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Rapsmarkt und Rapspreise

Raps komplett ausverkauft – Rapsreise brechen alle Rekorde

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am Montag, 03.05.2021 - 12:55 (1 Kommentar)

Solche Rapspreise hat nie zuvor gegeben: Unvorstellbare 680 Euro je Tonne hatte der auslaufende Maikontrakt Ende der vorigen Woche zeitweise gekostet.

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Und die neue Rapsernte (August) beginnt den Handel in der neuen Woche mit einem deutlichen Plus von 11 Euro bei 515 Euro je Tonne. Und da ist offenbar noch viel Luft nach oben. Auch die Preis-Signale aus den Übersee und von den internationalen Kassamärkten sind steil nach oben gerichtet.

Im vorbörslichen Handel notieren die Sojabohnen in den USA 23 Cent je Buschel im Plus. Damit liegen die Preise nur noch knapp unterhalb der magischen Marke von 1600 Cent je Buschel. Auch die Canolapreise in Canada steigen im laufenden Handel steil an und werden für den alterntigen Mai-Kontrakt auf einem neuen Rekordhoch 909 CAD je Tonne notiert – das sind etwa 573 Euro je Tonne. Die neue kanadische Ernte wird ebenfalls mit kräftigen Aufschlägen mit 718 CAD gehandelt (452 Euro).

Die Exportpreise in Ukraine – dem wichtigsten Lieferanten für den europäischen Markt – sind innerhalb von zwei Wochen um 100 Euro nach oben geschossen. Die schwarze Ölsaat wurde an den Export-Häfen am Schwarzen Meer auf einem Rekordhoch von 632 USD verladen – das sind etwa 517 Euro je Tonne.

Am deutschen Exporthafen und Großmarkt in Hamburg wurde Raps am vorigen Freitag mit 560 Euro je Tonne notiert – allerdings kaum gehandelt – ähnliche hohe Preise wurden auch vom Mittelandkanal und aus Mannheim gemeldet. Und auch an diesen Handelsplätzen dürften die Preise am Montag weiter steigen - und das recht kräftig - wenn man einmal die internationalenTerminmärkte als Indikator nimmt.

Die nächste europäische Rapsernte wird wieder klein

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Verantwortlich für immer schneller steigenden Preise ist ein Komplex von Ursachen, die sich gegenseitig verstärken – und letztlich alle eine Konsequenz haben: Sie zeigen eine außergewöhnliche Knappheit. Sowohl in Europa und Kanada als auch bei anderen wichtigen Exporteuren wie der Ukraine – gibt es bis zu neuen Ernte kaum noch etwas zu kaufen - ist die Botschaft der hohen Preise.

Nirgendwo ist im Moment noch Ware vorhanden. Nach einer schlechten Ernte im vorigen Jahr und einem Exportboom in der ersten Hälfte der Saison, sind der Weltmarkt und Läger leergefegt. Nach Berechnungen des USDA haben sich die globalen Rapsbestände innerhalb von nur zwei Jahren fast halbiert. Und nun deutet sich für Europa und – möglicherweise auch für Kanada – erneut eine schwache Ernte an.

In einigen europäischen Regionen haben Kälte und Frost dem Raps zuletzt ziemlich zugesetzt – so dass die europäische Crop-Monitoring-Agentur (MARS) die erwarteten Erträge zuletzt gesenkt hat. Die Kommission hat daraufhin zum Monatswechsel ihre Ernteschätzung für 2021 ebenfalls nach unten korrigiert – um etwa 300.000 Tonnen auf nur noch 16,46 Millionen Tonnen.

Damit würden die europäischen Bauern nur noch so wenig Raps ernten wie im vorigen Jahr mit 16,3 Millionen Tonnen – und meilenweit von solchen Ergebnissen wie in den Jahren 2014 bis 2018  – mit Erntemengen von gut 18 bis 22 Millionen Tonnen entfernt sein.

Die Folge der kleinen französischen und europäischen Ernte ist jedenfalls: Der Importbedarf der Europäer bleibt riesengroß, und dass, an einem Markt an dem auch andere große Importeuer wie China und Japan große Mengen Raps kaufen (wollen): Die Konsequenz ist klar: Die Preise bleiben erst einmal weit oben.

Weltmarkt ist leergefegt – Kanada kauft in der Ukraine

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Für das laufende Jahr schätzt die Kommission die europäische Importmenge auf mindestens 6 Millionen Tonnen – (das ist fast doppelt so viel wie deutsche Ernte von 3,5 Millionen Tonnen), bei einem europäischen Gesamtverbrauch von gut 23 Millionen Tonnen. Diese riesige Lücke wird angesichts der erneut sehr klein erwarteten EU-Rapsernte wohl bestehen bleiben und damit auch die Preise am Binnenmarkt oben halten.

Allein deutsche Ölmühlen haben in der laufenden Saison bereits 930.000 Tonnen Raps in Drittländern gekauft und importiert – zeigt die Importstatistik der Kommission. Davon kommt der größte Teil aus der Ukraine – wo die Preise allein in der vorigen Woche um 100 USD Tonne nach oben geschossen sind und es nach einer ebenfalls recht schwachen Ernte - wohl kaum noch etwas zu verkaufen gibt. Und die Aussaafläche für die neue Ernte ist etwa 10 % kleiner als im vorigen Jahren, schätzt das ukranische Landwirtschaftsminsierium.

Weitere große Lieferanten für die Europäer waren in der laufenden Saison: Kanada und Australien – und auch aus Russland kam offenbar Raps nach Europa. Doch beim weltweit größten Exporteur Kanada, war die letzte Ernte relativ klein und der größte Teil der exportierbaren Menge ist schon lange verkauft – vor allem auch nach China.

Analysten hatten berichtet, dass im April zwei Lieferungen mit ukrainischem Raps an kanadische Händler verkauft wurden. Das ist ein äußerst seltenes und ungewöhnliches Geschäft, welches die extreme Knappheit beim weltweit größten Exporteur Kanada deutlich erkennen lässt.

Trotz der schwachen Ernte hatten die kanadischen Farmer infolge der sehr hohen Preise in den ersten Monaten des Wirtschaftsjahres mehr Raps an Exporteure verkauft als in den Jahren zuvor – nämlich fast 11 Millionen Tonnen – schätzt das USDA. Nun gibt es an den kanadischen Häfen kaum noch etwas zu holen, berichten Händler. Die Läger sind gähnend leer und bis zur nächsten Ernte dauernt es noch Monate.

Für die neue Ernte rechnet das kanadische Landwirtschaftsministerium zwar mit einer Anbauausweitung um rund 300.000 Hektar auf 8,7 Millionen Hektar. Doch aktuell bekommen die kanadischen Farmer ihren Sommerraps (Canola) nicht in den Boden. Denn genau wie in den nördlichen Sommerweizen-Anbaugebieten der USA, ist es in den kanadischen Präriestaaten derzeit knochentrocken und sehr kalt.

Das heißt: Auch die bereits gepflanzten Samen laufen nicht auf oder die jungen Pflanzen stehen unter erheblichem Kälte- und Trockenstress. Das zeigen auch die steil ansteigenden Börsenkurse für die neue kanadische Rapsernte an –  ähnlich wie in Europa.

Kommentar

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