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Verbraucherpreise

Nahrungsmittel trotz Dürre nicht teurer

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Dr.Olaf Zinke, agrarheute
am
18.09.2018

Nahrungsmittel haben sich in Deutschland im August nicht verteuert.

Im Gegenteil: Für die vom Statistischen Bundesamt erfassten Hauptnahrungsmittel mussten die Verbraucher den dritten Monat in Folge weniger Geld ausgeben.

Gleichzeitig befindet sich der Index der Nahrungsmittepreise auf dem niedrigsten Stand seit acht Monaten. Im Vergleich zum August des vorigen Jahres kosteten Nahrungsmittel den deutschen Verbraucher jedoch 2,5 Prozent mehr.

Bei den übrigen Verbraucherpreisen sind im August vor allem die Energiepreise kräftig gestiegen. Damit haben sich jedoch auch die Herstellungskosten für Nahrungsmittel erhöht. Im Übrigen sind nicht die Preise nicht für alle Nahrungsmittel zurückgegangen. 

Energiekosten lassen Brotpreise steigen

Brotpreise

Höhere Preise meldet das Statistikamt im August nämlich bei Brot und Erzeugnissen aus Getreide. Hier beträgt der Preisanstieg gegenüber dem Vormonat 0,4 Prozent und im Vergleich zum vorigen Jahr liegt die Teuerungsrate bei Brot bei 1,8 Prozent.

Ob der Preisanstieg jedoch eine unmittelbare Folge der kräftig gestiegenen Getreidepreise ist, dürfte mehr als fraglich sein. Der Anteil der Rohstoffkosten macht nämlich nur einen sehr geringen Anteil der Produktkosten aus. Dagegen dürften die allein im August um 0,6 Prozent gestiegenen Energiepreise deutlich stärker auf die Herstellungskosten der Bäckereien durchschlagen.

Im langfristigen Vergleich haben die Preise für Backwaren ohnehin kaum auf die Entwicklung der Getreidepreise reagiert, sondern sie sind unabhängig von der Marktlage kontinuierlich gestiegen. Das hat unter anderem mit dem relativ niedrigen Rohstoffanteil bei den Herstellungskosten zu tun.

Bei Produkten mit höherem Rohstoffanteil an den Kosten wie etwa Milch und Fleisch, regieren die Verbraucherpreise deutlich stärker auf die Rohstoffkosten. Seit Januar 2014  sind die Brotpreise kontinuierlich um mehr als 5 Prozent gestiegen, obwohl die Erzeugerpreise für Weizen im gleichen Zeitraum um mehr als 40 Prozent in beide Richtungen geschwankt haben.

Milchpreise könnten bald anziehen

Molkereiprodukte

Die Preise für Milchprodukte haben sich im August im Vergleich zum Vormonat fast nicht verändert. Gegenüber dem vorigen Jahr sind Milchprodukte allerdings 4,0 Prozent teurer. Außerdem schwanken die Preise für Milchprodukte erheblich stärker als die Brotpreise.

Ursache ist, dass die Verbraucherpreise für Milch, Butter und Käse, wegen des höheren Rohstoffanteils den Rohmilchpreisen in deutlich stärkerem Ausmaß folgen als dies bei Brot der Fall ist.

So sind die Verbraucherpreise für Milch vom Herbst 2016 bis zum Frühjahr 2018 um mehr als 20 Prozent gestiegen. Seit dem Frühjahr ginge es zunächst nach unten und zuletzt haben sich die Preise stabilisiert.

Im Großhandel zeigte die Preistendenz für die meisten Milchprodukte (unter anderem für Butter) bereits im August deutlich nach oben. Das dürfte sich im September auch auf die Verbraucherpreise auswirken.

Eine Ursache hierfür ist die wegen Dürre, Hitze und Futtermangels rückläufige Milchanlieferung.

Rückläufige Preise für Fleisch und Gemüse

Fleischpreise

Rückläufige Verbraucherpreise zum Vormonat meldete das Statistische Bundesamt im August auch bei Fleisch und Fleischwaren sowie bei Speisefetten, Obst und Gemüse.

Bei Fleisch haben die Preise zum Vormonat um 0,3 Prozent nachgegeben und bei Speiseölen ging es um 1,3 Prozent nach unten. Noch stärker als bei Ölen war der Preiseabschlag bei Gemüse mit 1,9 Prozent. Trotz des deutlichen Rückgangs zum Vormonat sind die Verbraucherpreise jedoch bei allen genannten Produkten deutlich höher als im August vor einem Jahr.

Bei Kartoffeln zeichnet sich wegen der dürrebedingt sehr kleinen Ernte hingegen ein kräftiger Anstieg der Verbraucherpreise ab. Hintergrund ist der hohe Anteil der Rohstoffkosten bei Speisekartoffeln.

Mitte September sind die Kartoffelpreise auf Erzeugerebene fast doppelt so hoch wie im Vorjahr. An der Warenterminbörse haben sich die Kartoffelkurse seit dem Sommer sogar mehr als verdoppelt.

Milch, Brot, Fleisch: So viel Geld kommt beim Bauern an

Erzeugeranteil am Brotpreis
Erzeugeranteil am Milchpreis
Erzeugeranteil am Fleischpreis
Erzeugeranteil am kartoffelpreis
Erzeugeranteil am Zuckerpreis
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