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Ernteprognose 2019

MARS: Trockenheit drückt Erträge in Südeuropa

wintergetreide
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Dr.Olaf Zinke, agrarheute
am
16.04.2019

Trockene Witterung und Niederschlagsdefizite in Spanien und Südosteuropa haben die Aussichten für die diesjährige europäische Getreideernte beeinträchtigt, berichtet der Monitoring-Dienst der Europäischen Union (MARS) in dieser Woche.

Nachdem die Trockenheit in Südeuropa bereits im vorigen Monat als Risiko eingestuft wurde, berichtet MARS nun, dass der anhaltende Mangel an Niederschlag dazu geführt habe, dass die Ertragsprognosen für Spanien, Kroatien, Ungarn, Rumänien, Bulgarien und Griechenland nach unten korrigiert werden mussten.

Der Trockenstress für die Pflanzen in Teilen Südeuropas stand im Gegensatz zu den sonst relativ guten Wachstumsbedingungen in der übrigen EU. Aufgrund des milden Wetters wurde die Entwicklung der Pflanzen dort spürbar gefördert, sagte MARS in seinem April-Bericht.

Aussaat von Sommergerste drei Woche früher

AF_Keimung-Getr.

In Spanien, dem größten europäischen Produzenten von Sommergerste, war die Aussaat schon Ende Dezember abgeschlossen. Wegen des milden Winterwetters begann die Aussaat auch in den meisten anderen europäischen Ländern zwei bis drei Wochen früher als üblich. Das gilt unter anderem für Großbritannien, Frankreich, Deutschland, die Beneluxländer, Polen und die Slowakei, wo die Aussaat größtenteils auch schon abgeschlossen ist.

In Dänemark, dem drittgrößten Erzeuger von Sommergerste der EU nach Spanien und Großbritannien, hatten hohe Niederschläge Anfang März die Aussaat zunächst verzögert. Die verbesserten Wetterbedingungen Ende März öffneten dann jedoch ein günstiges Fenster zur Aussaat. Die Aussaat in Kroatien, Ungarn und Rumänien ist ebenfalls unter sehr günstige Bedingungen gelaufen. Die Böden sind aber sehr trocken, was die Keimung und das Auflaufen der Pflanzen beeinträchtigen könnte.

Im Vergleich zu 2018 ist die Fläche von Sommergerste in diesem Jahr in vielen nord- und mitteleuropäischen Ländern kleiner, meldete MARS. Ursache ist die kräftige Ausweitung der Wintergetreidefläche. Auch in der Ukraine begann die Aussaatkampagne früher als normal. Dort sind Ende März bereits 20 Prozent der Fläche bestellt.

Weizenerträge nur leicht nach unten korrigiert

Im Mittel der Europäischen Union hat MARS seine Prognose für den durchschnittlichen Weich-Weizenertrag nur geringfügig von 6,04 auf 6,01 Tonnen pro Hektar gesenkt. Gegenüber dem Dürrejahr 2018 wäre dies ein kräftiger Anstieg von 6,8 Prozent und ein Plus von 1,2 Prozent gegenüber dem Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre.

Legt man die von der EU-Kommission unterstellte Weizenfläche zu Grunde, ergäbe sich eine europäische Weizenernte von 142,5 Mio. t und damit deutlich mehr als die Kommissen selbst Anfang April mit 140,1 Mio. t geschätzt hat.

Für Deutschland veranschlagt MARS die Erträge derzeit auf 7,84  Tonnen je ha, nach nur 6,69 Tonnen je ha im Vorjahr. Für Frankreich werden 7,25 Tonnen je ha erwartet, nach lediglich 6,98 Tonnen in der vorigen Saison. 

Wintergerste noch nicht beeinträchtigt

Aussaat von Sommergerste

Den Gerstenertrag (Sommer- und Wintergerste) für die EU schätzt MARS im April auf 4,95 Tonnen je ha. Ein Plus von 7,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Den Ertrag von Wintergerste erwartete MARS bei 6,0 Tonnen je ha und damit nur geringfügig niedriger als im Vormonat mit 6,02 Tonnen je ha.

Die erste Prognose für Sommergerste liegt bei 4,16 Tonnen je ha. Bezogen auf die derzeit unterstellte Gerstenfläche ergibt sichdamit ingesamt eine europäische Gerstenernte von 60,8 Mio. t und damit ähnlich viel wie die Kommission zuletzt mit 60,3 Mio. t erwartet hat.

Für Deutschland schätzt MARS die Erträge bei Wintergerste auf etwa 7,37 Tonnen je ha, nach 6,06 Tonne je ha im Vorjahr. Für Frankreich erwartet MARS im April 6,73 Tonnen je ha, nach 6,31 Tonnen im vorigen Jahr. 

Rapsernte bestenfalls so groß wie im Vorjahr

MARS hat seine Prognose der EU-Rapserträge im April mit 3,19 Tonnen je ha unverändert gelassen. Gegenüber dem Vorjahr wäre dies ein Plus von12 Prozent. Der Fünfjahresdurchschnitt würde jedoch um 1,3 Prozent verfehlt.

Auf der Grundlage der zuletzt von der Kommission unterstellten deutlich um 726.000 ha auf 7,26 Mio. ha reduzierten europäischen Rapsfläche, würde die neue europäische Rapsernte bei etwa 19,89 Mio. t liegen. Das wäre ähnlich viel wie die Kommission zuletzt mit 19,86 Mio. t erwartet hat und auch ähnlich viel wie im vorigen Jahr mit 19,86 Mio. t.  

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