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Getreideernte und Preise

Russland: Trotz Dürre wird die Getreideernte groß

Getreideernte
am
29.07.2019
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Russlands Getreideernte wird groß. Dabei haben fast alle Analysten ihre Ernteerwartungen witterungsbedingt nach unten korrigiert.

Nach den derzeitigen Prognosen steuert Russland dennoch auf die bislang zweitgrößte Getreide- und Weizenernte zu. Außerdem geht die Ernte bislang deutlich zügiger voran als im vorigen Jahr. Nach Aussagen der Russischen Getreideunion ist zudem Qualität (Protein) sehr gut.

Die hohen russischen Prognosen drücken kräftig auf die globalen Getreidepreise. Von Ende April bis Juni sind die russischen Exportpreise für Weizen um etwa 35 USD/t gefallen. Seit Anfang Juli waren die Kurs jedoch fast stabil. An den Exporthäfen am Schwarzen Meer wurde Weizen zuletzt für 195 USD/t verladen.

Das ist ein ähnliches Preisniveau wie in Westeuropa. Hier sind die Kurse jedoch erst im Juli sehr kräftig um 25 USD/t abgerutscht. Zudem sind die Frachtkosten vom Schwarzen Meerin  die wichtigsten Exportregionen niedriger als die Frachtpreise aus Westeuropa. Erheblich teurer als in Russland und als in Westeuropa ist der Weizen hingegen weiterhin an den Exporthäfen der USA.

Ministerium: Große regionale Unterschiede

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Der Landwirtschaftsminister der Russischen Föderation, Dmitry Patrushev, stellte Ende der vorigen Woche fest, „dass die Erntekampagne bisher unter normalen Bedingungen verläuft. Dabei melden mehrere Regionen sogar Rekordzahlen, darunter die Region Krasnodar und das Gebiet Kursk“.

Gleichzeitig sei der Ertrag im Nord-Kaukasus und im Wolga-Distrikt aufgrund der Trockenheit zurückgegangen. Dennoch werde die Ernte im ganzen Land gut sein, betonte der Minister. Das Ministerium bestätigte gleichzeitig seine bisherige Ernteprognose von 118 Mio. Tonnen.

Die Weizenproduktion dürfte etwa 75 Mio. Tonnen erreichen, stellte Patrushev fest. Damit übertrifft sowohl die Gesamternte als auch die Weizenernte das gute Vorjahresergebnis von 107 Mio. t Getreide und knapp 72 Mio. t Weizen deutlich. Das bisherige Rekordergebnis von 2017 von knapp 128 Mio. Getreide und 85 Mio. t Weizen würde jedoch eben so deutlich verfehlt.

Getreideunion: Kein neuer Rekord

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Andere Analysten haben ihre Ernte-Prognosen Ende Juli ebenfalls nach unten korrigiert.  Dabei liegt die Spannweite der Ernteschätzung von gut 117 Mio. t bis immerhin 128 Mio. t recht weit auseinander. Am höchsten ist die Ernteerwartung derzeit bei der Russischen Getreideunion (RGU).

Dabei haben auch die Analysten der RGU ihre Erwartungen deutlich gesenkt, sagte der Präsident der RGU, Arkadiy Zlochevskiy. Dennoch beurteilt man die Situation weiterhin recht optimistisch. Aber Russland wird keinen neuen Rekord in der Getreideproduktion aufstellen, obwohl die Experten der RGU diese Möglichkeit in ihren vorherigen Schätzungen in Betracht gezogen haben, sagte Zlochevskiy.

Die RGU-Prognose verringerte sich wegen der Dürre in mehreren Regionen des Landes, insbesondere in der Wolgaregion und der Region Stawropol. Gleichzeitig wirke sich das  Wetter jedoch positiv auf die Qualität von Weizen aus, so Zlochevskiy weiter.

Weizenprognosen relativ dicht beieinander

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Die Analysten von APK-Inform haben ihre Prognose für die russische Getreideernte in der vorigen Woche auf 122,8 Mio.Tonnen gesenkt. Begründet wurde dies ebenfalls mit den üngünstigen Witterungsbedingungen im Nordkaukasus und im Wolga-Distrikt. Die APK-Inform-Schätzung für die Weizenernte lag mit 76,7 Mio. t jedoch fast 3 Mio. t höher als die Schätzung des Ministeriums.

Bei Gerste gehen die APK-Analysten von Ernte von 19,9 Mio. t aus und bei Mais wird eine Produktion von 12,9 Mio. t erwartet. Bei Gerste würde die erwartete Ernte einen Produktionszuwachs gegenüber dem Vorjahr von einem Fünftel bedeuten und bei Mais beträgt das Plus immerhin 13 Prozent.

Die Experten des Analysezentrums SovEcon haben ihre Schätzungen zur russischen Getreideernte von bisher erwarteten 121,9 Mio. Tonnen auf jetzt 117,2 Mio. Tonnen reduziert. Dabei haben die SovEcon-Experten ihre Erwartungen an die Weizenproduktion von zuvor 76,6 Mio. Tonnen auf nur noch 73,7 Mio. Tonnen gesenkt.

USDA geht von zweitgrößter Ernte aus

getreideernte

Das USDA hatte seine Ernteprognose für Russland Mitte Juli von 118 auf nur noch 114 Mio. t gesenkt. Damit liegt man jetzt am unteren Ende der Prognosen. Aufgrund der Dürre in den wichtigsten Anbaugebieten für Winterweizen wurde die russische Ernteprognose im Juli immerhin um 3,8 Millionen Tonnen reduziert. Damit wäre die Weizenernte  jedoch immer noch größer als im Vorjahr und zudem die zweitgrößte russische Weizenernte überhaupt.

Das USDA schätzte die Weizenproduktion in Russland für 2019/20 auf 74,2 Millionen Tonnen. Davon wären 55,0 Mio. t Winterweizen und 19,2 Mio. t Sommerweizen. Die gesamte Weizenfläche wird auf 26,3 Millionen Hektar veranschlagt, davon wächst auf 14,8 Mio. ha Winterweizen und auf 11,5 Mio. ha Sommerweizen.

Den Rückgang der Winterweizenerträge begründet das USDA mit der Trockenheit in den Regionen Südkaukasus, Nordkaukasus und Wolga. Die Weizen-Ernte hatte Anfang Juli in den südlichen Regionen begonnen. Die Ernte von Sommerweizen beginnt Ende August.

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