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Mehr Biodiesel verkauft, Argentinien erhöht Exportzoll

Biodiesel tropft aus einer Zapfpistole
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Dr.Olaf Zinke, agrarheute
am
04.06.2018

Der Biodieselabsatz ist in Deutschland 2017 leicht gestiegen.

Das meldet die Union zur Förderung von Oel- und Proteinpflanzen (UFOP) unter Verwendung von Daten der Bundesanstalt für Ausfuhr und Wirtschaftskontrolle (BAFA). Danach wurden im vergangenen Jahr in Deutschland 2,216 Mio. t Biodiesel verkauft. Das waren 66.000 t oder 3,1 % mehr als im Jahr zuvor.

Gleichzeitig erhöhte sich der Gesamtverbrauch an Dieselkraftstoff (einschließlich Biodiesel) um 802.000 t oder 3,1 % auf die Rekordmenge von 38,703 Mio. t.

Der Beimischungsanteil blieb deshalb mit 5,71 % etwa unverändert.

Hoher Anteil von Abfallölen

Die UFOP begründet den aus ihrer Sicht geringen Zuwachs des Biodieselverbrauchs mit dem Treibhausgas-(THG)-Effizienzwettbewerb. Nach UFOP-Berechnungen hätte die von 3,5 % auf 4,0 % erhöhte THG-Minderungsverpflichtung, in Verbindung mit der höheren Dieselverbrauchsmenge, eigentlich zu einem Mehrbedarf von etwa 300.000 t Biodiesel führen müssen.

Darüber hinaus geht die UFOP davon aus, dass der für Herbst erwartete Erfahrungsbericht der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) erneut einen hohen Anteil von Biodiesel aus Abfallölen ausweisen wird. Diese Öle würden offensichtlich durch die THG-Quotenverpflichtung im Zuge des globalen Wettbewerbs „angezogen“.

Deshalb sei der Vorschlag der EU-Kommission zu begrüßen, den Anteil der Abfallöle im Rahmen der Reform der EU-Biokraftstoffpolitik auf höchstens 1,7 % zu deckeln. Angesichts der relativ niedrigen Rapsölnutzung zur Biodieselherstellung von etwa 0,9 Mio. t, lehnt die UFOP die Anrechnung von Biodiesel aus tierischen Fetten weiterhin mit Nachdruck ab.

Argentinien erhöht Exportzölle für Biodiesel

Biodiesel tropft aus einem Zapfhahn

Unterdessen schätzt der Verband der Deutschen Biokraftstoffgbindustrie (VDB) die heimische Biodieselproduktion 2017 auf 3,1 Mio. t. Das würde etwa dem Niveau der Vorjahre entsprechen. Für 2018 erwartet der VDB wegen der hohen Biodieselimporte aus Indonesien und Argentinien einen massiven Produktionsrückgang auf 2,3 Mio. t.

Allerdings hat Argentinien jetzt die Ausfuhrabgabe auf Biodiesel auf fast das Doppelte des vorherigen Niveaus angehoben. Danach gilt mit Wirkung vom 01. Juli ein Exportzoll von 15 % des Warenwertes.

Das bedeutet bezogen auf das vorherige Niveau eine Erhöhung um 7 Prozentpunkte. Das von Regierungspräsident Mauricio Macri unterzeichnete Papier soll die Konvergenz mit der für argentinisches Sojaöl erhobenen Ausfuhrabgabe sicherstellen, die aktuell bei 25,5 % liegt. Einen Exportzoll in derselben Höhe erhebt Argentinien für Sojaschrot.

Senkung der Sojazölle wird nicht fortgesetzt

Andererseits hat man in Argentinien vor, die eigentlich geplante schrittweise Senkung der Ausfuhrabgabe auf Sojabohnen nicht fortzusetzen. Die Rate wurde seit Januar 2018 um monatlich 0,5 Prozentpunkte gekürzt und liegt aktuell bei 27,5 %. Nach den ursprünglichen Plänen war vorgesehen, die Abgabe bis Dezember 2019 auf 18 % zu verringern.

Ausschlaggebend für den Sinneswandel dürfte die problematische Lage des argentinischen Staatshaushaltes sein. So war Argentinien wegen der jüngsten Abwertung des Pesos gezwungen, beim Internationalen Währungsfonds (IWF) ein Bereitstellungsdarlehen zu beantragen.

Argentinien ist einer der wichtigsten Lieferanten am Weltmarkt für Biodiesel. Im vergangenen Jahr belief sich die betreffende Ausfuhrmenge des südamerikanischen Landes auf rund 1,7 Mio. t.

Höherer Zoll könnte Export nach Europa bremsen

Die Europäische Union, als zurzeit wahrscheinlich wichtigster Absatzmarkt, wirft Argentinien vor, durch seine Exportabgaben auf Sojabohnen und Sojaprodukte die Produktion und die Ausfuhr von Biodiesel zu subventionieren. Der deutlich höhere Ausfuhrzoll auf argentinischen Biodiesel dürfte dieser Entwicklung etwas entgegenwirken.

Allerdings registriert die Europäische Kommission seit dem 24. Mai die Biodieselimporte aus Argentinien. Die auf neun Monate begrenzte Maßnahme soll dazu dienen, auch rückwirkend Strafzölle auf die Biodiesellieferungen in die Gemeinschaft erheben zu können, die Argentinien nach Ansicht der EU-Kommission mit unfairen Mitteln fördert.

Damit könnten schon jetzt die Importe gebremst werden, weil für die argentinischen Unternehmen das Risiko der nachträglichen Erhebung von Strafzöllen besteht.

Mit Material von Ufop, Agra-Europe
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