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Getreidemarkt und Russland

Russlands Mega-Getreideernte: Wie viel ernten die Russen wirklich?

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am Donnerstag, 19.01.2023 - 12:09 (Jetzt kommentieren)

Die Angaben zur russischen Weizenernte sind extrem unterschiedlich. Das hat Folgen für die globalen Getreidepreise und die weltweite Versorgung. Was steckt dahinter?

Weizenernte Russland.

Das US-Landwirtschaftsministerium hat im Januar an seiner Weizenprognose für Russland festgehalten, die weitaus niedriger ist als die Mega-Ernte, die das russische Statistikamt Rosstat, aber auch zahlreiche andere Analysten, projizieren. Das USDA beließ seine Ernteschätzung für Weizen in seinem Januar-Bericht bei 91 Millionen Tonnen.

Diese Schätzung steht im Widerspruch zu den offiziellen Daten des russischen Landwirtschaftsministeriums, das eine Weizen-Produktion von 102,7 Millionen Tonnen und eine Gesamternte von 151 Millionen Tonnen meldet. „Die gemeldeten Erträge von Rosstat würden aber etwa 10 Prozent über dem bisherigen Rekord von 2017 liegen“, sagte das USDA dazu. „Fernerkundungsindikatoren während der gesamten Vegetationsperiode, zeigen zwar einen überdurchschnittlichen Zustand der Bestände, aber keine Rekorderträge.“

Der bekannte russische SovEcon-Analyst Andrey Sizov, hatte erwartet, dass das USDA seine Prognose doch noch „erheblich“ anheben würde, aber das geschah nicht. Er glaubt ebenfalls, dass russische Landwirte mehr als 100 Millionen Tonnen Weizen geerntet haben, davon 1,3 Millionen Tonnen auf der Krim. Das USDA schließt die Krim nicht in seine Schätzung ein, aber das macht keinen großen Unterschied in den Prognosen.

Analysten schätzen oft 100 Millionen Tonnen Weizen

weizenexporte russland.

Analysten sagen, dass die Einschätzung zur globalen Versorgungslage und zu den Endbeständen eine komplett andere wäre, wenn das USDA seine Produktionszahl für Russland um 10 Millionen Tonnen erhöhen würde. „Die Lagerbestände der Exporteure werden oft als wichtiges Maß für die Versorgung des globalen Marktes bewertet und sind eng mit den Exportpreisen korreliert“, sagt auch das USDA.

Das USDA prognostiziert die Endbestände der großen globalen Exporteure im Janaur auf 54,9 Millionen Tonnen für das laufende Wirtschaftsjahr 2022/23. Das ist der niedrigste Stand seit zehn Jahren. Diese knappen Bestände sind ein wichtiger Grund, warum die Weizenpreise auf einem erhöhten Niveau bleiben, wenn auch deutlich unter den Höchstständen, die Anfang dieses Jahres erreicht wurden.

Neil Townsend, leitender Analyst bei FarmLink Marketing Solutions, sagte gegenüber dem Agrar-Online-Dienst "The Western Producer", er neige dazu, sich in Bezug auf die russische Getreideernte auf die Seite des USDA zu stellen. Aber abgesehen davon gibt es viele Analysten, die er kennt und denen er vertraut, die darauf hinweisen, dass Russlands Ernte näher an 100 Millionen Tonnen als an 90 Millionen Tonnen liegt.

Townsend wies auch darauf hin, dass es zwar große Diskrepanzen bei den Produktionsschätzungen gebe, die Exportprognosen jedoch nahe beieinander liegen. Beispielsweise prognostiziert das USDA 43 Millionen Tonnen russchischer Weizen-Exporte, während die Analysten von SovEco von 43,4 Millionen Tonnen ausgehen.

Russlands Landwirtschaftsminister Dmitri Patruschew hatte allerdings im Oktober gesagt, dass Russlands Getreideernte wegen der "Eingliederung der vier ukrainischen Territorien", um etwa 5 Millionen Tonnen pro Jahr wachsen werde. „Angesichts der dort vorhandenen Ackerflächen denke ich, dass mindestens 5 Millionen Tonnen Getreide zusätzlich in die russischen Speicher fließen werden“, wurde er von der staatlichen Nachrichtenagentur TASS zitiert.

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