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Getreidemarkt und Getreidepreise

Maispreise: Darum ist Mais viel teurer als Weizen – und das bleibt so

maispflanzen
am Montag, 10.05.2021 - 11:23 (1 Kommentar)

Wenn Preise Knappheiten messen, ist Mais derzeit das mit Abstand knappste Getreide. Und das gilt für fast alle Länder.

maispreise

In den USA haben sich die Maispreise seit September mehr als verdoppelt. In der vorigen Woche sind die Notierungen auf ein neues 8-Jahreshoch gestiegen.

Grund war ein weiterer Großeinkauf chinesischer Futtermittelhersteller in den USA, der diesmal schon die nächste Ernte betraf. Das hat die Kurse sowohl für die fast ausverkaufte alte Ernte als auch für die neue Ernte weit nach oben getrieben.

In Europa – aber auch an allen anderen Handelsplätzen – sind die Maispreise in den letzten Wochen ebenfalls immer weiter nach oben geschossen. Am europäischen Terminmarkt wurde der Junikontrakt für den Mais alter Ernte in der vorigen Woche mit 263 Euro je Tonne notiert; damit übertreffen die europäischen Maispreise sogar knapp die letzten Spitzenwerte aus dem Jahr 2012.

Maispreise: anhaltend hohe Kurse in Europa und China

Außerdem ist der alterntige Mais in Europa mitterweile deutlich teurer als Weizen, der für die alte Ernte zuletzt mit rund 250 Euro gehandelt wurde.

  • Die neue Maisernte wurde immerhin mit 225 Euro je Tonne notiert und damit auf einem neuen Höchststand für diesen Termin.
  • Von den Exporthäfen der USA meldet man Ende der letzten Woche Maispreise von 324 USD je Tonne (266 Euro).
  • An den Schwarzmeer-Häfen der Ukraine wurde der Mais für 291 USD je Tonne (239 Euro) verladen.

Am teuersten ist Mais allerdings weiterhin in China – auch wenn die Futtermittelhersteller und die Regierung versuchen, das mit Abstand wichtigste Futtergetreide vor allem durch Weizen, aber auch durch Gerste, Sorghum und andere Getreidearten zu ersetzen. Umso mehr hat der jüngste Einkauf Pekings in den USA über weitere 1,3 Millionen Tonnen die Spekulationen um eine anhaltende Knappheit am chinesischen Markt angeheizt. 

Am chinesischen Terminmarkt in Dalian wurde der vordere Maiskontrakt (Juni) am vorigen Freitag mit 2.806 Yuan je Tonne notiert – das sind umgerechnet etwa 369 Euro je Tonne. Die neue chinesische Ernte (November) kostet mit 2.756 Yuan je Tonne (363 Euro) nicht viel weniger und außerdem rund 100 Euro je Tonne mehr als in Europa.

Zumindest an der chinesischen Börse sind derzeit also keinerlei Anzeichen für eine grundlegende Änderung der Angebotssituation zu erkennen, zu leer sind offenbar die Läger.

Sehen Sie auf agrarheute die aktuellen Preise für Mais ein. 

Wie groß wird die Maisernte in Europa?

maisfläche.

Wie reagieren nun die europäischen Ackerbauern auf die hohen Maispreise und die Aussichten auf sehr hohe Erlöse? Nach den bisher vorliegenden Daten jedenfalls nicht mit einer Anbauexpansion. Diese hat es in Frankreich hingegen beim Weizen und beim Wintergetreide gegeben, zulasten von Sommergerste und Mais.

Noch ist die Aussaat von Mais in der Europäischen Union aber in vollem Gange, da die Landwirte nach einem sehr kühlen April bemüht sind, den Mais möglichst rasch in den Boden zu bekommen. Dabei ist jedoch unbedingt wärmeres und feuchteres Wetter erforderlich, um einen guten Start für die Ernte zu haben.

Die Kommission rechnet bisher mit einer Gesamtanbaufläche für Körnermais von 8,97 Millionen Hektar; das wären gerade einmal 30.000 Hektar mehr als im vorigen Jahr – und damit trotz der sehr hohen Preise eine relativ stabile Anbaufläche.

Allerdings dürfte die Produktion trotzdem etwas größer ausfallen als 2020, denn man geht davon aus, dass die beiden Top-Produzenten Rumänien und Ungarn bessere Erträge erzielen als in dem von extremer Dürre und Ertragsausfällen geprägten Vorjahr. Dabei meldet Rumänien eine eher stabile Anbaufläche und Ungarn eine moderate Ausweitung.

Frankreich, Deutschland, Polen: Maisaussaat fast abgeschlossen

maisernte.

Die französischen Bauern haben die Aussaat nach der polaren Kältewelle im April beschleunigt und den Mais nun fast komplett im Boden. Die Anbaufläche ist jedoch etwas kleiner als im vorigen Jahr, als mehr Mais und Sommergerste auf nicht bestellter Winterweizenfläche gedrillt wurden. Doch in Frankreich ist das Wetter alles andere als optimal. „Bis Ende April war es extrem trocken“, berichtet das französische Pflanzeninstitut Arvalis.

Außerdem hat das trockene und kühle Wetter die Keimung behindert, schreibt  das Landwirtschaftsamt FranceAgriMer. Analysten halten es angesichts der hohen Maispreise jedoch für möglich, dass sowohl in Frankreich als auch in Deutschland auf eigentlich für die Silomaisproduktion vorgesehenen Fläche am Ende doch noch Körnermais produziert wird.

Die deutsche Anbaufläche von Körnermais wurde vom Deutschen Raiffeisenverband (DRV) im April nur 9.000 Hektar größer als im vorigen Jahr geschätzt – nämlich auf 428.000 Hektar. Die Kommission geht bislang hingegen von einer geringfügig kleineren Maisfläche für Deutschland aus. Dabei haben die deutschen Bauern den Mais im Prinzip schon komplett im Boden. Man wird also sehen, wer am Ende Recht hat.

In Polen wurde nach einem sehr kalten April ebenfalls sehr spät mit der Maisaussaat begonnen. Polnische Analysten schätzen, dass die Fläche mindestens den 600.000 Hektar des letzten Jahres entsprechen wird. Die Kommission rechnet hingegen mit einer deutlichen Ausweitung des Anbaus auf einen neuen Rekordstand von etwa 700.000 Hektar.

Doch das muss sich erst noch zeigen. Am Ende entscheidet jedenfalls vor allem das Wetter, wie groß die neue europäische Maisernte wirklich wird.

Kommentar

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