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Unwetter in China

Schwere Überflutungen in Chinas größter Weizenregion

china.
am Freitag, 23.07.2021 - 10:49 (Jetzt kommentieren)

Auch China wird derzeit von schweren Überflutungen heimgesucht. Betroffen ist die wichtigste Weizenregion Henan. Die Schäden an der Infrastruktur - auch an Feldern und Silos - sind massiv. Es gibt viele Tote. Stauseen drohen zu brechen. Agraranalysten erwarten einen höheren Importbedarf bei Weizen und Mais.

Felder im Sturm.

Chinas wichtigste Weizenanbaugebiete werden derzeit von Rekordüberschwemmungen heimgesucht. Das könnte die globale Getreidenachfrage erheblich beeinflussen. Sintflutartige Regenfälle haben in Ostchina schon viele Menschenleben gekostet und umfangreiche Sachschäden verursacht. Besonders betroffen ist die Provinz Henan, Chinas größte Weizenanbauregion.

Die Möglichkeit starker Schäden an der gerade eingebrachten Weizenernte bzw. an den chinesischen Getreidelagern, heizen die Gerüchte über neue chinesische Großeinkäufe am Weizenmarkt an. In der zurückliegenden Saison haben die Chinesen rund 10 Millionen Tonnen Weizen am Weltmarkt gekauft – so viel wie noch nie zur.

Ein wichtiger Lieferant für den chinesischen Markt, neben den USA, war Frankreich. Bereits vor der Flutkatastrophe haben die Chinesen reichlich Weizen und Gerste der neuen Ernte in Frankreich gekauft, berichteten Analysten. Für die neuen Saison ging das US-Landwirtschaftsministerium bisher von einer ähnlich großen Importmenge Chinas aus.

Analysten erwarten nun, dass die Einkäufer aus dem Reich der Mitte mehr Weizen kaufen könnten als bislang erwartet wurde.

Die Folgen für Getreidemärkte und Agrarimporte

Andere Analysten – auch aus China selbst – sind indessen skeptisch, was die Folgen der Flutkatastrophe für den Getreidehandel betrifft: Im vorigen Oktober gesät, zwischen Ende Mai und Juni geerntet, liegt der Weizen aus Henan längst in den Silos. Welche Schäden dort entstanden sind, ist jedoch nicht sicher.

Auf der anderen Seite tauchen starke Befürchtungen über große Schäden bei Mais, Erdnüssen und Baumwolle auf, berichtet unter anderem die auf Agrarrohstoffe spezialisierte chinesischer Analystenfirma Qingma Investment auf Twitter. Nach Aussagen des US-Analysten Jack Scoville reagiert der Markt zunehmend nervös auf Gerüchte über eine steigende Nachfrage nach Weizen aus China. Es wird angenommen, dass der unerwartete Anstieg des Kaufinteresses auch auf die schweren Überschwemmungen zurückzuführen ist, die derzeit Ostchina heimsuchen.

Für die nächsten Tage wird in Henan zudem noch mehr Regen prognostiziert. Von vorigen Samstag bis Dienstag fielen in der Region Zhengzhou bereits 617,1 mm Regen, was fast dem Jahresdurchschnitt von 640,8 mm entspricht. Die drei Regentage entsprachen einem Niveau, das nur "einmal in tausend Jahren" zu beobachten ist, teilte das Wetteramt von Zhengzhou mit.

Staudamm gebrochen und große Gefahr

Hongkong.

Nach chinesischen Medienberichten ist außerdem der Guojiaju-Staudamm in der zentralchinesischen Provinz Henan durch schwere Überschwemmungen zum Teil gebrochen. „Dies geschah, als Zhengzhou, die Hauptstadt von Zentral-Henan, einen schweren Regensturm erlebte, der alle historischen Rekorde brach, und der Guojiaju-Damm in der Nähe der Stadt einstürzte", berichtete der chinesische Fernsehender CGTN in einem Tweet.

Früheren Berichten zufolge hatte die chinesische Armee davor gewarnt, dass auch der Yihetan-Staudamm in der Provinz Henan „jederzeit einstürzen könnte“, nachdem er bei sintflutartigen Stürmen schwer beschädigt wurde. Die chinesischen Behörden haben die höchste Wetterwarnung für die zentrale Provinz Henan ausgegeben, da die starken Regenfälle bereits zur Evakuierung von Bewohnern aus überfluteten Gebäuden geführt haben.

Die Regenfälle sind nach chinesischen Angaben die schlimmsten seit Beginn der Aufzeichnungen vor sechzig Jahren, wobei Zhengzhou in nur drei Tagen einen durchschnittlichen Jahresregen erhielt. Das überflutete U-Bahn-System in Zhengzhou wurde geschlossen und Hunderte von Flügen wurden gestrichen.

Bis Dienstagnachmittag waren nach Angaben der Provinzbehörden mehr als 10.000 Menschen evakuiert worden. Es wurde davor gewarnt, dass der Wasserstand in den 16 Stauseen der Region auf ein gefährliches Niveau gestiegen sei, und die Regenfluten bereits tausende Hektar Ackerfläche zerstört haben.

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