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Rapsmarkt

Rapsanbau bricht drastisch ein

staubige Rapsaussaat
am Freitag, 21.09.2018 - 12:00 (Jetzt kommentieren)

Der extreme Dürresommer hat den deutschen Landwirten die kleinste Rapsernte seit 15 Jahren beschert. Die anhaltende Trockenheit drückt nun den Rapsanbau für die nächste Ernte massiv nach unten.

Rapsernte Deutschland

So schlecht wie 2018 war die deutsche Rapsernte zuletzt im Dürresommer 2003. Damals war der Verbrauch jedoch weitaus niedriger und der Markt insgesamt wesentlich kleiner.

Die bis Mitte September andauernde Trockenheit hat in vielen Regionen Deutschland auch die Rapsaussaat massiv beeinträchtigt oder sogar ganz unmöglich gemacht. Das war auch auf dem Perspektivforum der UFOP am 19. September in Magdeburg zu hören.

Neben der andauernden Trockenheit wirkte sich jedoch auch die gegenüber anderen Kulturen deutlich verschlechterte Wirtschaftlichkeit auf die Anbauentscheidungen der Landwirte aus.

Die aktuellen Rapspreise sind trotz der sehr kleinen Ernte im Vergleich zu Weizen oder Wintergerste miserabel. Hauptgrund für die niedrigen Rapspreise ist der dramtische Preissturz bei Sojabohnen.

Die Folge von Trockenheit und schlechterer Wirtschaftlichkeit ist ein dramtischer Anbaurückgang für die Rapsernte im nächsten Jahr. Noch gibt es keine offiziellen Anbaudaten. Schätzungen von Analysten gehen für Deutschland von einem Rückgang der Rapsfläche zwischen 10 und 20 % aus.

Aus anderen europäischen Ländern wie etwa Frankreich, dem Vereinigten Königreich und Polen, meldet die CROP-Monitoring Agentur der Europäischen Kommission ebenfalls Anbaueinschränkungen.    

Trockenheit drückt Rapsfläche massiv

Rapsfläche Deutschland

Landwirte wissen: Bis Anfang September sollte der Raps eigentlich gesät sein, damit er sich vor Winterbeginn ausreichend entwickeln kann. In vielen Regionen Deutschlands blieb es jedoch bis Mitte September zu trocken.

„Aufgrund des Überschreiten des optimalen Aussaattermins und mangelnder Aussicht auf Regen haben viele Landwirte von einer Rapsaussaat abgesehen und werden auf andere Kulturen ausweichen“, brichtete der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Gütersloh, Andreas Westermeyer. Ähnliche Berichte kamen auch aus vielen anderen Landesteilen.

Vor allem in den Hochburgen des deutschen Rapsanbaus, in Ostdeutschland, blieb es bis weit in den September hinein zu trocken. Auch auf den bestellten Flächen können sich aus den Keimlingen wegen des fehlenden Niederschlags deshalb keine Pflanzen entwickeln oder die Samen keimen überhaupt nicht aus.

Erste vorläufige Prognosen gehen deshalb für Deutschland von einem sehr kräftigen Anbaurückgang von 10 bis 20 Prozent aus. Das würde einer weiteren Reduzierung des Rapsanbaus um bis zu 240.000 ha entsprechen. Sollte sich diese Annahme bestätigen, wäre dies die kleinste deutsche Rapsfläche seit 20 Jahren (!!).

Wettbewerbsfähigkeit hat sich verschlechtert

Realtion Raps und Weizen

Neben der Trockenheit hat jedoch ein weiterer Aspekt die Aussaat von Winterraps für die Ernte 2019 negativ beeinflusst. Das ist die deutlich schlechtere preisliche Wettbewerbsfähigkeit von Raps gegenüber Weizen und anderen Kulturen wie etwa Wintergerste oder auch Mais.

Pauschal kann man sagen, dass der Raps den halben Ertrag und dafür den doppelten Preis wie der Weizen benötigt, um die gleiche Rentabilität zu erzielen.

Im Herbst 2017 lag die Preisrelation zwischen Raps und Weizen vor der Aussaat bei 2,3 und war damit sehr günstig für den Raps.

In diesem Jahr hatte sich das Verhältnis auf zuletzt 1,8 verschlechtert und war damit so ungünstig wie seit vier Jahren nicht mehr.

Preise mit Luft nach oben

Rapspreise

Kurz nach der Ernte hatte das sehr kleine deutsche und europäische Angebot den Preisen noch nach oben geholfen. In den letzten Wochen wurde das Aufwärtspotential beim Raps jedoch durch die negative Marktentwicklung bei Sojabohnen gedeckelt.

Dort hat eine ganze Reihe von Faktoren die Kurse seit Juni um über 20 Prozent nach unten gedrückt und sorgt weiterhin auch beim Raps für erheblichen Preisdruck. Viele Landwirte zögern deshalb mit dem Verkauf. Sie rechnen mit steigenden Preisen.

Am Terminmarkt in Paris bewegen sich die Kurse für die kommenden Termine zunächst jedoch zur Seite. Für die Rapsernte 2019 sind die MATIF-Preise sogar noch niedriger.

Für wieder steigende Rapspreise spricht allerdings die sehr enge Marktversorgung. Die daraus resultierenden Probleme dürften sich in den nächsten Monaten noch verschärfen. Hinzu kommen die deutlichen Anzeichen für eine weitere kleine Ernte im nächsten Jahr.

Sollten sich diese Einschätzungen für Deutschland und Europa bestätigen, werden die Märkte (trotz des Drucks am Sojamarkt) wohl mit steigenden Kursen reagieren.

Weitere Informationen zur Enwicklung am Rapsmarkt finden Sie in der aktuellen Ausgabe von agrarheute.

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