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Getreidemarkt und Getreidepreise

Reispreise steigen steil an: Hamsterkäufe, Preisexplosion, Hungerkrise

Reisfeld.
am Freitag, 03.06.2022 - 11:17 (1 Kommentar)

Am Weltmarkt steigen die Reispreise. In einigen asiatischen Ländern wird Reis gehortet. Grund sind die explodierenden Verbraucherpreise. Indien, der weltweit größte Exporteur, plant bislang keine Exportbeschränkungen. Vietnam und Thailand wollen ihre Exportpreise absprechen und erhöhen.

Reispreise am Weltmarkt.

Die Exportpreise für Reis an den wichtigsten asiatischen Handelsplätzen stiegen diese Woche deutlich an. Ursache ist eine starke und weiter anziehende Nachfrage in den meisten asiatischen Ländern, nachdem die Nahrungsmittelpreise in vielen Ländern der Welt auf neue Höchststände gekletterte sind. In Bangladesch, einem großen Reisimporteuer, gehen die Börden mittlerweile gegen das illegale hamstern von Reis vor, dass die Inlandspreise dort immer weiter nach oben treibt.

Auch in anderen asiatischen Ländern verschärft sich die Situation bei einem der wichtigsten Grundnahrungsmittel, bei dem man eigentlich eine gute Ernte erwartet hat. Allerdings rechnet das US-Landwirtschaftsministerium wegen des Mangels an Weizen und anderen Grundnahrungsmitteln damit, dass die Rekordernte dennoch nicht zur Deckung der Nachfrage ausreicht und die Lagerbestände erstmals seit langem schrumpfen.

Einen ersten Preisschub hatte bereits die Hitzewelle in Indien ausgelöst und die Sorgen, dass die beim Weizen befürchteten Produktionsausfälle durch die kommende Reisernte gestopft werden müssen. Dennoch sind die Reispreise in Indien, dem weltweit größten Reisexporteur, im Vergleich zu den anderen großen Exporteuren, wie Thailand, Vietnam und Pakistan, noch immer am günstigsten.

Immer mehr große Importeure orientieren sich deshalb beim Einkauf auf den Subkontinent, was die Preise dort ebenfalls weiter steigen lässt. Reis wird in normalen Jahren mit einem relativ hohen Aufschlag gegenüber Weizen gehandelt, aber der starke Preisanstieg von Weizen, hat den Unterschied zwischen den beiden Getreidearten stark verringert und Weizen sogar teurer gemacht als einige billigere Reissorten.

Indien will Exporte nicht regulieren – Preise steigen trotzdem

reisproduktion.

Indien plant derzeit nicht, seine Reisexporte einzuschränken, da der weltweit größte Exporteur des Grundnahrungsmittels über ausreichende Vorräte verfügt und die lokalen Sätze niedriger sind als die staatlich festgelegten Stützpreise, berichten Analysten. Indien stoppte am 14. Mai die Weizenexporte des Landes, nur wenige Tage nachdem man für dieses Jahr Rekordexporte von 10 Millionen Tonnen prognostiziert hatte.

Doch die extreme Hitzewelle drückte die Produktionsaussichten und schickte die Inlandspreise auf Rekordhöhen. Die Reisexporte aus Indien, der gleichzeitig nach China der weltweit zweitgrößte Verbraucher dieses Getreides ist, werden vom USDA im zurückliegenden Wirtschaftsjahr 2021/22 auf 21 Millionen Tonnen geschätzt. Für die neue Saison hatte das USDA einen neuen Rekordwert von 22 Millionen Tonnen erwartet.

Die neue indische Reis-Ernte wird vom USDA ebenfalls auf einem Rekordwert von 130 Millionen Tonnen erwartet – und der Verbrauch liegt bei etwa 107 Millionen Tonnen. Dennoch steigen derzeit die Preise berichten Händler – nicht nur in Indien. Diese Woche wurde das wichtigste asiatische Grundnahrungsmittel an den indischen Exporthäfen für 355 bis 360 US-Dollar pro Tonne gehandelt, ein weiterer Anstieg gegenüber den 350 bis 354 US-Dollar pro Tonne letzte Woche.

Händler horten – Thailand und Vietnam wollen höhere Preise

Im benachbarten Bangladesch hat die Regierung angesichts eines starken Anstiegs der Inlandspreise während der Hochsaison eine landesweite Aktion gegen „Reishorter“ gestartet, berichtet Reuters. Die Inlandspreise sind in einer Woche um mehr als 5 % gestiegen, was die Behörden auf das Horten von Reis durch Händler zurückführen. Bangladesch produziert mit etwa 36 Millionen Tonnen gerade genug Reis um sich selbst zu versorgen.

Gleichzeitig befinden sich Thailand und, die beiden nach Indien größten Exporteure, in Gesprächen über eine Vereinbarung, die es ermöglicht den Preis ihrer Reisexporte zu erhöhen, um die Einkommen der Landwirte zu verbessern, sagte ein thailändischer Regierungsbeamter. Hintergrund sind gemeinsame Maßnahmen zur Unterstützung der Landwirte und Reisindustrien und zur Bewältigung der sehr stark steigenden Produktionskosten.

„Wir wollen die Reispreise erhöhen, das Einkommen der Landwirte erhöhen und die Verhandlungsmacht auf dem Weltmarkt stärken“, sagte nach Angaben von Reuters ein thailändischer Regierungssprecher. Analysten sehen die Entwicklung jedoch sehr kritisch. Jeder Versuch, ein Kartell zu gründen, um die Preise zu erhöhen, wäre eine schlechte Nachricht für Käufer und Verbraucher angesichts stark steigender Lebensmittelkosten weltweit.

Thailands Exportpreise wurden von Händlern diese Woche mit 455 bis 460 USD pro Tonne angegeben, gegenüber 450 USD in der vorigen Woche, was die Händler auf die Zunahme der inländischen und internationalen Nachfrage zurückführten. Vietnams Reispreise wurden mit 420 bis 425 Dollar pro Tonne angegeben, gegenüber 415 bis 420 Dollar vor einer Woche.

In den USA (mit 2 bis 3 Millionen Tonnen ebenfalls ein mittlerer Exporteur) stiegen die Notierungen für US-Reisexporte ebenfalls an und erreichten wegen einer sehr knappen Marktversorgung und einer klein erwarteten Ernte sogar 675 USD je Tonne!, berichtet das USDA. Die US-Preise bleiben damit dauerhaft höher als in anderen Ländern.

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