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Maisernte und Maispreise

Maispreise: Knappe Versorgung jagt die Maispreise weit nach oben

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am Donnerstag, 12.11.2020 - 12:16 (Jetzt kommentieren)

Die Maispreise sind erneut kräftig gestiegen. Am europäischen Terminmarkt wird Mais mit 193 Euro je Tonne notiert. Das sind rund 30 Euro je Tonne mehr als im vorigen Jahr.

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Der Grund für den steilen Anstieg der Maispreise: Die sehr knappe globale Versorgung. Zum einen fällt die Ernte in den USA deutlich kleiner aus als zunächst erwartet. Zum anderen behindert eine andauernde Trockenheit in Südamerika die Aussaat für die nächste Mais-Ernte.

Hinzu kommt, dass China auf Grund einer schlechten eigenen Ernte und der raschen Aufstockung seiner Schweinebestände so viel Mais importiert wie noch nie. Analysten halten gewaltige chinesische Einfuhren von mehr als 20 Millionen Tonnen für möglich – damit wird der knapp versorgte globale Markt nahezu leergefegt und die Weltmarktpreise steigen auf immer neue Rekordmarken.

Der aktuelle USDA-Report vom November hat diese Erwartungen noch einmal nachdrücklich bestätigt. Allerdings werden so auch die für die Deutschland nötigen Mais-Importe immer teurer, denn der wichtigste ausländische Lieferant für europäischen Markt – die Ukraine – meldet witterungsbedingt ebenfalls eine sehr schlecht Ernte.

Und die ukrainischen Exportpreise am Schwarzen Meer waren mit rund 230 USD je Tonne zuletzt sogar deutlich höher als in den USA, wo der Mais für knapp 220 USD je Tonne verladen wurde – und damit fast so teuer wie in der EU.

Deutsche Maisernte relativ gut – Nötige Importe sind jedoch sehr teuer

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 „Wir gehen in diesem Jahr von einer Erntemenge in Höhe von gut vier Millionen Tonnen aus. Das ist ein Plus von rund 10 Prozent zum schwachen Vorjahresergebnis“, sagt der Getreidemarktexperte des Deutschen Raiffeisenverbands (DRV) Guido Seedler zur deutschen Maisernte. Grund für das bessere Ergebnis sind in erster Linie höhere Hektarerträge.

Lediglich im Südwesten blieben die Erträge hinter denen des Vorjahres zurück. Die prognostizierte Erntemenge könnte sogar etwas höher ausfallen: Im Nordwesten Deutschlands sind Flächen, die eigentlich für die Silomaisernte vorgesehen waren, im abgereiften Zustand als Körnermais gedroschen worden.

Der hohe Importbedarf der deutschen Futterindustrie wird in diesem Jahr überwiegend aus Ungarn, Polen und der Tschechischen Republik gedeckt, berichte der DRV.  Im vorigen Jahr lag die deutsche Importmenge bei 5,2 Millionen Tonnen und war damit deutlich größer als die Gesamternte.

Üblicherweise werden sonst große Mengen aus der Ukraine importiert. Aufgrund der dortigen schlechteren Ernte und der höheren Preise sind diese Partien im Vergleich zu den genannten EU-Anbietern jedoch sehr teuer. Die Corona-Pandemie hat bislang kaum Spuren am deutschen Getreidemarkt hinterlassen, schreibt der DRV. Dennoch könnte sich Covid-19 die Logistik stören.

Sehr kritisch sieht der DRV deshalb den Passus in der Muster-Quarantäneverordnung, nach der die Besatzungen von Binnenschiffen, die Waren durch Risikogebiete transportieren, anschließend in Quarantäne gehen müssen. Gleichzeitig besteht eine große Binnennachfrage nach Körnermais, weshalb Importe nötig sind.

Derzeit wird der Bedarf überwiegend aus Ungarn, Polen und der Tschechischen Republik gedeckt. In den Vorjahren wurden große Mengen aus der Ukraine importiert. Aufgrund der dortigen schlechteren Ernte und damit verbundenen höheren Preise sind diese Partien im Vergleich zu EU-Anbietern zu teuer.

DRV-Experte Seedler sagt: „Sollte diese Regelung von den Ländern umgesetzt werden, könnte dies zu erheblichen Engpässen bei Frachtraum-Kapazitäten führen“.

Ukraine: Schlechte Ernte und sehr hohe Preise

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Die Ukraine, der viertgrößte Maisexporteur der Welt, wird in diesem Jahr voraussichtlich zwischen 26 und 33 Millionen Tonnen ernten, verglichen mit 35,9 Millionen Tonnen im vorigen Jahr, schätzen ukrainische Analysten am Donnerstag. Der Grund für die schwache Ernte ist, die schwere Dürre im Sommer, die sowohl die Erntefläche als auch den Maisertrag stark reduziert haben. Das ukrainische Wirtschaftsministerium und die Landwirtschaftsberatung APK-Inform haben mit rund 33 Millionen Tonnen noch relativ hohe Ernteprognosen, während die meisten Händler und Analysten eine Produktion von maximal 28 Millionen Tonnen sehen.

Das US-Landwirtschaftsministerium hat die ukrainische Ernte am Dienstag Abend von zuvor erwarteten 36,5 Millionen Tonne auf 28,5 Millionen Tonnen reduziert. Die möglichen Maisexporte sieht das USDA nur noch bei 22,5 Millionen Tonnen. Nachdem man vor vier Wochen noch von 30,5 Millionen Tonnen ausging. Das ist ein Rückgang von rund einem Viertel. Die ukrainischen Landwirte hatten für die Maisernte 2020 rund 5,4 Millionen Hektar mit Mais bestellt. Bis zum 2. November wurden etwa 17,6 Millionen Tonnen Mais von rund 66 Prozent der bestellten Fläche geerntet, teilte das Wirtschaftsministeriums mit.

Außerdem wurden in der laufenden Saison 2020/21 bisher erst 2,65 Millionen Tonnen Mais exportiert, gegenüber 4,39 Millionen Tonnen im gleichen Zeitraum des vorigen Jahres.Trotz dieses sehr schwachen Exporttempos forderten ukrainischen Fleischproduzenten diese Woche von der Regierung, die Maisexporte zu begrenzen, um einen weiteren Anstieg der Futter- und Fleischpreise zu verhindern. Sollt dies passieren, würde das die internationalen Maispreise sicherlich weiter nach oben treiben.

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