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Rapsmarkt und Rapspreise

Rapspreise fallen zweistellig - auf ein 12-Monatstief

rapsernte.
am Dienstag, 16.08.2022 - 14:16 (1 Kommentar)

Die Rapsreise fallen zum Beginn dieser Woche auf den niedrigsten Stand seit September 2021. Die Gründe sind komplex. Fallende Sojapreise, Erntedruck und auch mehr Raps-Exporte vom Schwarzen Meer, sind nur einige Ursachen.

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Am Montag rauschten die Rapspreise am europäischen Terminmarkt um 24 Euro je Tonne nach unten und am Dienstag fallen die Kurse im laufenden Handel weiter – auf nur noch 629 Euro je Tonne. Das ist der niedrigste Stand seit September 2021. Ein Grund für den Preisrutsch sind zunächst die fallenden Sojapreise in den USA.

Dort verlor der vordere September-Termin am Montag 44 Cent und fällt am heutigen Dienstag um weiter 22 Cent auf 1473 Cent je Bushel. Ein Verlust von 4,2 % in zwei Tagen. US-Analysten erklären den Preisrutsch bei Sojabohnen mit der nach oben korrigierten Produktionsprognose des USDA. Dort hatte man Freitag die neue Sojaernte um knapp 1 Millionen Tonnen auf 123,3 Millionen Tonnen nach oben gesetzt. Analysten hatten indessen eine witterungsbedingte Kürzung der Sojabohnenproduktion erwartet.

„Das USDA erhöhte die Produktion und Ertrag unerwartet auf Rekordhöhen“, heißt es in einem US-Markt-Bericht. Die US-Sojabohnenproduktion wird damit größer sein als bisher prognostiziert, weil die besser als erwarteten Erträge den Rückgang der Anbaufläche mehr als ausgleichen werden, begründete das USDA den Schritt.

Hinzu kommen aktuelle Meldungen, über besseres Wetter (Regen) in den Sojaanbaugebieten des Mittleren Westens, die ebenfalls massiv unter Hitze und Trockenheit leiden.

Überraschend gute Rapsernte in Europa – trotz Dürre

Der Rapsmarkt steht jedoch noch aus anderen Gründen unter Druck, sagen Analysten. Dazu gehören auch die massiven Rezessionsängste und die davon ausgehenden erheblichen Risiken eines Nachfragerückgangs aus der Biokraftstoffindustrie.

Auf der Angebotsseite erhöhte das französische Landwirtschaftsamt Agreste vorige Woche seine nationale Ernteschätzung in um 370.000 Tonnen auf jetzt 4,35 Millionen Tonnen. Ein Produktionszuwachs von immerhin 1,02 Millionen Tonnen im Vergleich zum Vorjahr.

Auch die deutsche Rapsernte 2022 ist mit zuletzt erwarteten 3,8 Millionen Tonnen rund 300.000 Tonnen größer als 2021. Die EU-Kommission hatte die europäische Rapsernte Ende Juli auf rund 18,0 Millionen Tonnen geschätzt, im Vergleich zu 17 Millionen Tonnen im vorigen Jahr. Strategie Grains ging Anfang August sogar von einer europäischen Erntemenge von rund 18,5 Millionen Tonnen Raps aus.

„Es davon ausgegenagen, dass das kräftige Produktionswachstum vor allem durch die Ausweitung der Anbaufläche verursacht wird, was den witterungsbedingten Rückgang der Durchschnittserträge kompensieren dürfte“, heißt es in dem Bericht der Analysten.

Die Kommission rechnet im neuen Wirtschaftsjahr immerhin mit Importen von 4,5 Millionen Tonnen, im Vergleich zu 5,5 Millionen Tonnen in der vorigen Saison. In den ersten 6 Wochen des neuen Wirtschaftsjahres haben die EU-Länder 630.000 Tonnen Rapssaat importiert – das sind sogar rund 200.000 Tonnen mehr als im vorigen Jahr zur gleichen Zeit. Davon gingen 130.000 Tonnen nach Frankreich und jeweils 120.000 Tonnen nach Deutschland und in die Niederlande.

Hauptlieferant war bisher Australien (drei Viertel der Menge). Immerhin 74.000 Tonnen (12 %) kamen jedoch auch aus der Ukraine.

Hohe Ernteschätzungen aus Kanada, Australien – und der Ukraine

Die kanadische Rapsernte beginnt ebenfalls mit guten Ergebnissen. Analysten rechnen für dieses Jahr mit einer deutlich größeren Produktion von 20 Millionen Tonnen – im Vergleich zu nur 12,6 Millionen Tonnen im katastrophalen Dürrejahr 2021. Die kanadischen Exporte könnten deshalb von 5,2 Millionen auf 8,8 Millionen Tonnen wachsen, schätzt jedenfalls das USDA.

Auch in Australien rechnet man mittlerweile mit einer sehr guten Ernte von 6,1 Millionen Tonnen – im Vergleich zur vorigen Schätzung von 5,4 Millionen Tonnen und zur bisherigen Rekordernte von 6,4 Millionen Tonnen im vorigen Jahr.

Für die Ukraine rechnet zumindest das USDA ebenfalls mit einer sehr guten Ernte von 3,3 Millionen Tonnen und reichlich Exportpotential. Im vorigen Jahre (vor dem Krieg) ernteten die ukrainischen Bauern 3,0 Millionen Raps und vor zwei Jahren waren es nur 2,75 Millionen Tonnen.

Russland könnte mit 3,9 Millionen Tonnen sogar eine Rekordernte einfahren, die rund 1 Millionen Tonnen größer wäre als im Vorjahr. Ursache sind die hohen Ölsaatenpreise und die kräftige Ausweitung der Rapsfläche, um rund 400.000 Hektar bzw. um 35 %.    

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