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Getreideexport

Russischer Frachter mit angeblichem "Beutegetreide" gestoppt

Getreide wird auf ein Frachtschiff geladen
am Dienstag, 05.07.2022 - 13:45 (Jetzt kommentieren)

Türkische Behörden haben offenbar einen russischen Frachter mit Getreide aus der Ukraine festgesetzt.

In der vergangenen Woche hatte erstmals ein Getreidefrachter den von Russland besetzten ukrainischen Hafen Berdjansk verlassen und damit international für Aufsehen gesorgt. Zwischenzeitlich nahm das Schiff unter dem Namen „Zhibek Zholy“ mit rund 7.000 t Getreide an Bord Kurs auf die Türkei, wurde dort aber offenbar noch vor dem Einlaufen in den Hafen von Karasu von den Behörden festgesetzt. Dies gab der ukrainische Botschafter in der Türkei, Vasyl Bodnar, in Ankara bekannt.

Wie die Nachrichtenagentur Reuters ergänzend berichtet, wollen die türkischen Zollbehörden dem Verdacht nachgehen, dass es sich bei der Fracht um in den besetzten ukrainischen Gebieten erbeutetes Getreide handelt. Sollte dies so sein, könnte die Ware beschlagnahmt werden.

Dies hält die russischen Besatzer anscheinend nicht davon ab, Vorbereitungen für weitere Ausfuhren aus den okkupierten Regionen zu treffen. Medienberichten zufolge wird der seit Mai stillgelegte Hafen von Mariupol aktuell überholt und arbeitsfähig gemacht. Ziel sei auch hier die Wiederaufnahme der Getreidelieferungen.

Ukraine will alternative Exportrouten aufbauen

Unterdessen forciert die Ukraine ihre Anstrengungen zum Aufbau alternativer Exportrouten in Richtung Westeuropa. Wie Landwirtschaftsminister Mykola Solsky mitteilte, wird derzeit entlang der neuen Logistikrouten mit dem Bau neuer Umlade- und Zwischenlagerstationen begonnen. Mehr als 20 Unternehmen seien bereits mit der Realisierung beschäftigt.

Zudem seien noch im Juli weitere Treffen mit den Agrar- und Verkehrsministern der beteiligten EU-Länder geplant, bei denen weitere Schritte zum Ausbau der Transitmöglichkeiten diskutiert werden sollen. Im Fokus stehe die Bereitstellung zusätzlicher Eisenbahnwaggons, an denen es derzeit „katastrophal mangelt“, so Solsky.

Getreideexport 2021/22 über dem Vorjahresniveau

Dennoch rechnet der Minister damit, dass die Getreideausfuhren im Juli erstmals wieder die Marke von 2 Mio t überschreiten werden. Im gesamten Getreidewirtschaftsjahr 2021/22, das am 30 Juni zu Ende ging, wurden nach Angaben der ProAgro Group insgesamt 48,5 Mio t Getreide und Hülsenfrüchte aus der Ukraine exportiert. Trotz des erzwungenen Stopps der Schwarzmeerhäfen wurde damit das Vorjahresniveau um 3,8 Mio t übertroffen.

Im ersten Halbjahr und bis in den Februar 2022 hatten die ukrainischen Händler überdurchschnittlich viel Ware auf den Weltmarkt gebracht, so dass die negativen Folgen der Seeblockade in der Bilanz noch nicht sichtbar werden. Diese dürften im neuen Wirtschaftsjahr dafür umso deutlicher werden. 

Ernte 2022 auch in der Ukraine angelaufen

Unterdessen hat auch in der Ukraine die Getreideernte 2022 begonnen. Dabei arbeiten die Landwirte vor allem im Osten des Landes aufgrund der anhaltenden Kämpfe allerdings unter Lebensgefahr. Zudem mangelt es häufig an Kraftstoff und Arbeitskräften.

Der niederländische Landwirt Kees Huizinga, der südlich von Kiew einen Betrieb von rund 15.000 Hektar bewirtschaftet, berichtet in einem Twitter-Video vom Start der Ernte auf seinen Feldern. Ihn treibt die Sorge um, dass ohne die Einnahmen aus dem Export dieses Getreides die Betriebe weder Löhne noch Kraftstoff bezahlen werden können. Das würde für viele landwirtschaftliche Unternehmen in der Ukraine die Insolvenz bedeuten.

Mit Material von AgE
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