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Ökolandbau in Deutschland

Was produzieren die Ökobauern wirklich auf ihren Äckern? Die Fakten

ökolandbau.
am Mittwoch, 25.08.2021 - 05:00 (30 Kommentare)

Ökobauern bauen andere Getreidearten an und sie bewirtschaften viel mehr Grünland. Und es gibt einige sehr große Öko-Betriebe.

Ökobetriebe.

Der Ökomarkt ist bisher nicht besonders transparent. Es gibt wenig aktuelle Daten zu den angebauten Kulturen, zu den Erntemengen, den Erträgen und den Preisen. Und auch nicht zur wirtschaftlichen Situation der Ökobauern. Die meisten Informationen sind relativ allgemein gehalten und oft auch schon etwas älter. Das macht eine zeitnahe Beurteilung der Entwicklung der Ökomärkte und Strukturen nicht besonders leicht.

Manche sagen, das ist so, weil der Ökomarkt ein in sich geschlossenes System ist – mit festen und abgesicherten Lieferbeziehungen und Preisen. Andere glauben eher, dass Transparenz für Außenstehende nicht unbedingt gewollt ist. Egal. Das Statistische Bundesamt (Destatis) hat im Rahmen der Landwirtschaft-Zählung jedenfalls auch die Daten aus dem Ökolandbau sehr umfassend erhoben und  ausgewertet - Stand 2020.

Erfasst wurden sowohl die Ökobetriebe – auch die Umsteller – als auch die bewirtschafteten Flächen. Das machen Destatis und die Ökoverbände allerdings in regelmäßigen Abständen. Hinzu kommen jetzt aber auch die angebauten Kulturen und ihre Flächenanteile sowie die gehaltenen Tiere und die Bestandsgrößen sowie die Betriebsstrukturen.

Dabei zeigen sich – wie zu erwarteten war – einige gravierende Unterschiede zur konventionellen Landwirtschaft. Das betrifft unter anderem die Anbaustruktur im Ackerbau –  aber auch der unterschiedliche Stellenwert von Grünland, aber auch die Struktur der ökologischen Tierhaltung.

Fakt ist aber auch: Einige Ökobetriebe sind gar nicht so klein, wie manche gerne Romantiker glauben – die großen Öko-Unternehmen bewirtschaften mittlerweile erhebliche Flächen (siehe unten).

Getreideanbau ist komplett anders strukturiert

Ökogetreide.

Die Statistiker sagen, dass etwa 10 Prozent aller Betriebe nach ökologischen Vorgaben arbeiten. Dabei bewirtschaften sie zwar 9,6 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche – jedoch nur 6,2 Prozent des gesamten Ackerlandes. Das macht deutlich: Die Bedeutung von Ackerbau und Grünlandbewirtschaftung unterscheidet sich zwischen Ökolandbau und konventionellen Landwirten erheblich.

Während nämlich bei den Ökobauern mehr als die Hälfte ihrer betrieblichen Nutzfläche – nämlich 52 Prozent - als Dauergrünland (Wiesen und Weiden) genutzt werden, sind es bei den konventionellen Betrieben weniger als ein Viertel (23,5 %). Das heißt auch: Die Bedeutung des Ackerbaus für die betrieblichen Einkommen und die wirtschaftliche Situation der Landwirte ist im konventionellen Bereich ungleich höher.

Das zeigt sich natürlich auch beim Anteil der Getreidefläche an der gesamten LN. Diese liegt im Ökolandbau lediglich bei 22 Prozent – während die konventionellen Landwirte auf 38 Prozent ihrer LN Getreide anbauen. Dabei unterscheiden sich auch die angebauten Getreidearten vom Flächenumfang ganz erheblich. Ähnlich ist lediglich die Bedeutung von Winterweizen – einschließlich Dinkel und Einkorn, auch wenn die Flächenanteile sich ebenfalls unterscheiden.

So beansprucht der Winterweizen im Ökolandbau  (einschließlich Dinkel und Einkorn) etwa ein Drittel der gesamten Getreidefläche – bei den konventionellen Ackerbauern wächst Winterweizen fast auf der Hälfte der Getreidefläche. Zweitwichtigste Getreideart bei den ökologisch wirtschaftenden Ackerbauern ist der Roggen – mit einem Anteil an der Getreidefläche von über 18 Prozent. Das ist fast doppelt so viel, wie bei den konventionellen Kollegen – mit knapp 10 Prozent.

Im konventionellen Getreideanbau ist vielmehr die Wintergerste (als Futtgergetreide) mit 21,4 Prozent der Getreidefläche die zweitwichtigste Getreideart. Im ökologischen Anbau beansprucht die Wintergerste hingegen nur 6,5 Prozent der Getreidefläche und damit etwa so viel wie die Sommergerste. Auf Position drei rangiert bei den Ökobauern der Hafer – mit einem Flächenteil von immerhin 15 Prozent. Im konventionellen Ackerbau rangiert der Hafer „unter ferner liefen“ – mit einem Flächenanteil von gut 2 Prozent - trotz Oatlys Hafermilchboom.

Sehr viel mehr Leguminosen und Hülsenfrüchte - anstatt Silomais

Ökoanbau.

Bei den übrigen Ackerkulturen sind die Unterschiede ähnlich groß wie bei Getreide. Am größten ist die Differenz beim Ackerfutter. Während die Ökobauern auf rund 20 Prozent ihrer Ackerfläche Leguminosen (also Klee und Luzerne) anbauen, wächst dieses Ackerfutter bei den konventionellen Landwirten nicht einmal auf 2 Prozent der Ackerfläche.

Dagegen melden die Statistiker, dass die konventionellen Landwirte auf 20 Prozent ihrer Ackerfläche Silomais zur Futternutzung und für die Energiegewinnung stehen haben. Bei den Ökobauern wächst der Silomais nur auf gut 4 Prozent der Ackerfläche. Ähnlich groß ist der Unterschied bei Hülsenfrüchten – also Ackerbohnen, Erbsen und Lupinen. Diese wachsen bei den Ökobauern auf fast 9 Prozent der Ackerfläche – bei den Kollegen mit  konventionellem Anbau sind nicht einmal 2 Prozent der Fläche.

Und es gibt noch eine Ackerfrucht, die in beiden Bereichen einen unterschiedlichen Stellenwert hat – nämlich der für die Herstellung von Pflanzenöl, Tierfutter und Biodiesel unverzichtbare Raps. Er wächst bei den konventionellen Bauern auf mehr als 9 Prozent der Fläche – bei den Öko-Landwirten werden nicht einmal 0,5 Prozent der Ackerfläche mit Raps bestellt.

Etwas größer als bei den Ökolandwirten ist auch der konventionelle Flächenteil von Kartoffeln und vor allem von Zuckerüben. Dagegen nutzen die Ökobauern ihren Acker stärker für den Anbau von Gartenbauerzeugnissen – wie etwa Gemüse, Erdbeeren und Spargel.

Öko-Großbetriebe bewirtschaften 44 % der Ackerfläche

Betriebsgrößen.

Noch eine Sache fällt beim Durchsehen der Ökostatistik auf: Es gibt in Deutschland auch Ökobetriebe, die (deutlich) mehr als 500 Hektar bewirtschaften – nämlich 317. Das sind zwar gerade einmal gut 1 Prozent aller 26.088 erfassten ökologisch wirtschafteten Betriebe – jedoch haben sie immerhin 17 Prozent der gesamten Ökofläche „unterm Pflug“. Die Durchschnittsgröße dieser Unternehmen – muss man vielleicht sagen – liegt bei knapp 900 Hektar!

Einige Unternehmen – wie die ehemalige Agrofarm 2000 von Dennree Gründer Thomas Greim sind mit 4000 ha auch deutlich größer. Zählt man die 1000 Ökobetriebe mit  200 bis 500 Hektar hinzu, bewirtschaften diese Öko-Großbetriebe zusammen 36 Prozent der gesamten ökologischen LN und soagr 44 Prozent der Ökoackerfläche.

Die Frage ist nun: Gibt es auch im Ökolandbau den viel beschriebenen Konzentrationsprozess und wird er derzeit nur (noch) nicht wahrgenommen? Im Schnitt bewirtschaften die 26.088 deutschen Ökobetriebe nach Abgaben der Statistiker lediglich 61 Hektar LN – und damit ähnlich viel wie die konventionellen Bauern mit knapp 65 Hektar LN.  

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