mengen an russischem und ukrainischem Weizen nach Algerien verkaufen, bevor sie in der nächsten Saison das Volumen erhöhen, wenn sie auch von russischen Unternehmen unterstützt werden, sagten Händler und Analysten.

Hier gelangen Sie zu den aktuellen Notierungen der Getreidepreise am Terminmarkt.

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