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Milchpreise und Corona-Folgen

Milchmarkt: Höhere Milchpreise im LEH und im Großhandel

Milchbauern
am Freitag, 15.05.2020 - 14:30 (1 Kommentar)

Die Lage am Milchmarkt hellt sich etwas auf.

milch-preis

Zum einen steigen die Preise für bestimmte Milchprodukte im Einzelhandel (LEH) an. Zum anderen legen die Milchpreise im Großhandel wieder etwas zu. Gleichzeitig fällt der vom Ife-Institut in Kiel aus den Preisen von Butter und Magermilchpulver errechnete Rohstoffwert der Milch für den Monat April auf 27 Cent je kg. Das ist ein Absturz von 5,1 Cent und zugleich der niedrigste Preis seit der letzten Milchpreiskrise im Juli 2016.  

Auf einem ähnlichen Niveau bewegt sich derzeit auch Börsenmilchwert. Diesen „theoretischen Preis“ errechnet das Ife-Institut in Kiel aus den tagesaktuellen Terminmarktkursen von Butter und Magermilchpulver. Danach ergibt sich für den Monat Mai ein Milchpreis von nur noch 25,8 Cent. Bis zum Jahresende steigen die Kurse dann jedoch wieder auf 31,1 Cent.

Die Preise für die zwischen den Molkereien gehandelte Spotmilch bewegen sich aktuell zwischen 24,50 und 25,50 Cent und damit etwa auf dem gleichen Niveau wie der Börsenmilchwert.

Grund für den scharfen Rückgang der Rohstoffpreise war die weggebrochene Nachfrage aus der Gastronomie. Doch allmählich scheint sich die Lage mit der Öffnung der Restaurants wieder etwas aufzuhellen. Anders als im Vereinigten Königreich oder in den USA, musste zudem kein deutscher Bauer seine Milch entsorgen, weil sie nicht mehr abgeholt wurde.

Auch die deutschen Molkereien haben ihre Auszahlungspreise im April allenfalls moderat zurückgenommen – und warten wohl erst einmal ab.

Milchpreise: Im Einzelhandel geht es nach oben

Milchprodukte

Allerdings zeigen die errechneten Börsenwerte – ebenso wie die Spotmilchpreise – nur einen Teilausschnitt des Marktes, zu einem bestimmten Termin. Im Normalfall schützten die für längere Zeiträume zwischen Molkereien und Einzelhandel abgeschlossenen Verträge den Markt und die Bauern vor kurzfristigen Preisausschlägen.

Und aus dem Einzelhandel gibt es jetzt positive Signale: Aldi hat – wie versprochen – den Preis für Milch um 6 Cent je Liter in der untersten Preislage angehoben. Demnach kostet Milch mit 1,5 Prozent Fett jetzt 71 Cent je Liter und mit 3,5 Prozent Fett 79 Cent je Liter. Auch bei Speisequark stiegen die Preise um 6 beziehungsweise 5 Cent je Packung und nach Fettkategorie.

Nach Angaben von Aldi Nord wurden außerdem auch die Preise einiger weiterer Milchprodukte zum 2. Mai angepasst, darunter Kaffeesahne und Kondensmilch, Crème fraîche und auch Saure Sahne. An den Preisen von Aldi orientieren sich üblicherweise auch andere Supermarktketten. Für Butter gelten hingegen meist kurzfristigere monatliche Lieferverträge. Auch bei Käse ist die Dauer der Abschlüsse kürzer als bei Frischmilch. 

Butterpreise: Butter kostet wieder mehr

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Am europäischen Terminmarkt (EEX) handelte man Butter am Donnerstag (14.05) für den Mai-Termin mit 2.750 Euro je Tonne. Da sind rund 75 Euro mehr als vor zwei Wochen. Für die Monate Juni und Juli wurden 2.850 bzw. 2.925 Euro je t notiert. Damit sind die Butterpreise für diese beiden Termine in den letzten beiden Wochen wieder um rund 200 Euro gestiegen und sie notieren 100 bis 175 Euro höher als der Maikontrakt. Offenbar rechnet der Markt mit einer moderaten Erholung der Nachfrage und der Preise.  

Im europäischen Großhandel haben die Preise für Butter zuletzt jedoch weiter nachgegeben. Der durchschnittliche Butterpreis lag am 10. Mai bei 281 Euro je 100 kg. Zwei Woche zuvor wurden 292 Euro gezahlt. Im deutschen Großhandel wurden am 10. Mai Butterpreise von 280 Euro notiert. Das waren 14 Euro mehr als vor zwei Wochen und außerdem ähnlich viel wie im Schnitt der EU. Offenbar hat die gute Nachfrage im LEH die Preise zuletzt etwas nach oben gezogen.

In den Niederlanden wurden Butter allerdings nur mit 265 Euro je 100 kg gehandelt. Das ist zwar ebenfalls etwas mehr als vor zwei Wochen, jedoch deutlich weniger als in Deutschland.

Magermilch: Preise steigen wieder

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Die Preise für Magermilch-Pulver (MMP) haben sich am europäischen Terminmarkt zuletzt ebenfalls erholt. Am Donnerstag (14.05) lagen die Kurse für den Mai-Kontrakt bei 1.967 Euro je Tonne und damit etwa 100 Euro höher als vor zwei Wochen. Für die Monate Juni und Juli wurden 1.950 Euro und 2.250 Euro je Tonne notiert und damit für den Juli gut 300 Euro mehr als zwei Woche zuvor.

Gleichzeitig lagen die Kontraktpreise für Mai und Juni etwa auf dem Niveau der aktuellen Kassapreise. Damit hat sich die finanzielle Verwertung nicht verschlechtert. Im europäischen Großhandel lagen die Preise für Magermilchpulver (MMP) am 10. Mai bei 194 Euro je 100 kg. Das waren die gleichen Preise wie vor zwei Wochen.

Aus dem deutschen Großhandel wurden zum gleichen Termin MMP-Preise von 199 Euro gemeldet. Das waren 7 Euro mehr als vor zwei Wochen. In den Niederlanden notierte man MMP mit 198 Euro je 100 kg und damit ähnlich hoch wie in Deutschland.

Käsepreise bröckeln weiter, Vollmilchpulver seitwärts

Die Preise für Käse (Edamer) haben im europäischen Großhandel zuletzt relativ deutlich nachgegeben. Damit hat sich die wichtigste wertmäßige Verwertung der Milch verschlechtert. Die Kommission meldete am 10. Mai für Edamer im Mittel noch Preise von 311 Euro. Das ist ein Rückgang von etwa 11 Euro in den letzten beiden Wochen.

Die europäischen Cheddar-Preise notieren zuletzt bei 307 Euro je 100 kg und etwa 5 Euro höher als vor zwei Wochen.

Für Vollmilchpulver (VMP) haben sich die Preise im europäischen Großhandel knapp behauptet. Die Kommission meldete am 10. Mai für die EU durchschnittliche VMP-Preise von 263 Euro je 100 kg. Das ist ein Minus von 3 Euro in den letzten beiden Wochen.

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