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Trockenheit und Getreidemarkt

Schwere Dürre in Südosteuropa – Maisernte bricht ein

Mann mit einem Maiskolben steht vor einem vertrockneten Maisfeld
am Dienstag, 15.09.2020 - 10:01 (Jetzt kommentieren)

Eine schwere Dürre in Südosteuropa drückt die Maisernte weit nach unten und verhindert die Aussaat von Wintergetreide.

Ganz besonders betroffen sind Rumänien, Bulgarien, Griechenland und offenbar auch die Ukraine. Aber auch in vielen anderen europäischen Regionen mussten Mais, Zuckerrüben und Kartoffeln der Hitze und der Trockenheit im August Tribut zollen.

Die CROP-Monitoring-Agentur der EU-Kommission (MARS) hat deshalb im September die Ertragsprognosen für sämtliche Sommerkulturen gesenkt.

Am stärksten ging es für Mais und Sonnenblumen nach unten – aber auch bei Zuckerrüben, Kartoffeln und Sojabohnen sind die Erträge schlechter als vor vier Wochen erwartet wurde.

Rumänien, Bulgarien und die Ukraine leiden unter schwerer Dürre

Wetterkarte mit extremen Wetterereginissen über Europa zwischen August und September 2020

In Südosteuropa herrschen ganz besonders in Ostrumänien, in Ostbulgarien und in der Südukraine schwere Dürrebedingungen mit negativen Folgen, hauptsächlich auf die Erträge bei Mais und Sonnenblumen, berichtet MARS in seinem September-Report.

Die Dürre hat sich zudem jetzt auch auf den Nordosten Griechenlands ausgeweitet, der wichtigsten Sonnenblumenregion des Landes. In der Zentralukraine wirkt sich ein anhaltendes Niederschlagsdefizit negativ auf die Maiserträge aus.

In Westeuropa sind die Temperaturen nach der Hitzewelle im August zurückgegangen. In weiten Teilen Frankreichs, Belgiens, Luxemburgs, Westdeutschlands und der südlichen Niederlande setzt sich das Niederschlagsdefizit jedoch fort, berichtet MARS. Das drückt die Ertragserwartungen für die Sommerkulturen in diesen Regionen (hauptsächlich Mais, Zuckerrüben und Kartoffeln) weiter nach unten.

In Irland und Teilen des Vereinigten Königreichs wirkten sich hingegen häufige und reichliche Niederschläge seit Mitte August negativ auf die Reifung und Ernte von Sommergetreide aus. In Mittel- und Nordeuropa herrschten jedoch günstige Bedingungen. Ein Überschuss an Niederschlägen konnten die Sommerkulturen in Norditalien, Österreich, der Slowakei, Tschechien, Polen verbuchen. Auch aus Ungarn werden im September nach oben korrigierte Ertragsprognosen gemeldet.

Deutschland: Der dritte Dürresommer in Folge

Ein Traktor wirbelt bei der Arbeit auf dem Feld Staub auf

In Deutschland reichten die Niederschläge im August und September nicht aus, um die Bodenfeuchtigkeit für Sommerkulturen in West- und Mitteldeutschland signifikant zu verbessern, berichtet MARS in seinem Septemberreport. Die Prognose für Körnermais wurde im Vergleich zum August leicht auf 9,15 Tonnen je Hektar gesenkt. Keine Änderungen gab es an den Ertragsschätzungen für Kartoffeln und Zuckerrüben.

Die Ertragsprognosen für diese Kulturen sind mittelmäßig, liegen jedoch etwas über den Erträgen der letzten Jahre, schreibt MARS. Der August war in ganz Deutschland im Durchschnitt wärmer als gewöhnlich, hauptsächlich ausgelöst durch kurze, aber intensive Hitzewellen, die sich mit starken Temperaturabfällen im Süden abwechselten.

Dagegen war der Norden durch eine längere Warmzeit zwischen dem 6. und 21. August gekennzeichnet. Die im Berichtszeitraum kumulierten Niederschlagsmengen waren sehr ungleich verteilt und weisen in den meisten Teilen Baden-Württembergs und Bayern sowie in Teilen Thüringens und Sachsens einen deutlichen Überschuss auf, der hauptsächlich durch Stark-Niederschlagsereignisse Ende August verursacht wurde.

In Rheinland-Pfalz, Saarland und Nordrhein-Westfalen wurde weniger Regen als üblich registriert, was die trockenen Bedingungen weiter verschlimmerte. Die übrigen Regionen wie Niedersachsen und Hessen weisen ausgewogenere Niederschlagsmengen auf, jedoch mit starker lokaler Variabilität, schreibt MARS. Die drei Sommermonate zusammen (Juni-Juli-August) zeigen laut MARS einen Niederschlagsüberschuss in Sachsen und kleine Überschüsse in Bayern und Baden-Württemberg, während es für den größten Teil Deutschlands der dritte Dürresommer in Folge war.

Die Anzahl der Regentage während des Berichtszeitraums lag größtenteils um oder unter dem Durchschnitt. Die Niederschlagsmengen wurden für die Aussaat von Raps als zufriedenstellend angesehen, berichtet MARS. Derzeit findet die Aussaat von Wintergerste statt.

Frankreich: Viel zu trocken, Vergilbung bei Rüben, Rapsaussaat behindert

vertrocknete Maispflanzen in einem Maisfeld

Für Frankreich meldet die europäische Crop-Monitoring-Agentur anhaltend trockene Bedingungen, die durch eine Hitzewelle verstärkt wurden. Deshalb wurden die Ertragserwartungen für Sommerkulturen überwiegend gesenkt.

Die Wetterbedingungen seit Anfang August verstärkten die Auswirkungen der bereits seit Anfang Juli beobachteten trockenen Bedingungen. Die Ertragserwartungen für Sommerkulturen liegen in Frankreich nahe am schlechten Niveau von 2019 und 2018. Dies ist somit das dritte Jahr in Folge mit sehr trockenen Bedingungen.

Die Erntebedingungen zeigen jedoch große räumliche Unterschiede, berichtet MARS. Die Niederschläge seit Mitte März erfolgten häufig in einer räumlich sehr heterogenen Verteilung. Die Ertragsprognosen liegen für Grünmais, Körnermais, Sojabohnen, Kartoffeln und Zuckerrüben sehr nahe an den schlechten Erträgen von 2018 und 2019, erwarten die Analysten. Für die letzten beiden Kulturen besteht aufgrund der erheblichen Verschiebungen in den Anbauflächen in diesem Jahr eine besonders große Unsicherheit.

Zuckerrüben waren zudem einer sehr starken Vergilbung ausgesetzt, was die Unsicherheit über die Ertragsprognose weiter erhöht.

Die Aussaat von Raps wurde durch die sehr trockenen Oberböden behindert. Die Aussaat hat sich deshalb verzögert, und es wird erwartet, dass die für Raps gesäte Fläche etwa den Rapsgflächen der Jahre 2018 und 2019 entspricht oder sogar noch darunter liegt.

Dürre in Rumänien lässt Maiserträge einbrechen

vertrocknete Maispflanzen auf einem trockenen Boden

Heiße und trockene Bedingungen in den östlichen und südlichen Hauptanbaugebieten Rumäniens wirkten sich negativ auf die Ertragsbildung von Körnermais und Sonnenblumen aus, beobachtet MARS. Rumänien ist der größte Maisproduzent der Europäischen Union - noch vor Frankreich.

In West-Rumänien herrschten dank des günstigen Regens hingegen relativ gute Bedingungen. Insgesamt wurden die Ertragsprognosen aber deutlich nach unten korrigiert. Besonders heißes Wetter herrschte in den südlichen und östlichen Gebieten, wo die Höchsttemperaturen an den wärmsten Tagen 36 bis 39 Grad Celsius erreichten, und die Anzahl der heißen Tage sehr hoch war. Westliche, nördliche und zentrale Gebiete zeigten viel mildere (etwas wärmere als übliche) Bedingungen.

Die Niederschläge in den ersten Septembertagen waren etwas stärker (10 bis 40 mm), kamen jedoch für die Sommerkulturen zu spät. Das heiße Wetter beschleunigte die Entwicklung der Pflanzen, indem es die Dauer der Ertragsbildung verkürzte, was zu einem sehr frühen Beginn der Ernte führte, insbesondere in den östlichen Gebieten.

Die Ertragsprognosen für alle Sommerkulturen wurden von MARS deshalb nach unten korrigiert, insbesondere für Mais, aber auch für Sonnenblumen und Zuckerrüben, da die wichtigsten Anbauflächen für diese Kulturen in den Regionen liegen, die am stärksten vom widrigen Wetter betroffen sind, schreibt MARS.

Mit Material von JRC MARS Bulletin Vol. 28 No 9

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