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Rapsernte und Rapspreise 2021

Rapspreise steigen wieder steil an – Markt ist leergekauft

Rapsfeld.
am Mittwoch, 30.06.2021 - 12:37 (Jetzt kommentieren)

Die Rapspreise sind in wenigen Tagen um 50 Euro gestiegen. Offenbar haben die Ölmühlen erst jetzt die akute Knappheit am Rapsmarkt bemerkt.

rapspreise.

Und wenn man keine Ware bekommt, müssen die Preise hoch. Sonst liefern die Bauern nicht mehr – wenn sie denn überhaupt noch Ware haben. Von 476 Euro je Tonne am Ende der vorigen Woche, sind die Rapspreise für die neue Ernte am Dienstag auf 528 Euro nach oben geklettert.

Auch aus dem Ausland – etwa aus der Ukraine, kommt derzeit nichts mehr. Auch dort sind die Läger leer – ebenso wie in Europa und in Kanada. Auch in Kanada steigen die Canola-Preise übrigens wieder steil an. Fakt ist auch: Nach der neuen Ernte werden die Exporteure erst einmal schauen, ob China nicht bessere Rapspreise zahlt als Europa.

Im zurückliegenden Wirtschaftsjahr haben die Europäer knapp 6,3 Millionen Tonnen Raps importiert. Davon gingen gut 1 Millionen Tonnen an deutsche Abnehmer und 1,5 Millionen Tonnen nach Frankreich. Das unterstreicht noch einmal, wie wichtig der Import für die Versorgung und die Preisbildung am europäischen Binnenmarkt ist.

Rapspreise steigen auch in Kanada steil an

Rapsernte.

Zum Monatswechsel hat die EU-Kommission ihre Ernteprognose aktualisiert und damit auch die Eckdaten für den Rapsmarkt. Danach rechnet man jetzt mit einer Rapsernte von 16,7 Millionen Tonnen – rund 560.000 Tonnen mehr als im vorigen Jahr – doch rund 300.000 Tonnen weniger als die Analysten von Strategie Grains erwarten. Das Analystenhaus hatte die Rapsproduktion zum Monatswechsel auf 17 Millionen Tonnen geschätzt, von zuvor 16,8 Millionen Tonnen.

Die Aufwärtskorrektur sei hauptsächlich auf die höhere rumänische Ernteprognose zurückzuführen, sagte das Beratungsunternehmen. Strategie Grains begründete den Einbruch der Rapspreise zwischen Mitte Mai und Mitte Juni mit dem Einbruch der globalen Pflanzenölpreise. Im Moment zeigen die Preise jedoch erneut in eine andere Richtung, auch weil sich die Pflanzenölpreise zuletzt wieder erholt haben. So kostet Palmöl an der Börse in Malaysia wieder 50 USD je Tonne mehr als Mitte Juni. Ähnlich deutlich haben sich die Preise für Sojaöl erholt.

Gleiches gilt übrigens auch für die kanadischen Canolapreise. Dort sind die Kurse für den alterntigen Julikontrakt zuletzt von 730 CAD wieder auf 810 CAD nach oben geschossen. Und die neue kanadische Rapsernte kostet etwa 796 CAD je Tonne – also nicht viel weniger. Das heißt auch: in Kanada erwartet man nicht wirklich eine deutlich bessere Versorgung – das hat aber auch mit der extremen Hitzewelle in den dortigen Hauptanbaugebieten zu tun.

Frankreich: Kleinste Rapsernte seit gut 20 Jahren

Rapsfläche.

Was sagt die Kommission aber zur Entwicklung am europäischen Markt. Zunächst einmal die Ernteprognosen für die vier wichtigsten Produzenten: Deutschland, Frankreich, Polen und Rumänien.

Während die Kommissions-Experten für Deutschland mit 3,75 Millionen Tonnen eine rund 230.000 Tonnen größere Ernte erwarten als im vorigen Jahr, geht man für Frankreich von einem weiteren Rückgang um 55.000 Tonnen auf 3,18 Millionen Tonnen aus. Die wäre die kleinste Ernte seit mehr als 20 Jahren. Vor fünf Jahre haben die französischen Bauern immerhin noch 5,4 Millionen Raps von den Feldern geholt.

Für Polen rechnet die Kommission mit einem leichten Produktionsrückgang um 60.000 Tonnen auf 2,6 Millionen Tonnen. Dagegen erwarten die Analysten für Rumänien einen witterungsbedingten Produktionsanstieg um mehr als 400.000 Tonnen auf schätzungsweise 1,15 Millionen Tonnen.

Ähnlich groß wie in Rumänien (und auch so groß wie im vorigen Jahr) wird die Ernte in Tschechien mit 1,2  Millionen Tonnen erwartet

Europa: Markt bleibt sehr knapp versorgt

Rapsernte.

Was die Versorgungsbilanzen der Europäer betrifft, erwartet die Kommission – anders als Strategie Grains – keinen Aufbau der extrem abgeschmolzenen Bestände. Diese sollen trotz der größeren Ernte nur bei 500.000 Tonnen liegen und damit so klein sein wie am Ende der in der laufenden Saison.

Die Importe sieht die Kommission ebenfalls so hoch wie im zurückliegenden Wirtschaftsjahr – nämlich bei etwa 6,2 Millionen Tonnen. Dafür könnte der Verbrauch etwas zurückgehen, vor allem weil der Raps weiter extrem knapp bleibt. Das dürfte die Preise jedenfalls stützen.

Strategie Grains hatte in seinem Ölsaatenbericht hingegen geschrieben: Die Rapspreise sind in dieser Saison stark gestiegen. Gründe waren das weltweit knappe Angebot und die starke Nachfrage, die durch chinesische Importe angeheizt wurde. Das Analystenhaus rechnet jedoch damit, dass die europäischen Rapspreise im Vorfeld der Ernte von den derzeit hohen Niveaus sinken werden. Danach sieht es derzeit aber an den Börsen nicht aus.

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