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Maisernte und Maispreise

Maispreise gehen durch die Decke – der perfekte Sturm?

maisernte.
am Mittwoch, 28.10.2020 - 11:50 (1 Kommentar)

Die Maispreise steigen und steigen. Am europäischen Terminmarkt übertrafen die Kurse diese Woche mit knapp 198 Euro je Tonne zeitweise den Stand aus dem Dürrejahr 2018 .

maispreise.

Noch höhere Maispreise gab es an der MATIF zuletzt im Sommer 2013. Auch in den USA und bei den anderen großen Exporteuren durchbrechen die Maispreise immer neue Höchstmarken. Am US-Terminmarkt erreichten die Notierungen mit 420 Cent je Buschel zuletzt ein Niveau wie im Juni 2019. An den Exporthäfen der Ukraine am Schwarzen Meer kostet der Mais so viel wie zuletzt Juli 2014 – also vor 6 Jahren.

Am europäischen Terminmarkt sind die Kurse seit Juli um mehr als 35 Euro je Tonne gestiegen und auch am deutschen Kassamarkt wird der Mais zu immer höheren Kursen gehandelt. So werden am Hamburger Importhafen Brake derzeit für ukrainischen Mais zur Auslieferung im November Preise von 204 USD je Tonne verlangt. Für die Auslieferung im Januar liegen die Preisforderungen derzeit bei 209,50 Euro je Tonne.

Auch in den südwestdeutschen Maisregionen sind die Preise trotz der laufenden Ernte kräftig gestiegen. Am Großmarkt in Mannheim wurden diese Woche für den dort gehndelten (franko) deutschen Mais 190 bis 193 Euro je Tonne geboten – und ab Station werden 183 bis 188 Euro je Tonne gezahlt.

Viele Gründe für diese Rallye

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Doch was sind die Gründe für diese noch im Sommer ziemlich unwahrscheinliche Rallye? Zu allererst muss man wohl die massiven Versorgungsprobleme in China beim wichtigsten globalen Futtergetreide nennen. Im Reich der Mitte schrumpfte die Maisernte wegen der schweren Überflutungen deutlich und gleichzeitig nehmen die Schweinebestände und damit auch der Futtergetreide-Bedarf wieder spürbar zu.

Die Folge: Die chinesischen Maisbestände sind offenbar so klein wie lange nicht mehr und die Preise am chinesischen Binnenmarkt stiegen zuletzt auf ein neues Allzeithoch. Das signalisiert große Knappheit und einen riesigen Importbedarf. Nun versuchten die Chinesen ihre riesige Angebotslücke über noch mehr Importe zu stopfen.  

Das setzt jedenfalls auch die globalen Märkte in Bewegung. Besonders profitieren von dem enormen Nachfrageboom die Farmer in den USA – die in den letzten Wochen so viel Mais nach China verkauft haben wie lange nicht mehr. Auch die zunächst auf Rekord-Niveau erwartete US-Ernte fiel wegen der schweren Stürmen (Derecho) und anderen Unwettern sowie einer anhaltenden Trockenheit im Mittelwesten deutlich kleiner aus als zunächst erwartet. Das sorgte für den nächsten sehr kräftigen Preisschub.

Aber es gibt noch mehr Faktoren die die Preise nach oben trieben: Da ist zunächst die La-Ninja bedingte extreme Trockenheit in Südamerika, die die nächste Mais- und Soja-Ernte der beiden Topexporteure Brasilien und Argentinien bedroht. Und für die Europäer treibt die ebenfalls wegen Trockenheit erheblich geschrumpfte Maisernte in der Ukraine – dem wichtigsten Lieferanten für die EU – die Kurse mit nach oben.

Und in Europa selbst? Hier fielen die Ernten der beiden größten Produzenten und Exporteure – Frankreich und Rumänien – wegen extremer Trockenheit - ebenfalls deutlich kleiner aus als noch vor wenigen Wochen erwartet. Am Maismarkt also der perfekte Sturm!!

Maisernte in Europa wird klein – Import auf Rekordkurs

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Die Maisernte in Europa ist noch in vollem Gange und die Auswirkungen der Sommerdürre zeigen sich in den schwachen Erträgen. Deshalb wird die Ernte in diesem Jahr, trotz eines starken Anstiegs der Aussaatfläche, deutlich gedrückt, sagten Analysten. Auch das Analystenhaus Strategie Grains hat seine Prognose vorige Woche unter die Produktion des Vorjahres gesenkt. Der neben Frankreich größte Produzent – Rumänien – hat ganz besonders unter einer Dürre gelitten. Dort werden nach den derzeitigen Prognosen nur 10 Millionen Tonnen Mais geerntet, das sind rund 40 Prozent weniger als im Vorjahr.

Auch in Frankreich wirkte sich die Dürre sehr negativ auch auf die Erträge aus, da viele Pflanzen während der entscheidenden Blütephase einen extrem trockenen Juli erlebten, sagte das französische Pflanzeninstitut Arvalis. Nur bei bewässerten Pflanzen sind die Erträge zufriedenstellend bis ausgezeichnet. Das französische Landwirtschaftsministerium hatte vorige Woche seine Produktionsprognose für Körnermaisernte von 14,1 Millionen auf nur noch 13,5 Millionen Tonnen gesenkt.

Dies wären aber immer noch 6 Prozent mehr als im Vorjahr, was auf eine sehr kräftige Anbauausweitung von 10 Prozent zurückzuführen ist, da die französischen Landwirte nach einem sehr regenreichen Herbst, von Winterkulturen wie Weizen, auf Sommerkulturen wie Mais udn Sommergerste umstellen mussten. Laut dem Landwirtschaftsbüro FranceAgriMer hatten die französischen Landwirte Ende der vorigen Woche knapp 80 Prozent der Getreidemaisfläche abgeerntet, wobei häufige Regenfälle die Feldarbeit zuletzt spürbar verlangsamt haben.

In Deutschland wird ein Anstieg der Mais-Produktion um 9 Prozent auf rund 4 Millionen Tonnen erwartet, da sich die Erträge von den Tiefstständen des Vorjahres erholen. „Die Ernte könnte im Jahresvergleich um rund 400.000 Tonnen zulegen, was den Importbedarf verringern wird", sagte ein deutscher Analyst. Die Maisimporte der Europäischen Union könnten in dieser Saison auf den neuen Rekordwert von auf 20 Millionen Tonnen steigen, glaubt die EU-Kommission. Bisher prognostiziert die Kommission für 2020/21 schon rekordhohe Maisimporte von 19 Millionen Tonnen gegenüber 18,4 Millionen in der vergangenen Saison.

Die Ukraine erntet und exportiert viel weniger

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Der erwartete Rückgang der Maisernte in der Ukraine in Verbindung mit steigenden Weltmarktpreisen, hat die ukrainischen Maisexportpreise in der vergangenen Woche um 20 USD pro Tonne nach oben getrieben, teilte die Landwirtschaftsberatung APK-Inform. Ukrainischer Mais kostete Ende letzter Woche 233 bis 237 US-Dollar pro Tonne FOB Schwarzmeerhafen, teilte das Beratungsunternehmen mit.

Die Ukraine gehört zu den größten Maisproduzenten und -exporteuren der Welt, aber das extrem trockene Wetter in diesem Sommer dürfte die Ernte stark reduzieren. Die ukrainischen Landwirte ernteten bis zum 22. Oktober etwa 13,1 Millionen Tonnen Mais von etwa 52 Prozent der Aussaatfläche, teilte das Wirtschaftsministerium mit.

APK-Inform berichtet, dass viele Händler und Analysten ihre Ernteprognosen auf 26 bis 30 Millionen Tonnen gesenkt hätten. Im vorigen Jahr ernteten die Ukraine rund 35,9 Millionen Tonnen Mais und exportierte in der Saison 2019/20 fast 29 Millionen Tonnen.

In der aktuellen Saison 2020/21 hat das Land bisher 1,4 Millionen Tonnen Mais exportiert, gegenüber 3,1 Millionen Tonnen im gleichen Zeitraum 2019/20, wie Daten des ukrainischen Wirtschaftsministeriums zeigten.

Chinas Mangel treibt den Handel und die Preise

Traktor nimmt Mais auf die Schaufel auf

China importierte allein im September mehr als 1 Million Tonnen Mais, wie aktuelle chinesische Zolldaten zeigten. Das Land hat zuletzt am Weltmarkt – vor allem in den USA – sehr große Mengen Mais gekauft, um die Probleme durch die schlechte Ernte zu verringern, die die Preise am chinesichen Binnenmarkt auf immer neue Rekordhöhen getrieben haben. Der zweitgrößte Maisverbraucher der Welt hatte bisher eine jährliche Zollquote von 7,2 Millionen Tonnen für preisgestützte Maisimporte.

Diese Quote wurde bisher jedoch noch nie voll genutzt. In diesem Jahr wurden aber bereits 6,7 Millionen Tonnen Mais importiert. Der bisherige Rekord lag 2012 bei 5,2 Millionen Tonnen. Peking wird voraussichtlich im neuen Wirtschaftsjahr mehr Importquoten vergeben und Millionen Tonnen zusätzlichen Mais kaufen, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf chinesische Quellen.

Der Anstieg der Maispreise hat auch zu einem Anstieg der chinesischen Importe anderer Futtergetreidearten wie etwa Sorghum geführt, wovon 3,5 Millionen Tonnen in den ersten neun Monaten des Jahres importiert wurden, was einem Anstieg von 463 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Die Gerstenimporte stiegen ebenfalls wieder auf das Niveau des Vorjahres, obwohl die hohen Zölle auf die Importe aus Australien, traditionell der Hauptlieferant für Gerste nach China, den Handel effektiv bremsen. Dafür profitiert Frankreich vom dem Ausfall der Australier.

„China wird im neuen Wirtschaftsjahr viel mehr Getreide wie Gerste, Sorghum und Mais importieren, da die Inlandspreise für Mais weiterhin sehr hoch bleiben werden", sagte der chinesische Analyst Xie Jinjiang, gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters.

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