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Rapsmarkt und Ölsaaten

Rapspreise: Im Corona-Krisenmodus gefangen

Rapskörner
am Mittwoch, 25.03.2020 - 09:16 (Jetzt kommentieren)

Die Rapspreise konnten sich nach ihren dramatischen Absturz nach Ausbruch der Corona-Krise bisher nicht erholen.

Rapspreise

Anders als die Getreidepreise und auch als der Sojakomplex steht die schwarze Ölfrucht weiter massiv unter Druck. Die Ursachen für die ausbleibende Erholung sind vielfältig. Zum einen ist da der gnadenlose Absturz der Rohölpreise in die Nähe eines 20-Jahrestiefs. Mit den Rohöl- und Energiepreisen ist der Raps über die Bioenergiemärkte aber sehr eng verlinkt und der tiefe Preissturz von Ethanol auf ein Allzeittief und der dramatische Verfall der Palmölpreise und der Kurse für Biodiesel halten auch den Rapsmarkt in Schach.

Und während die Sojapreise von der Ausbreitung des Corona-Virus in Südamerika "profitieren" können – viele Analysten und Händler befürchten wachsende Lieferschwierigkeiten der Südamerikaner bei Sojaschrot und Soja – hatte der Raps  davon bisher nichts. Hier zogen vielmehr die weiter fallenden Palmölpreise – als wichtigstes Substitut für Rapsöl im Biodiesel – auch den Raps-Markt mit nach unten.

Auch die etwas nach unten geschätzte Sojaernte in Südbrasilien half bisher nur den US-Sojapreisen weiter nach oben. Viel wird jetzt davon abhängen, wie sich die Corona-Krise weiter entwickelt und vor allem wie es mit der Nachfrage nach Bioenergie weitergeht. Sollten Weltwirtschaft und Agrarhandel länger leiden – dann bedeutet das auch für Bioenergie und die Rapspreise nicht Gutes.

Am Dienstag Nachmittag notiert der Raps am europäischen Terminmarkt jedenfalls erneut knapp 5 Euro im Minus bei 344 Euro je Tonne. Noch vor wenigen Wochen lagen die Kurse deutlich über der 400-Euro-Marke. Die neue Rapsernte wurde am Dienstag mit einem Abschlag von rund 3 Euro bei rund 352 Euro je Tonne gehandelt.

Bioenergie mit negativen Margen

Bioenergie

"Es gibt derzeit Panikkäufe bei Agrarrohstoffen und eine hohe Volatilität auf den Weltmärkten", sagt Phin Ziebell, Agrarökonom bei der National Australia Bank. Die Folgen der Corona-Krise für die verschiedenen Agrarrohstoffe sind bislang sehr unterschiedlich und die weitere Entwicklung ist ebenfalls nicht klar.

Während die Preise für Weizen, Reis und andere Grundnahrungsmittel aufgrund der Corona-Panik und  der  weltweiten Hamsterkäufen nach oben schossen, ging es für Energierohstoffe und ihre Träger – etwa Mais und Raps – eher in die andere Richtung. So ist der Absturz der Ethanolpreise auf ein Allzeittief auch die Ursache für den anhaltenden Druck auf die US-Maispreise. Ebenso zieht der dramatische Verfall der Palmölpreise den Rapsmarkt immer wieder mit nach unten.

Der Einbruch der Nachfrage nach Ethanol, kommt zu einer Zeit, als Ethanolanlagen in den USA  bereits durch den Verlust des chinesischen Exportmarktes massiv unter Druck stehen. Die Ethanolpreise fielen am vorigen Montag auf ein historisches Tief von 1,03 USD pro Gallone.  Die Margen in Ethanolanlagen sind laut nach den Analysten von S & P Global Platts auf ein Defizit von -22,7 Cent pro Gallone gesunken. „Die dramatisch sinkenden Margen haben Spekulationen ausgelöst, dass etliche Ethanolanlagen stillgelegt werden müssen“, glauben die Analysten von Platts.

Hafen-Streik in Südamerika wegen Coranavirus

Sojaernte in Brasilien

Die sich in Südamerika abzeichnenden Streiks von Hafenarbeitern, könnten jedoch die Preise von Sojabohnen und Schrot weiter nach oben treiben – und so auch den Rapsmarkt stützen. Längere Exportunterbrechungen der beiden Top-Exporteure würden jedenfalls das globale Angebot von Sojabohnen, Schrot und auch Sojaöl spürbar reduzieren.

In Brasilien haben Hafenarbeiter, in Santos, dem größten Hafen des südamerikanischen Landes, aufgrund der Befürchtungen des Coronavirus einen Streik in Betracht gezogen.Die Behörden hatten vorige Woche jedoch Maßnahmen ergriffen, um Störungen beim Export zu vermeiden. "Dies ist in Zeiten wie diesen jedoch problematisch, in denen niemand genau weiß, was am besten zu tun ist - daher ist es wichtig, dass die Bundesregierung klare Richtlinien herausgibt", sagte Daniele Siqueira, Marktanalystin bei AgRural.

Noch läuft der brasilianischen Export ganz hervorragend. „Wenn in den kommenden Tagen nichts Ernsthafteres passiert, könnten wir für März einen neuen Export-Rekord aufstellen, der den vom März 2017 übertrifft“, sagt Siqueira. "Wir haben jedoch seit Februar einen Schiffsstau in unseren Häfen, der auf eine verspätete Ernte, übermäßige Niederschläge im Februar und den Ausbruch des Coronavirus in China zurückzuführen ist", sagte die Analystin.

Auch in Argentinien haben Hafenarbeiter Streiks nach dem Ausbruch des Coronavirus in Betracht gezogen, aber noch nicht begonnen zu streiken. Letzte Woche konnten die Lastwagen jedoch nicht in einen Hafen einfahren. Der Bürgermeister hatte wegen der Pandemie strenge Kontrollen verhängt. „Das Problem ist, dass April und Mai der Höhepunkt der brasilianischen Sojabohnenexporte sind - und wahrscheinlich auch hier der Höhepunkt der Coronavirus-Infektionen, in Südamerika.

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