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Rapsmarkt und Ölsaaten

Rapsmarkt zwischen Ölpreiscrash und Missernte

Rapsfeld
am Dienstag, 05.05.2020 - 12:55 (Jetzt kommentieren)

Eigentlich müssten die Rapspreise kräftig steigen. Die neue Rapsernte schrumpft nämlich immer weiter.

Rapspreise

Trockenheit, Spätfröste und Schädlingsbefall setzen den Pflanzen mächtig zu. Die Folge: Das europäische Analystenhaus Strategie Grains hat seine Ernteschätzung diese Woche ein weiteres Mal recht deutlich unten korrigiert.

Doch die Preise reagieren einfach nicht auf diese eigentlich bullischen Nachrichten. Ursache ist die sehr enge Verknüpfung des Rapsmarktes mit den Märkten für Bioenergie und dem Sojakomplex. Beide Märkte stehen wegen der Corona-Krise und den extremen Auswirkungen auf den gesamten Energie- und Bioenergiemarkt massiv unter Druck. Für alle wichtigen Rohstoffe in diesem Segment sind die Preise dramatisch abgestürzt, denn der globale Energiebedarf ist in einer weltweiten schlimmen Rezession erheblich – um bis zu ein Drittel – niedriger.

Das hat natürlich sehr negative Folgen auf die Nachfrage und die Preise für Biodiesel und Ethanol und auch für die dazu gehörigen Agrarrohstoffe wie Raps, Soja, Palmöl, Mais und Zucker.

Hinzu kommt nun eine neue Krise zwischen den USA und China, über die Ursachen der Ausbreitung des Corona-Virus. Die Folge könnten neue Handels-Konflikte und Strafzölle sein, befürchten immer mehr Händler und Analysten. Die Sojapreise regierten jedenfalls empfindlich und zogen den gesamten Ölsaatenmarkt nach unten.

Bärisch auf die US-Sojapreise wirken zudem aktuelle Meldungen aus Südamerika, über weiterhin rekordhohe Soja-Exporte Brasilien nach China. 

Trockenheit, Kälte und Schädlinge – Ernte schrumpft weiter

Rapsernte EU 28

Doch zurück zur aktuellen europäischen Ernteprognose von Strategie Grains: Anfang Mai schätzen die Analysten die kommende Ernte nur noch auf 17,02 Mio. Tonnen. Im Vergleich zur vorigen Prognose ist dies eine Abwärtskorrektur um satte 570.000 Tonnen. Allerdings ist in dieser Prognose noch immer das Vereinigte Königreich mit einer Erntemenge von derzeit erwarteten gut 1,0 Mio. Tonnen enthalten.

Ohne die Briten kann man also allerhöchstens mit einer europäischen Rapsernte von etwa 16 Mio. Tonnen rechnen. Der europäische Verbrauch an Rapssaat (ohne UK) liegt nach den Berechnungen der EU-Kommission jedoch bei etwa 21 Mio. Tonnen und wäre damit weitaus höher. Die gewaltige Versorgungs-Lücke von fast 5 Mio. Tonnen müsste auf jeden Fall über Importe  – etwa aus der Ukraine oder aus Australien – gedeckt werden. In der laufenden Saison haben die Europäer bis Anfang Mai auch schon 5,2 Millionen Tonnen Raps importiert – davon ging fast 1 Mio. Tonnen nach Deutschland. Lieferanten waren vor allem die Ukraine – aber auch Kanada und Australien.

Noch ist jedoch nicht sicher, ob die jetzt erwartete Erntemenge überhaupt erreicht wird. In etlichen ostdeutschen Regionen waren die Regenfälle Anfang Mai jedenfalls nicht sehr ergiebig und die Trockenheit könnte  sehr schnell wieder ein Thema sein. Hinzu kommt: Die Eisheiligen bringen Anfang Mai erneuet sehr kalte Nächte, die den blühenden Raps akut gefährden. In den beiden europäischen TOP-Anbaustaaten – Frankreich und Deutschland – ist die Ernteprognose Ende April zwar noch etwas höher als im vorigen Jahr.  Das ist jedoch auch nicht schwer, denn 2019 holten die europäischen Bauern mit nur 17,9 Mio. Tonnen (EU 28) die kleinste Ernte seit 13 Jahren von den Feldern.

Der Deutsche Raiffeisenverband (DRV) schätzt die deutsche  Rapsernte im April auf 3,3 Mio. Tonnen – andere Analysten gehen nur noch von 3,1 Mio. Tonnen aus. Nach der katastrophalen Ernte  aus dem Vorjahr von 2,85 Mio. Tonnen – erwarteten die deutschen Bauern die damit zweitschlechteste Rapsernte seit 24 Jahren – nämlich seit 1997. 

Neuer Handelskrieg, Rekordexporte aus Brasilien

Soja Verladen

Bisher reagieren die Rapspreise jedoch kaum auf die eigentlich bullischen Meldungen vom europäischen Rapsmarkt. Im Gegenteil: Deutlich größer ist offenbar der Einfluss der globalen Ölsaatenmärkte – und insbesondere von Soja und Palmöl – als die wichtigsten Substitute. Das merkt man Anfang Mai besonders deutlich, als zunehmenden Spannungen zwischen Washington und Peking Bedenken hinsichtlich der US-Sojaexporte nach China auslösten. US-Präsident Donald Trump sagte, dass das Handelsabkommen mit China jetzt von untergeordneter Bedeutung sei und drohte China neue Zölle an. Hintergrund sind Vermutungen, dass das Corona-Virus aus einem chinesischen Labor stammen könnte und die Chinesen nicht rechtzeitig gehandelt und gewarnt hätten.

Zusätzlichen Druck auf die Sojapreise gab es wegen der schwächeren Nachfrage nach Eiweißfutter in den USA. Dort hatte der Ausbruch des neuartigen Coronavirus in zu Schließungen von Schlachtereien und zur Keulung von Tieren geführt. Bärisch auf die Sojapreise in den USA – und damit auch auf den Raps – wirkten auch die exporthohen Exporte von Sojabohnen aus Brasilien. Diese erreichten im April eine Größenordnung 16,3 Millionen Tonnen, ein neuer Monatsrekord und einen Anstieg von 9,4 Millionen Tonnen im Vergleich zum Vorjahr. Dies geht aus durchschnittlichen täglichen Exportdaten hervor, die am Montag von der Regierung veröffentlicht wurden.

Der bisherige Rekord lag im Mai 2018 bei 12,35 Millionen Tonnen. Brasilien, der weltweit größte Exporteur von Sojabohnen, hatte nach Angaben der Regierung im März 11,64 Millionen Tonnen Sojabohnen verschifft. Die meisten Analysten gehen davon aus, dass Brasilien im Mai, Juni und Juli weiterhin starke Sojaexporte verzeichnen wird. Damit verbinden sich jedoch auch große Zweifel ob China überhaupt bereist das Phase-1-Handelsabkommen mit den den USA einzuhalten, dass China verpflichtet, eine Mindestmenge US-Soja zu importieren. "Der große Zweifel ist, ob China dieses Abkommen einhalten wird oder nicht", sagte der brasilianische Analyst Luiz Fernando Roque, von der Beratungsfirma Safras & Mercado.

Anstieg bei Rohöl hilft auch den Rapspreisen

Rapskörner

Die Rapspreise können sich am Diestag im laufenden Handel etwas erholen, nachdem es zuletzt mit den Kursen deutlich nach unten ging. Grund für die festen Rapspreise dürfte der kräftige Anstieg der Rohölpreise sein – und damit auch die besseren Aussichten für den Bioenergiemarkt. Am heutigen Dienstag notierte das Nordseeöl der Sorte Brent fast 10 Prozent im Plus bei 29,3 USD je Barrel und das US-Leichtöl WTI legt um mehr als 10 Prozent auf 22,4 USD Dollar Barrel zu.

Davon profitiert natürlich auch der Raps. Die neue Rapsernte (August) wird am heutigen Dienstag im laufenden Handel mit 367,50 Euro je Tonne notiert. Das ist ein Aufschlag von fast 3 Euro zum Vortag. Der Maikontrakt (alte Ernte) wird seit Ende voriger Woche allerdings nicht mehr gehandelt. Er war nach heftigen Preissprüngen noch mit 385 Euro je Tonne aus dem Handel gegangen.

Am Kassamarkt dürften die Rapspreise heute ebenfalls leicht zulegen. Am gestrigen Montag  handelte man den alterntigen Raps in Hamburg mit 370 Euro und für die neue Ernte wurden 359 Euro geboten. Zum gleichen Zeitpunkt lagen die aktuellen Rapspreise am Mittelandkanal bei 369 Euro und für die neue Ernte wurden dort 359 Euro geboten. Die Sojabohne kann im vorbörslichen Handel bisher nicht von Rallye der Rohölpreise profitieren. Zu stark sind offenbar die Befürchtungen vieler Analysten und Händler hinsichtlich neuer Handelskonflikte zwischen den USA und China. Sollten sich diese Befürchtungen bestätigen, würde das wohl auch die Rapspreise erneut mit nach unten ziehen.

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