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Rapsmarkt und Preise

Raps: Kanada drängt auf den europäischen Markt

Canola-Feld
am
28.08.2019
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Kanada ist der weltweit größte Rapsexporteur. Fast zwei Drittel des Welthandels werden von den nordamerikanischen Farmern bestritten.

In diesem Jahr ist jedoch alles anders. Ein Handelsstreit mit dem wichtigsten Abnehmer China führte fast zum völligen Erliegen des kanadischen Canola-Exports ins Reich der Mitte. Die Folgen waren drastische Anbaueinschränkungen der kanadischen Farmer bei Canola (Sommerraps) zu Gunsten von Sommerweizen und Gerste.

Nun tut sich für die Kandier aber ein neuer Absatzmarkt auf: Die Europäische Union. Die sehr kleine Rapsernte der Europäer schraubt den Importbedarf nämlich auf einen neuen Rekordstand. Allerdings haben die Europäer bislang nur GVO-freien und zertifizierten Raps importiert - und da gibt es in Kanada bisher nicht so viele Anbieter. Hauptlieferanten für die Europäer waren bisher die Ukraine und Australien.

Die Hälfte der Ernte für den Export

Canola-Feld

Trotz eines Anbaurückgangs von rund 700.000 ha werden die kanadischen Farmer nach derzeitigen Schätzungen etwa 20,1 Mio. t Canola ernten. Das sind rund 1,0 Mio. t weniger als im vorigen Jahr. Ein gewaltiger Teil dieser Ernte – nämlich mindestens 10 Mio. t - muss aber exportiert werden.Und das wird schwer und drückt auf die kanadischen Preise.

In letzten10 Jahren hat die kanadische Rapsproduktion um mehr als 60 Prozent zugenommen. Hauptgrund: Die steigende Ausfuhr nach China. Rund 40 Prozent der kanadischen Exporte gingen zuletzt ins Reich der Mitte. Weitere wichtige ausländische Abehmer sind Japan, Mexiko, die Vereinigten Arabischen Emirate und die USA.

Nun will man die wegbrechenden chinesischen Exporte durch Lieferungen nach Europa ausgleichen.In der Europäischen Union wurde in diesem Jahr jedenfalls die kleinste Ernte seit 13 Jahren eingebracht. Und der rein rechnersiche Importberdarf ist so hoch wie noch nie.

Massiver Handelskonflikt mit China

Raps verladen

China hat die Lizenzen für die größten kanadischen Exporteure Richardson International und Viterra ausgesetzt und die meisten anderen kanadischen Rapsankäufe gestoppt. Der offizielle Grund „Bedenken wegen Schädlingsbefall“. Der wahre Grund dürfte ein anderer sein: Kanada und China sind seit Dezember in einen diplomatischen und handelspolitischen Streit verwickelt. Die kanadische Polizei hat eine Führungskraft des chinesichen Elekronikkonzerns Huawei festgenommen.

Kanada ist derzeit der weltweit größte Rapsproduzent und Exporteur, und China ist der größte Absatzmarkt. Im Reich der Mitte wird der Raps vor allem zu Fisch- und Schweinefutter sowie zu Pflanzenöl verarbeitet. "Angesichts der Herausforderungen, vor denen die kanadischen Exporteure in  China stehen, suchen wir nach einem Marktzugang nach Europa", sagte Chad Molesky, Manager beim Raps- und Getreidehändler Viterra.

Rapspreise in der EU auf Jahreshoch

Rapspreise

Die kanadischen Rapsverkäufe in die EU sind seit mehreren Jahren gestiegen. In diesem Erntejahr könnten sie zwischen 1,3 und 2 Millionen Tonnen liegen: Das ist mehr mehr als doppelt so viel wie das bisherige Rekordhoch, sagte Molesky. Kanadischer Raps konkurriert auf dem EU-Markt mit Importen aus der Schwarzmeerregion und aus Australien.

Kanada exportierte von Juli 2018 bis Juni 2019 etwa 527.000 Tonnen Canola/Raps in westeuropäische Länder,meldet die Canadian Grain Commission. Die meisten Lieferungen gehen an Länder und Unternehmen, die die Ölsaat dann zu Biodiesel verarbeiten, wie Archer Daniels Midland, Cargill oder Avril.

Das französische Beratungsunternehmen Strategie Grains hatte im Juli geschätzt, dass die Rapsimporte in die EU in der Saison 2019/20 auf ein Rekordniveau von 5,8 Millionen Tonnen steigen könnten, nach Importen von 4,2 Millionen in der Saison 2018/19. "Die kanadischen Preise sind sehr wettbewerbsfähig. Sie werden mehr Ware nach Europa liefern und sie dort verkaufen", sagte dazu ein europäischer Ölsaatenhändler. Die europäischen Terminmarktpreise für Raps erreichten Mitte August  ein Jahreshoch, wobei offenbar auch die sehr kleine Ernte eingepreist wurde.

Kanadier liefern schon nach Europa

Nach kanadischen Angaben verließen im August zwei Schiffe mit Raps Kanada. Bestimmt waren diese Lieferungen für Frankreich und Deutschland, war aus Händlerkreisen zu hören. Bereits im Juli brachen vier Schiffe von Kanada nach Westeuropa auf. Derzeit sind Cargill und Viterra aber die einzigen kanadischen Exporteure, die für die Lieferung von Raps für die Herstellung von europäischem Biodiesel zertifiziert sind.

Für Verkäufe in die EU müssen Händler und die Farmen, von denen sie kaufen, die Nachhaltigkeitsstandards der EU für erneuerbare Energien erfüllen. Kanadische Landwirte können sich aber zertifizieren lassen. Offenbar erfüllen viele Landwirte die EU-Kriterien bereits, sagte Brian Innes, Vizepräsident von Canola Council of Canada. Eine wichtige Voraussetzung ist, dass die Landwirte den Raps auf mindestens seit 2008 bewirtschafteten Flächen anbauen.

Vor dem Hintergrund der anhaltenden Exportprobleme nach China würde der Exporte nach Europa den kanadischen Markt erheblich entlasten. Für die europäischen Landwirte könnte ein verstärkter Zugang der Kanadier zum europäischen Markt jedoch zumindest mittelfristig für Preisdruck sorgen.

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