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Nahrungsmittel

Raps und Weizen sind billiger als Heizöl

Rapsblüte
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Josef Koch, agrarheute
am
17.01.2019

Raps und Weizen sind laut UFOP günstiger als Heizöl. Was sind Nahrungsmittel der Gesellschaft wirklich wert?

Grafik Raps-Weizen-Heizölpreise

Seit Jahren bestimmt ein dramatisch niedriges Preisniveau die Erlöse bei Raps und Brotweizen. Daran hat auch das Dürrejahr 2018 nichts geändert. Raps und Getreide kosten weniger als Heizöl, und das seit Jahren. Aktuell ist Heizöl 0,71 Euro/kg wert, Raps dagegen nur 0,48 Euro und Weizen gar nur 0,37 Euro/kg Heizöläquivalent.

Die Preise für Energie und Agrarrohstoffe entwickeln sich sogar in entgegengesetzte Richtungen, beklagt die Union zur Förderung von Oel- und Proteinpflanzen e.V. (UFOP). Damit wird die Landwirtschaft zur Inflationsbremse. Die Biokraftstoff-Verwendung bleibt vielmehr ein wichtiger Absatzmarkt für Agrarrohstoffe und verhindert ein weiteres Abrutschen der Erzeugerpreise.

Zunehmend wichtiger für die Preisbildung wird das bei der Biokraftstoffherstellung anfallende Rapsschrot, das als gentechnikfreies Eiweißfuttermittel in der Milchviehfütterung eingesetzt wird. Diese gentechnikfreie Fütterung ist Voraussetzung für die auch beim Verbraucher bekannte Auszeichnung auf der Verpackung „ohne Gentechnik“. 
 

Bauern fehlen Marktperspektiven

Biodiesel tropft aus einer Zapfpistole

Die UFOP kommt daher zum Schluss: "Wer also immer noch von einem preiserhöhenden Effekt der Biokraftstoffherstellung spricht, die Tank oder Teller-Frage aufwirft oder immer wieder die Debatte um indirekte Landnutzungsänderungen (iLUC) gegen nachhaltig zertifizierte Biokraftstoffe ins Feld führt, verkennt die Sachlage."

Eine zusätzliche Nachfrage zur dringend notwendigen Stützung der Preise für Raps und Getreide wäre hilfreich, ist derzeit aber nicht absehbar. Die Landwirte wollen ihr Einkommen am Markt verdienen. Eine politische Diskussion über die prekäre Marktsituation finde aber nicht statt.

Weder die EU-Kommission noch die europäische Politik sind in der Lage, Marktperspektiven zu schaffen, die bei der sogenannten Bioökonomie außerhalb der energetischen Nutzung beitragen könnten, die Erzeugerpreise zu verbessern.

Minderungspflicht für Treibhausgase weiterentwickeln

Im Gegenteil: mit der kürzlich in Kraft getretenen Neufassung der Erneuerbare-Energien-Richtlinie (RED II) wurde diese Option verpasst, beklagt die UFOP. Sie fordert die Politik auf, das nachhaltig verfügbare Potenzial an Anbaubiomasse zur Kraftstoffnutzung in den Beratungen für eine nationale Klimaschutzstrategie im Verkehrssektor zu berücksichtigen.

Die 2015 in Deutschland eingeführte Treibhausgas-Minderungspflicht hat sich als Steuerungsinstrument grundsätzlich bewährt und wird auch in der EU anerkannt. Denn sie wird in der RED II erstmals als Regelungsoption ausdrücklich aufgeführt. Nun gilt es, diese Minderungspflicht nach 2020 weiterzuentwickeln.

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