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Ölsaatenmarkt und Rapspreise

Rapspreise brechen Rekord um Rekord – Mangelware!

rapssaat im lager.
am Donnerstag, 18.02.2021 - 06:00 (1 Kommentar)

Wer noch Raps zum Verkaufen hat, kann sich freuen. Diese Woche kletterten die Rapspreise auf den höchsten Stand seit reichlich sieben Jahren.

Rapspreise an der Matif

Die Gründe? Zum einen folgt der Raps natürlich der außergewöhnlichen Preisrallye bei Sojabohnen – welche sämtliche Ölsaaten mit nach oben zieht. Hinzu kommt aber: Der europäische Rapsmarkt ist ebenso knapp versorgt wie der Canolamarkt beim weltweit größten Produzenten und Exporteur Kanada. Dort ist die alte Ernte offenbar schon 6 Monate vor der neuen Ernte nahezu ausverkauft.

Rapspreise von mehr als 460 Euro je Tonne – wie am Dienstag dieser Woche – hat es zuletzt vor mehr als sieben Jahren im März 2013 gegebenen. Die neue Ernte 2021 wurde immerhin noch mit knapp 420 Euro je Tonne notiert. Und in Canada sind die Canola-Preise mit etwa 738 CAD je Tonne (482 Euro) sogar so hoch so wie zuletzt vor 13 Jahren – im März 2008. Das zeigt deutlich: Hier ist die Knappheit offenbar extrem groß und übertrifft ganz offensichtlich sogar die sehr enge Versorgung am europäischen Rapsmarkt.

Ein Treiber der internationalen Preise sind – neben der Sojarallye – die stark geschrumpften globalen Bestände. Diese gehen nach den letzten Schätzungen des US-Agrarministeriums (USDA) auf den niedrigsten Wert seit mindestens 5 Jahren zurück. Vielleicht ist der Bestandsabbau aufrund der boomenden Nachfrage sogar noch stärker – und das wirkt angesichts der kleinsten globalen Rapsernte seit 2015 enorm preistreibend.

Außergewöhnlich kleine Rapsernte 2020 in Kanada

Rapsfeld vor der Ernte

Die Wurzeln des kanadischen Rapsmangels reichen bis in den Herbst zurück, als die Landwirte die kleinste Ernte seit fünf Jahren einbrachten.

Die starke Exportnachfrage nach Raps und Pflanzenöl führte dann zu einer Spätsommer-Rallye, die die Landwirte dazu veranlasste, früher als gewöhnlich große Teile ihrer Ernte zu verkaufen. Diese frühen Lieferungen an die großen Ölsaatenhändler haben nach Angaben des kanadischen Landwirtschaftsministeriums dazu geführt, dass seit Jahresbeginn rund ein Drittel mehr Raps exportiert wurde als üblich.

Der Top-Käufer China hat die Einkäufe im Dezember trotz der anhaltenden Import-Beschränkungen gegen die beiden kanadischen Exportunternehmen Richardson International und Viterra auf 1,2 Millionen Tonnen mehr als verdoppelt. Andere kanadische Exporteure können nämlich weiterhin kanadischen Raps nach China verkaufen, um die stark wachsende Nachfrage zu befriedigen.

Die Läger des größten Exporteurs sind leer

Blühender Raps und Silos

Die  Canola-Preise gingen diese Woche am Terminmarkt auf als 738 CAD pro Tonne nach oben und erreichten Werte, die seit dem Rekordboom der Rohstoffe 2008 nicht mehr gesehen wurden. Die starke Nachfrage nach Rapsöl hat zudem die kanadischen Ölmühlen dazu gebracht, größere Mengen im Inland zu verarbeiten, was die Versorgung weiter belastet. Sowohl Ölmühlen als auch Exporteure dürften bereits sehr knapp mit Raps versorgt sein, um ihre eingegangenen Verpflichtungen zu erfüllen, sagte ein kanadischer Exporteur.

Hinzu kommt: Die Rapspreisrallye ist offenbar noch nicht vorbei, sagen zumindest etliche Analysten. Deutlich  größere als übliche Futures-Positionen für die Lieferung im kommenden November – also zur neuen Ernte – deuten darauf hin, dass viele Exporteure und Ölmühlen sehr besorgt sind, dass der Mangel bis zur nächsten Ernte anhält.

Statistics Canada hat die kanadischen Endbestände für die laufende Saison nur noch auf 1,2 Millionen Tonnen geschätzt, nach 3,5 Millionen Tonnen im vorigen Jahr. Angesichts der sehr hohen Preise rechnet das kanadische Landwirtschaftsministerium damit, dass die Farmer in diesem Frühjahr eine deutlich größere Fläche mit Canola (Sommerraps) bestellen – dennoch erwartet das Ministerium auch in der neuen Saison noch hohe Canolapreise – von durchschnittlich 600 CAD je Tonne.

Europa bleibt 2021 knapp versorgt

Anbaufläche von Raps in der EU

In der Europäischen Union und in Großbritannien könnte die neue Ernte eine Größenordnung von 18,3 Millionen Tonnen erreichen, schätzt das europäische Analystenhaus Strategie Grains im Februar. Dies würde nur einer moderaten Erholung von den sehr niedrigen 17,2 Millionen Tonnen in diesem Jahr entsprechen, schreibt das Beratungsunternehmen in seinem Ölsaatenbericht.

Eine stärkere Erholung der Produktion wurde durch eine weitere schwierige Aussaatkampagne verhindert, die die Rapsanbaufläche im Vergleich zur letzten Ernte auf etwa 5,5 Millionen Hektar nur stabil gehalten hat, heißt es weiter. Unklar ist, welche Schäden die jüngste Kältewelle an den europäischen Rapssaaten angerichtet hat. Der aktuelle Preisanstieg wird wohl auch von den Sorgen getragen, dass die neue Ernte Schaden genommen hat.

Im vorigen Jahr  behinderte jedenfalls eine Spätsommerdürre die Rapsaussaat vor allem in Frankreich und Rumänien, während die Erzeuger in Großbritannien wegen schlechter Erträge und Insektenproblemen deutlich weniger Raps angebaut haben. Die hohen Preise könnten eine Steigerung der Produktion im nächsten Jahr aber unterstützen, glauben die Analysten.

Doch selbst wenn die Ernte die Rekorderträge von 2014/15 erreicht, würde die Rapsproduktion nur 20 Millionen Tonnen betragen, sagt Strategie Grains.

Rapspreise für den Rest der Saison sehr hoch

Die Rapsproduktion in der EU

Europa wird die laufende Saison 2020/21 zudem mit voraussichtlich sehr geringen Lagerbeständen beenden. Ein Grund: Attraktive Margen bei der Ölproduktion in Verbindung mit hohen Pflanzenölpreisen haben die industrielle Nachfrage nach Raps trotz der schlechten Ernte und der hohen Preise relativ stark gehalten haben.

Es wird deshalb erwartet, dass die Importe hoch bleiben, um die Nachfrage zu decken. Strategie Grains hält in seinem Ausblick eine Importmenge von etwa 5,9 Millionen Tonnen für möglich, verglichen mit dem Einfuhrrekord von 6,3 Millionen Tonnen in der vorigen Saison.

„Die weltweite Nachfrage nach Raps ist sehr stark und die Importländer der EU stehen bei ihren Einkäufen in starkem Wettbewerb mit anderen Ländern wie etwa China, Mexiko, Japan", sagen die Analysten. „Dieser harte Wettbewerb schränkt die Möglichkeiten der EU-Importe spürbar ein.“

Aufgrund des knappen Angebots dürften die Preise für Raps für den Rest der Saison weiter sehr hoch bleiben, glauben die Experten, obwohl die Ankunft der groß erwarteten südamerikanischen Sojabohnenernte die Preisdynamik etwas bremsen dürfte. Zuletzt haben ich die südamerikanischen Lieferungen – wegen der schleppenden Ernte – jedoch immer weiter verzögert, was die Knappheit weiter verschärft. Das lässt sich sehr gut an den ebenfalls auf einem Siebeneinhalb-Jahreshoch befindlichen Sojapreisen ablesen.

Kommentar

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