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Rapsernte und Rapspreise

Miese Rapspreise bremsen Rapsverkauf

Die europäische Rapsernte widr erneut sehr klein.
am Dienstag, 11.08.2020 - 11:34 (Jetzt kommentieren)

Die europäische Rapsernte ist klein. Doch die Rapspreise geben nach. Grund ist der schwache Sojamarkt. Das bremst den Rapsverkauf.

Die europäische Rapsernte ist ähnlich schlecht wie im vorigen Jahr.

Das europäische Analystenhaus Strategie Grains hat die Prognose für die aktuelle Rapsernte in der Europäischen Union – einschließlich Großbritannien – im August von 16,54 Millionen auf 16,79 Millionen Tonnen leicht erhöht. Die Aufwärtskorrektur, die nach sechs aufeinanderfolgenden Reduzierungen der erwarteten Ernte erfolgte, war hauptsächlich auf günstige Ernteergebnisse aus Polen und Litauen zurückzuführen, heißt es in dem monatlichen Ölsaaten-Bericht der Analysten.

Die erwartete Ernte würde damit aber immer noch unter der sehr schlechten Ernte des vorigen Jahres liegen, die Strategie Grains auf 17,12 Millionen Tonnen (EU 28) beziffert. Ursache für die sehr kleine aktuelle Ernte sind die enttäuschenden vorläufigen Ernteergebnisse aus Frankreich und Großbritannien sowie aus Mittel- und Osteuropa.

Rechnet man die katastrophale Ernte im Vereinigten Königreich von nur 1,2 Millionen Tonnen heraus, kommen die Europäer (EU 27) auf eine Gesamternte von etwa 15,37 Millionen Tonnen – nach ebenfalls rund 15,37 Millionen Tonnen im vorigen Jahr. Der Grund: Die Rapsproduktion im Vereinigten Königreich schrumpft im Jahresvergleich – wegen eines witterungsbedingten drastischen Anbaurückgangs um 585.000 Tonnen.

Kommission bestätigt schlechte Ernte

Die Rapsernte in Frankreich ist kleienr als im vorigen Jahr.

Die Europäische Kommission hat die mittlerweile nahezu abgeschlossene Rapsernte in der EU 27 auf 15,4 Millionen Tonnen geschätzt – und damit geringfügig höher als Strategie Grains ohne das Vereinigte Königreich. Leicht nach oben korrigiert hat die Kommission die Produktion in Polen auf 2,53 Millionen Tonnen – während man die Ernteschätzung für Deutschland mit 3,13 Millionen Tonnen zum Vormonat unverändert ließ.

Frankreichs Rapsernte wurde hingegen um 100.000 Tonnen auf nur noch 3,37 Millionen Tonnen gesenkt. Damit ernten die französischen Bauern rund 100.000 Tonnen weniger als im vorigen Jahr – während die deutsche Produktion das extrem schlechte Vorjahresergebnis um rund 300.000 Tonnen übertreffen würde.

Insgesamt wurde das Ertragspotential beim Raps in den meisten Teilen Europas von den sehr trockenen Witterungsbedingungen im Frühjahr sowie von den weit verbreiteten Insektenschäden gedrückt. Strategie Grains geht deshalb davon aus, dass die Europäische Union in der Saison 2020/21 so viel Raps wie noch nie importieren wird, obwohl man die Importportprognose leicht von 6,2 Millionen Tonnen im Vormonat auf 6,1 Millionen Tonnen gesenkt hat.

Doch auch diese Menge wäre immer noch etwas größer als der aktuelle Import-Rekord von 6 Millionen in der Saison 2019/20, die am 30. Juni endete. Die EU-Kommission geht für die neue Saison sogar von Importen von 6,3 Millionen Tonnen aus.

Schwache Preise - Bauern verkaufen nicht

Die Rapreise folgten zuletzt den Sojapreisen - nach unten.

Die europäischen Rapspreise sind seit April – mit einigen Unterbrechungen - kontinuierlich gestiegen, auch wenn es zuletzt wieder etwas nach unten ging. Seit klar ist, dass die europäische Rapsernte klein wird – und die Versorgung sehr eng – haben die Kurse am Terminmarkt um etwa 30 Euro je Tonne – auf zuletzt mehr als 380 Euro je Tonne zugelegt.

Allerdings bleibt der – zuletzt eher negative – Einfluss vom Sojamarkt und vom Palmölmarkt auf die Rapspreise groß. Vor allem der Druck der sehr groß erwarteten US-Sojaernte auf die Rapspreise wird wohl auch weiterhin hoch sein und das Potential nach oben begrenzen. Hier zeichneten sich zuletzt Rekorderträge und eine sehr große Ernte ab. Der anstehende USDA-Report am kommenden Mittwoch Abend  dürfte was mehr Klarheit bringen – und möglicherweise auch erneuten Druck auf die Ölsaatenpreise – wenn sich die sehr große US-Ernte bestätigt.

Wegen der wiederholten Preiskorrekturen und der eigentlich nicht zur sehr knappen Marktversorgung passenden Preise, halten sich viele Bauern beim Verkauf der neuen Ernte weiter zurück – berichten Analysten. Offenbar rechnen nicht wenige Bauern damit, dass der Matif-Raps – wegen der sehr knappen Versorgung - in absehbarer Zeit doch noch die 400-Euro-Marke erreicht.

An der MATIF notierte der neue Frontmonat November zuletzt bei 375 Euro je Tonne. Das waren fast 10 Euro weniger als zum Monatsbeginn. Auch am Kassamarkt war der Preise-Druck zu spüren. Am Hamburger Exporthafen wurde Raps diese Woche mit 375 Euro je Tonne notiert und damit ebenfalls knapp 10 Euro unter der Vorwochenmarke. Am Mittelandkanal lagen die Preisangebote bei 374 Euro und in Mannheim bei 376 Euro je Tonne.

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