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Weizenmarkt

Russland: Keine Exportsteuer bei Weizen

Mähdrescher erntet Getreide
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Dr.Olaf Zinke, agrarheute
am
04.09.2018

Das russische Landwirtschaftsministerium „sieht keine Notwendigkeit, eine Exportsteuer auf Getreide zu erheben oder Getreideexporte auf andere Weise einzudämmen“, heißt es bei einem Treffen des russischen Landwirtschaftsministeriums mit führenden Exporteuren am Montag.

Damit wurden die Erwartungen des Marktes an  eine Drosselung der russischen Weizenexporte enttäuscht. Weltweit waren die Weizenpreise in der letzten Woche gestiegen, weil  Exporteure von einer Regulierung der auch im neuen Wirtschaftsjahr ungewöhnlich hohen russischen Ausfuhren über Exportzölle ausgingen.

"Der russische Getreidemarkt ist jetzt stabil", sagte das Ministerium in seiner Stellungnahme. Die Behörde berichtete zudem, "es sehe keine Faktoren, die zu einem Wachstum der russischen Exporte führen oder das Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage erheblich verändern würden".

Weizen-Exporte laufen Hochtouren

Weizenexporte Russland

Ende der vorigen Woche meldete das Landwirtschaftsministerium, dass Russland in den ersten beiden Monaten des neuen Wirtschaftes bereits 9,8 Mio. t Getreide exportiert hat. Das sind 40 % mehr als im vorigen Wirtschaftsjahr, als man zum gleichen Termin mit Ausfuhren von 7,0 Mio. t bereits einen neuen Rekordwert erreicht hatte. 

Von den bisherigen Gesamtausfuhren entfallen 8,2 Mio. t auf Weizen, 1,2 Mio. t auf Gerste und 354.000 t auf Mais. Wobei die Gerstenexporte sogar 13 % kleiner sind als im vorigen Jahr und die Maisausfuhren etwa  30 % hinter dem Vorjahr zurückbleiben. Kräftig zugenommen hat lediglich der Weizenexport.

Im vorigen Wirtschaftsjahr hatten die Russen bei einer Rekordernte von 85 Mio. t Weizen die Rekordmenge von 42 Mio. t exportiert. Für die neue Saison erwartet das USDA bei einer Weizenernte von etwa 68 Mio. t immerhin Ausfuhren von rund 35 Mio. t.

Russlands Weizen ist am billigsten

Exportpreise Weizen Russland

Nach Einschätzung des russischen Landwirtschaftsministeriums wird die deutlich kleinere neue Weizenernte „im Vergleich zum Durchschnitt der letzten fünf Jahre jedoch immer noch eine große Ernte sein“.

Teilnehmer des Treffens berichten, dass „die Stimmung im Landwirtschaftsministerium weniger besorgt über Russlands niedrige Ernte und hohen Getreideexporte gewesen sei." Ende August hatten Händler und Analysten noch berichtet, dass Russlands Regierung durchaus Exportbeschränkungen in Betracht ziehen würde, sobald die Getreideausfuhren 30 Millionen Tonnen und die Weizenexporte 25 Millionen Tonnen übersteigen würden.

Die russischen Getreideexporte waren im August in Folge der deutlichen Abschwächung des Rubels, des weltweiten Preisanstiegs und der sehr frühen aktuellen Ernte kräftig angezogen.

Die Preise für Brotweizen (fob) lagen an den Verladehäfen am Schwarzen Meer zuletzt 10 bis 15 USD/t niedriger als die Fob-Preise am wichtigsten französischen Exporthafen Rouen.

Exportbeschränkungen immer noch möglich

Auf dem Treffen am Montag berichtete das Ministerium auch, dass überlegte wird, in dieser Saison rund 1,5 Millionen Tonnen Getreide zusätzlich zu den zuvor genehmigten 500.000 Tonnen aus den vorhandenen 3,5 Millionen staatlichen Lagerbeständen zu verkaufen. Nach Ministeriumsangaben lagerten in Russland am 31. August etwa 3,5 Millionen Tonnen Getreide öffentlichen Beständen.

Insgesamt veranschlagte das USDA die russischen Weizenbestände zum Ende des vorigen Wirtschaftsjahres auf 9,2 Mio. t und rechnet bis zum Ende des laufenden Wirtschaftsjahres mit einem Abbau auf ,8 Mio. t.

Das russische Analystenhaus SovEcon hält es für möglich, dass Russlands Weizenausfuhren bis Ende Januar etwa 25 Millionen Tonnen erreichen. Große Getreidehändler gehen außerdem davon aus, dass sich die Exporte „in den kommenden Monaten noch beschleunigen und es deshalb ab Dezember dennoch auf Export-Beschränkungen in irgendeiner Form hinausläuft“.

Die staatlichen Regulierungen könnten nach Einschätzung von Analysten dann dem Muster früherer Maßnahmen folgen. Diese könnten von informellen Beschränkungen bei Getreideexporten bis hin zur Wiederaufnahme einer Weizenexportsteuer reichen, die derzeit auf Null gesetzt ist.

Eine mögliche Wiederbelebung der Weizenexportsteuer könnte nach Einschätzung der Analysten von SovEcon, „Russlands derzeit erwartete Weizenausfuhren 2018/19 um 4 bis 7 Millionen Tonnen reduzieren“.

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