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Rapsmarkt und Rapspreise

Mehr Raps auf deutschen Feldern – Rapspreise bleiben trotzdem hoch

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am Mittwoch, 09.12.2020 - 09:45 (Jetzt kommentieren)

Auf deutschen Feldern wurden mehr als 1 Mio. ha Raps ausgesät. In anderen europäischen Ländern schrumpft die Fläche jedoch. Das hat viel Gründe. Die Rapspreise bleiben jedenfalls hoch – erwarten Analysten – zumindest bis zur neuen Sojaernte in Südamerika. Der Grund: Raps ist nicht nur in Europa knapp sondern sowohl wichtige Exporteure (Ukraine) wie große Importeure (China) hatten schlechte Ernten oder sind knapp versorgt.

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Die Rapsproduktion in der Europäischen Union und in Großbritannien könnte im nächsten Wirtschaftsjahr 2021/22 rund 18,2 Millionen Tonnen erreichen. Dies entspricht einem Zuwachs von rund 1 Millionen Tonnen gegenüber der sehr kleinen Ernte von 17,2 Millionen Tonnen in diesem Jahr. Zu dieser Einschätzung kommen das europäische Analystenhaus Strategie Grains in seiner ersten Prognose für das die Raps-Ernte im nächsten Jahr.

Eine stärkere Erholung der Produktion wird durch eine weitere sehr schwierige Aussaatkampagne in einigen wichtigen Produktionsländern – wie Frankreich und Großbritannien – begrenzt. Damit bleibt die Rapsanbaufläche im Vergleich zur vorigen Ernte mit 5,5 Millionen Hektar stabil, teilte Strategie Grains in seinem Ölsaatenbericht mit.

Die Rapspreise für die neue Ernte 2021 liegen derzeit am europäischen Terminmarkt bei 384 Euro je Tonne – und damit rund 20 Euro unter den aktuellen Kursen von 404 Euro. Zwischenzeitlich waren die vorderen Rapspreise am Terminmarkt – mit den Sojapreisen – auf knapp 420 Euro gestiegen.

Der Wettbewerb an den Importmärkten, um den verfügbaren Raps, ist jedoch sehr hoch und wird die Preise – mindestensbis zur neuen Ernte in Südamerika – oben halten, glauben die meisten Analysten.  

Anbaurückgang in Frankreich, Rumänien und UK

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In diesem Jahr behinderte eine Spätsommerdürre erneut die Feldarbeiten vor allem in Frankreich und Rumänien, während sich die Landwirte in Großbritannien sich wegen schlechter Erträge und großen Insektenproblemen vom Raps abgewandt haben. Auf der Insel fällt die Anbaufläche auf den schlechtesten Stand seit 1986!

Gute Wachstumsbedingungen könnten eine noch eine etwa stärkere Steigerung der Produktion im nächsten Jahr ermöglichen. Aber selbst wenn der Raps im nächsten Jahre die Rekorderträge von 2014/15 erreichen würde, läge die europäische Rapsproduktion immer noch gerade einmal bei 20 Millionen Tonnen, sagte Strategie Grains.

Die Europäer werden die laufende Saison 2020/21 voraussichtlich mit geringen Lagerbeständen beenden, da attraktive Verarbeitungsmargen in Verbindung mit hohen Pflanzenölpreisen die industrielle Nachfrage nach Raps trotz der schlechten Ernte relativ stark gehalten haben, beobachtet das Beratungsunternehmen. Es wird deshalb erwartet, dass die europäischen Raps-Importe sehr hoch bleiben, um die Nachfrage nach Raps am europäischen Binnenmarkt zu decken.

Strategie Grains geht in seinen Ausblick von einer Importmenge von etwa 5,9 Millionen Tonnen aus, verglichen mit dem Rekordvolumen von 6,3 Millionen Tonnen in der laufenden Saison. „Die weltweite Nachfrage nach Raps ist derzeit sehr stark und die Importländer stehen bei ihren Lieferanten (in Europa hauptsächlich Ukraine und Australien) in starkem Wettbewerb mit anderen Ländern (vor allem China und Japan)", sagte Strategie Grains. „Das schränkt die EU-Importmöglichkeiten deutlich ein."

Aufgrund des knappen Angebots dürften die Preise für Raps für den Rest der Saison deshalb hoch bleiben, obwohl eine mögliche große südamerikanischen Sojabohnenernte die Preisdynamik bremsen könnte, fügten die Analysten hinzu.

Deutsche Anbaufläche steigt über 1 Millionen Hektar

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In Deutschland wurde der Winterrapsanbau zur Ernte 2021 ausgedehnt, berichten die Experten der Union zur Förderung von Oel- und Proteinpflanzen e.V. (UFOP). Aufgrund der deutlich besseren Aussaat- und Aufwuchsbedingungen von August bis Oktober waren regional nur sehr vereinzelt Umbrüche notwendig. Die Bestände präsentieren sich derzeit meist in einem guten und der Jahreszeit angemessen entwickelten Zustand. Die UFOP-Prognose liegt im Ergebnis der Experteneinschätzungen bei einer Fläche von 1 bis 1,03 Millionen Hektar.

Nach übereinstimmenden Aussagen haben die Rapserzeuger in der aktuellen Kampagne eher frühere bis optimale Saattermine bevorzugt, die aufgrund der Niederschlagssituation im Sommer 2020 auch weitestgehend möglich waren. Insbesondere im Vorjahr ist dagegen in Erwartung von Regenfällen sehr lange mit der Rapsaussaat gewartet worden, was zu einem deutlich höheren Anteil an Spätsaaten mit höheren Saatdichten geführt hat.  

Für Norddeutschland (Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen), Ostdeutschland (Sachsen-Anhalt, Sachsen, Thüringen) und Hessen sowie für Süddeutschland (Bayern, Baden-Württemberg) wird von einer leichten Flächenausdehnung ausgegangen, während in den nicht genannten Bundesländern eher ein stabiler Rapsanbau auf derzeitigem Niveau gesehen wird. Für das Rheinland spricht eine Einschätzung von einem leichten Anbaurückgang.

Grundsätzlich haben die UFOP-Experten bei den Landwirten wieder eine größere Bereitschaft zum Rapsanbau wahrgenommen, was sicherlich nicht zuletzt auch an den im Vergleich zu den Erwartungen deutlich höheren Rapserträgen zur Ernte 2020 gelegen haben dürfte.

Knappe Versorgung am Weltmarkt – China braucht auch Raps

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Bei den Importen dürfte die EU dieses Jahr erhebliche Schwierigkeiten haben – denn der Wettbewerb um die verfügbare Ware ist hoch. Vor allem China kauft wie bei Getreide – auch große Mengen Raps. Doch die Ernte beim sonst wichtigsten europäischen Lieferanten – der Ukraine – fällt wegen Trockenheit sehr schlecht aus. Die Produktion geht von 3,5 Millionen Tonne auf 2,5 Millionen Tonnen zurück. Das stützt die Rapspreise in Europa und am Weltmarkt.

Dafür ernten jedoch vor allem Australien (wie bei Weizen) und auch Russland mehr Raps als im vorigen Jahr.  Der Internationale Getreiderat (IGC)  und auch das USDA beziffern die russische Rapserzeugung im Wirtschaftsjahr 2020/21 auf rekordhohe 2,5 Millionen Tonnen und damit 0,5 Millionen Tonnen höher als im vorigen Jahr.

Eine weitere deutliche Aufwärts-Korrektur hat der IGC zudem für Australiens Rapsernte vorgenommen. Hier liegt die Ernte jetzt bei 3,5 Millionen Tonnen – dass würde die beiden schwachen Vorjahre mit jeweils rund 2,4 Millionen Tonen deutlich übertreffen. An die Erntemenge der Saison 2017/18, als 3,9 Millionen Tonnen zusammenkamen, würde das Ergebnis aber nicht heranreichen. Australien wird voraussichtlich in der Hälfte des Wirtschaftsjahres größere Mengen Raps nach Europa liefern.

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