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Ernteprognose

Russlands Getreideernte geht schnell voran

Getreideernte in Russland
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Dr.Olaf Zinke, agrarheute
am
19.07.2018

Die Getreideernte hat in Russland in diesem Jahr früh begonnen und geht sehr schnell voran.

Die Ernteergebnisse fallen witterungsbedingt hingegen erheblich schlechter aus als im vorigen Jahr. Die Produktion von Weizen und Gerste geht deutlich zurück.

Der Getreideexport läuft im aktuellen Wirtschaftsjahr jedoch sehr gut an. Wegen der frühen Ernte steht zudem ausreichend Ware zur Verfügung.

Die Exportpreise für Gerste sind am Schwarzen Meer derzeit höher als für Weizen.

Sehr hohes Erntetempo

Am Montag dieser Woche meldete das russische Landwirtschaftsministerium eine Erntemenge von bisher 29,5 Mio. t Getreide von einer Fläche von 7,9 Mio. ha. Im vorigen Jahr waren zum gleichen Termin erst 14,4 Mio. t Getreide von 3,2 Mio. ha eingebracht.

Damit ist die bislang abgeerntete Fläche etwa 2,5mal so groß wie im Jahr zuvor. Gleichzeitig sind die durchschnittlichen Erträge mit 3,75 t/ha etwa 16 % niedriger. Das russische Landwirtschaftsministerium hatte die Getreideernte im Juli immerhin auf etwa 100 Mio. t geschätzt.

"Möglicherweise muss man die Produktion jedoch wegen der veränderten Wetterbedingungen revidieren", erklärte Landwirtschaftsminister Dmitri Patruschew.

Das US-Landwirtschaftsministerium (USDA) hatte die Gesamternte in seinem Julireport auf 104 Mio. t geschätzt. Im vorigen Jahr brachten die Russen die Rekordernte von 127 Mio. t ein und vor zwei Jahren waren es 114 Mio. t Getreide.

Weizen: Kleinere Fläche, niedrigere Erträge

Russland weizen

Die Weizenernte erfolgte bis Anfang dieser Woche auf 6,9 Mio. ha. Im Vergleich zum Vorjahr ist die bislang abgeerntete Fläche etwa dreimal so groß. Die Erntemenge beläuft sich auf 26,7 Mio. t und ist trotz der größeren Fläche nur 2,5mal so groß wie im vorigen Jahr mit 10,7 Mio. t.

Grund sind die schwachen Erträge, die bislang mit 3,87 t/ha etwa 16 % niedriger sind als 2017. Das USDA hatte die russische Weizenernte im Juli auf 67 Mio. t geschätzt und damit 18 Mio. t kleiner als die Rekordernte 2017 von 85 Mio. t. Neben den schwächeren Erträgen ist die Weizenfläche mit 25,5 Mio. ha deutlich kleiner als im vorigen Jahr mit 27,3 Mio. ha.

Hauptursache für den Flächenrückgang ist der witterungsbedingt hinter den ursprünglichen Plänen zurückbleibende Anbau von Sommerweizen im Osten des Landes. Hier schrumpfte die Fläche im Vorjahresvergleich von 12,7 Mio. ha auf nur 11,5 Mio. ha. Die Anbaufläche bei Winterweizen ging ebenfalls von 14,6 auf 14,0 Mio. ha zurück. 

Gerste: Kleinere Ernte, sehr hohe Exportpreise

Gerste Russland

Auch bei Gerste ist der Erntefortschritt größer als im vorigen Jahr. Hier sind 2,3 Mio. t von etwa 0,71 Mio. ha geerntet. Im vorigen Jahr hatten die Russen mit 2,4 Mio. t zwar mehr Gerste geerntet, die Erntefläche war mit 0,57 Mio. ha jedoch deutlich kleiner.

Grund für die größere Produktion waren 2017 die etwa ein Viertel höheren Erträge. Das USDA schätzt die russische Gesamternte bei Gerste in diesem Jahr auf 17 Mio. t, bei einer Erntefläche von 7,9 Mio. ha. Im vorigen Jahr hatten die Russen wegen der deutlich höheren Erträge immerhin 20,1 Mio. t Gerste von 7,85 Mio. ha eingefahren.  

Gleichzeitig beginnt Russland das neue Wirtschaftsjahr mit sehr hohen Exporten. Das Transportunternehmen Rusagrotrans schätzt die Ausfuhren allein für den Monat Juli auf fast 3,1 Mio. t Getreide. Davon sind etwa 2,0 Mio. t Weizen, 0,75 Mio. t Gerste und 0,35 Mio. t Mais.

Das US-Landwirtschaftsministerium prognostiziert die Weizenausfuhren für das neue Wirtschaftsjahr auf 34 Mio. t, nach rekordhohen 41 Mio. t in der zurückliegenden Saison. Bei Gerste rechnet Washington mit Exporten von 4,8 Mio. t, nach 5,4 Mio. t im Vorjahr.

Derzeit sind die Preise für Gerste an den russischen Exporthäfen mit etwa 205 USD/t (fob) höher als für Weizen mit  200 USD/t. An den französischen Exporthäfen wird Brotweizen derzeit für 216 USD/t verladen und Gerste für 206 USD/t.

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