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Getreideernte 2018

Notreife Gerste zwingt zu frühstem Erntebeginn seit 60 Jahren

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Dr.Olaf Zinke, agrarheute
am
20.06.2018

Wegen der Hitze und Trockenheit der letzten Wochen beginnt die Getreideernte in Deutschland erheblich früher als sonst.

In Teilen Brandenburgs, Mecklenburgs und Sachsens sind die Mähdrescher bereits auf den Feldern und müssen Wintergerste ernten.

Auch in einigen Regionen Niedersachsens zwingen notreife Bestände die Landwirte zu einer sehr frühen Ernte. Das sind zwei bis drei Wochen früher als üblich, wird aktuell aus der Lüneburger Heide berichtet.

Frühster Erntebeginn seit 60 Jahren

Nach Angaben des Landvolks Niedersachsen hat es solch einen frühen Erntebeginn seit rund 60 Jahren nicht mehr gegeben "Die Bestände präsentieren sich notreif", berichtete Jochen Oestmann, Vorsitzender des Landvolk-Kreisverbands Lüneburger Heide gegenüber dem NDR.

"Sie sind weiß. Die Grannen - das sind die Spitzen, die an der Ähre dran sind - stehen nach oben. Wenn die Grannen nach oben stehen, ist nicht viel in der Ähre drin. Häufig hätten Wintergerste, Winterroggen und Winterweizen in der Region nur ein Drittel der Körner, die sie in normalen Erntejahren haben. 

Mancherorts sei sogar so gut wie gar kein Korn in den Ähren. Die betroffenen Bauern würden dann ihr Getreide nur noch mähen und zu Stroh verpressen.

Bereits gestern berichtete agrarheute, dass die Häcksler die Gerste vom Feld holen.

Eine der schlechtesten Ernten in 20 Jahren

Nach Einschätzung des Landvolks müssen die niedersächsischen Bauern in diesem Jahr mit einer der schlechtesten Getreideernten seit Jahren rechnen. Besonders Zentralniedersachsen sei betroffen.

Im Süden und an der Küste hätten Unwetter für ein wenig mehr Niederschlag gesorgt. Die Landwirte hoffen weiterhin auf Regen. Bleibt der aus, sind  wohl auch die Rüben- und Kartoffelernte in Gefahr.

Nach dem derzeitigen Stand könnte die Getreideernte eine der niedrigsten der vergangenen 20 Jahre werden. Grund dafür sind neben der extremen Trockenheit auch Anpassungen in der Fruchtfolge, die sich aus den vielen Niederschlägen im Herbst und Frühjahr ergeben hatten.

Notreife Wintergerste in Brandenburg

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Auch in Brandenburg beginnt die Ernte erheblich früher als üblich. In der Uckermark würden die Landwirte zehn Tage früher als sonst mit dem Dreschen beginnen, sagte Manfred Mesecke, der Vorsitzende des Kreisbauernverbands, am Montag dem rbb.

Mesecke geht davon aus, dass die Mähdrescher voraussichtlich in dieser Woche zum Einsatz kommen. Die Wintergerste sei notreif.

In der Region Prignitz hat die Noternte bei Gerste bereits in der vorigen Woche begonnen - und damit so früh wie noch nie. Normalerweise ist die Ernte für Anfang Juli geplant. Schuld ist die Trockenheit der vergangenen Wochen und die Wetterturbulenzen zu Beginn des Jahres, hatte die Geschäftsführerin des Kreisbauernverbandes Prignitz, Christina Stettin berichtet.

In Brandenburg sind in manchen Regionen seit sechs Wochen keine nennenswerten Niederschlagsmengen mehr gefallen. Die Bestände zeigen daher teilweise deutliche Trockenschäden, vor allem bei Gerste.

Sehr früher Erntestart in Thüringen

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Die Thüringer Bauern müssen ihre Mähdrescher ebenfalls früher als sonst starten. „Die Getreideernte beginnt voraussichtlich in der letzten Juni-Woche, ein bis zwei Wochen eher als üblich“, berichtete ein Sprecher des Thüringer Bauernverbandes.

Notreife Bestände seien jedoch nicht bekannt. Die kommenden 14 Tage würden allerdings entscheidend sein für die Entwicklung der Körner. Sollte es regnen, bestünden noch Chancen für eine durchschnittliche Ernte bei Weizen und Sommergerste, aber auch bei Mais und Zuckerrüben.

Bislang habe es nur punktuell und regional sehr unterschiedlich geregnet, teilweise nur auf einzelnen Schlägen. Extreme Trockenheit gab es vor allem im Eichsfeld sowie in Nord- und Ostthüringen.

Wetterextreme drücken Getreideernte

Die Ertragsprognosen für die europäische Getreideernte wurden im Juni kräftig nach unten korrigiert. Ursache ist das extreme Wetter.

Mehr Hintergrundinfos zur Getreideernte und zu den Preisen finden Sie außerdem in der neuen Ausgabe von agrarheute.

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Aktuelles Heft August 2018

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