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USDA-Report

Soja: Bilanz wird immer enger

am Mittwoch, 11.04.2018 - 11:53 (Jetzt kommentieren)

Die Preisänderungen nach Veröffentlichung der neuen USDA-Daten bei Sojabohnen und auch bei Raps waren überraschend gering.

Cbot Soja

Dabei hatte das USDA die Analystenerwartungen im Hinblick auf die Korrekturen bei der argentinischen Sojaernte und auf die angespannte globale Versorgungslage noch übertroffen. Bei Ölschroten und Pflanzenölen kam es allerdings zu etwas stärkeren Korrekturen.

Die Preise für Sojabohnen schlossen am Dienstag nur mit einem ganz leichten Plus von 0,3 %.  Dagegen gaben die Notierungen für Sojaschrot deutlich um 1,5 % nach. Gleichzeitig zogen die Kurse für Sojaöl um 1,1 % an. Im roten Bereich schlossen hingegen die Palmölpreise.

Vor diesem Hintergrund  gingen auch die Rapspreise in Europa und in Kanada zurück. Der vordere MATIF-Raps schloss mit einem Minus von 1,0 Euro bei 349 Euro je t und die neue Rapsernte gab um 1,25 Euro auf ebenfalls 349 Euro nach. Im vorbörslichen Handel am Mittwoch können die Sojapreise in Chicago weiter zulegen.

Auch die Notierungen für Sojaschrot und Sojaöl bewegen sich zunächst im Plus. Dagegen eröffnen die kanadischen Canolapreise den Handel leicht im Minus.

Natürlich kann es in den kommenden Tagen durchaus noch zu stärkeren Korrekturen kommen, wenn die Märkte die Informationen detaillierter ausgewertet und eingeordnet haben. 

Argentiniens Ernte noch kleiner als erwartet

Sojaproduktion

Der Fokus von Analysten und Händlern war wie schon im Vormonat ganz besonders auf  die Veränderungen bei der aktuellen Mais- und Sojaernte in Brasilien und Argentinien gerichtet.

Im Vorfeld des USDA-Reports hatten die Analysten für Argentinien wegen der extremen Trockenheit eine weitere deutliche Reduzierung der Sojaernte von 47 Mio. t auf nur noch 42,3 Mio. t erwartet. Das USDA ging noch über diese Einschätzung hinaus und veranschlagte die Erntemenge auf lediglich 40,0 Mio. t. Das wäre die kleinste argentinische Ernte seit dem Jahr 2013 als lediglich 38,0 Mio. t Soja von den Feldern geholt wurden.

Die argentinische Getreidebörse in Buenos Aires hatte die erwartete Sojaernte in der vorigen Woche sogar von 39,5 Mio. t auf nur noch 38,0 Mio. t gesenkt. Vor vier Wochen hatte die Börse noch eine argentinische Sojaernte von 44 Mio. t für möglich gehalten.

Im vorigen Jahr hatten die argentinischen Farmer ihre bislang zweitgrößte Sojaernte von 57,8 Mio. t Sojabohnen eingebracht. Das war eine knapp 18 Mio. t größere Ernte als in diesem Jahr erwartet wird.

Dieser drastische Produktionsrückgang hat erheblich Auswirkungen auf die globale Versorgungslage mit Sojabohnen, Sojaschrot und Sojaöl. Argentinien ist nach Brasilien und den USA der drittgrößte Exporteur von Sojabohnen und der Abstand größte Exporteur von Sojaschrot und Sojaöl.

Der drastische Produktionseinbruch ist auch der Grund für die zuletzt kräftig gestiegenen Preise für Soja und Sojaschrot.

Brasiliens Ernte auf Rekordkurs

Sojaexport

Die Analysten-Erwartung für die Sojaernte in Brasilien lag im Vorfeld des USDA-Reports bei 115,6 Mio. t und damit  2,6 Mio. t über der USDA-Schätzung vom März. Das USDA schätzte die neue Ernte auf 115 Mio. t und blieb damit leicht unter der Analystenschätzung.

Dennoch wird die bisherige Rekordernte aus dem vorigen Jahr von 114,1 Mio. t leicht übertroffen. Die brasilianische Agrarbehörde CONAB hatte die zu etwa drei Viertel abgeschlossene brasilianische Ernte am gestrigen Dienstag ebenfalls von 113 Mio. t auf 115 Mio. t nach oben gesetzt.

Das USDA erwartet vor  dem Hintergrund der brasilianischen Rekordernte und dem Produktionseinbruch in Argentinien einen drastischen Anstieg der brasilianischen Sojaexporte auf 73,5 Mio. t, nach einer Schätzung  von 70,5 Mio. t im vorigen Monat und Exporten von 63,1 Mio. t im vorigen Jahr. Das ist ein Zuwachs von rund 10 Mio. t bzw. rund 16 %.

Wie sich die ankündigte Zollerhöhung Chinas auf  Sojaeinfuhren aus den USA auf die Handelsströme bei Bohnen, Schrot und Öl auswirkt ist bei den USDA-Daten auswirkt, ist offenbar noch nicht berücksichtigt.

Die erwarteten US-Exporte für das laufende Wirtschaftsjahr liegen wie schon im Vormonat bei 56,2 Mio. t und damit deutlich unter den Ausfuhren Brasiliens  und  etwas niedriger als im vorigen Wirtschaftsjahr mit 59,2 Mio. t.

Verbrauch übertrifft Produktion deutlich

Sojabestände

Die globalen Endbestände könnten nach den Erwartungen der Analysten von zuvor 94,4 Mio. t auf 92,9 Mio. t zurückgenommen werden. Das USDA hat die Bestände jedoch auf 90,8 Mio. t gesenkt und damit deutlich stärker als von den Analysten erwartet wurde.

Die weltweite Produktionsmenge von Sojabohnen für das aktuelle Wirtschaftsjahr schätzt das USDA auf knapp 335 Mio. t und damit deutlich kleiner als im März mit 341 Mio. t und zudem weit unter dem Rekordwert von 351 Mio. t aus dem vorigen Jahr. Grund für schrumpfenden Bestände und die deutlich kleinere Ernte ist der Produktionseinbruch in Argentinien.

Der Verbrauch von Sojabohnen nimmt nämlich trotz der rückläufigen Produktion sehr kräftig zu und wächst von 329 Mio. t auf den neuen Rekordwert von 342 Mio. t. Auch der Export erreicht mit geschätzten 150 Mio. t einen neuen Spitzenwert, nach Ausfuhren von 144 Mio. t im vorigen Jahr.  

Chinas Importe wachsen im laufenden Wirtschaftsjahr ebenfalls auf ein neues Allzeithoch von 97 Mio. t, nach Einfuhren von 93,4 Mio. t im vorigen Wirtschaftsjahr. Damit belaufen sich die chinesichen Importe auf etwa zwei Drittel der globalen Handelsmenge.

Daten zur kommenden Sojaernte 2018 in den USA und zur Versorgungslage im nächsten Wirtschaftsjahr veröffentlicht das USDA erst im kommenden Mai-Report.

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