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Getreideernte und Getreidepreise 2021

Sommergerste: Sehr kleine Ernte rettet die Braugerstenpreise

Gerste.
am Donnerstag, 08.07.2021 - 13:08 (1 Kommentar)

Was ist, wenn der Markt für Braugerste knapp versorgt ist und die Preise trotzdem fallen? Dann stimmt etwas nicht.

braugerstenpreise.

Bei Braugerste bekommen die Bauern für die neue Ernte derzeit schlechtere Preise geboten. Wirklich gerechtfertigt ist das nicht. Denn das Angebot wird deutlich kleiner. Die Fakten: Die Anbaufläche für Sommergerste ist sowohl in Deutschland als auch in Frankreich und anderen wichtigen Anbauländern deutlich kleiner als im vorigen Jahr. Die letzten Schätzungen gehen für Deutschland von einer enorm starken Flächenreduzierung bei Sommergerste von mehr als 18 Prozent oder fast 70.000 Hektar aus.

Ein Auslöser für den Anbaurückgang dürften dürfte der dramatische Preisverfall während der Corona-Krise gewesen sein. Im Sommer 2020 waren die Braugerstenpreise in Deutschland zeitweise bis auf 175 Euro je Tonne abgestürzt – eine unmittelbare Folge der massiven cornabedingten Absatzkrise bei Bier. Mit dem Ende der Lockdowns und dem Hochfahren der Gastronomie hat sich der Bierabsatz dann jedoch wider berappelt – und mit ihm auch die Braugerstenpreise.

Im Mai und im Juni ging es mit Kursen dann steil nach oben – denn nun war die Ware auf einmal sehr knapp. Manche Bauern hatten ihre Braugerste in der Absatzkrise lieber verfüttert. Der Preisunterschied zur Futtergerste war nämlich nicht allzu groß – zumal die Preise für Futtergetreide viel eher und schneller gestiegen sind als für Braugerste.

Tatsache ist: Im Juni wurden für Braugerste im deutschen Großhandel etwa 240 Euro je Tonne gezahlt – und im Juli wurden für die knappe Ware immerhin noch 220 Euro je Tonne geboten. Doch das ist scheinbar Geschichte: Die Angebotspreise für die neue Ernte lagen auf Erzeugerebene im Südwesten zwischen 190 und 205 Euro je Tonne und damit 10 bis 15 Euro niedriger als im Juni. Im Vergleich zu den übrigen Getreidearten ist dieser Preisrückgangs allerdings sehr moderat – geschuldet dem sehr klein erwarteten Angebot.

Die Preise für Futtergerste der neuen Ernte sind im Südwesten mit durchschnittlich 160 bis 170 Euro je Tonnen 50 bis 65 Euro niedriger als für die alte Ernte - und damit weitaus stärker gefallen Das trifft auch auf andere Regionen in Deutschland zu.

Es wird wohl nur sehr wenig Braugerste geben

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Doch zurück zur erwarteten Ernte. Die Bauern haben die Anbaufläche für Sommergerste für die Ernte 2021 um fast 70.000 Hektar auf nur noch 300.800 Hektar reduziert, sagen die Statistiker von Destatis. Das ist ein Rückgang von fast 20 Prozent. Der Sommergerstenertrag liegt indessen nur wenig über dem Vorjahr, bei etwa 55,1 dt/ha, schätzt jedenfalls der Deutsche Raiffeisenverband (DRV).

Das heißt: Die Ernte wird mit derzeit erwarteten 1,66 Millionen Tonnen rund 350.000 Tonnen kleiner als im vorigen Jahr. Dabei braucht die Brauindustrie in Deutschland zwischen 1,6 und 1,8 Millionen Tonnen Gerste zu Herstellung von Braumalz. Davon kamen in den letzten Jahren allerdings nur gut 1 Millionen Tonnen aus Deutschland – der Rest wurde aus Frankreich, Skandinavien, Polen oder auch aus England importiert. Ohnehin haben immer mehr große internationale agierende Braukonzerne auch in Deutschland das sagen. Und sie kaufen die Ware dort, wo sie am billigsten ist. Und das ist nicht unbedingt in Deutschland.

In diesem Jahr dürfte Braugerste am deutschen Markt jedoch noch knapper sein als in anderen Jahren. Und das werden auch die Brauer bald merken. Hinzu kommt: Von unseren Nachbarn könnte ebenfalls weniger zusätzliche Ware kommen: In Frankreich haben die Bauern den Anbau von Sommergerste nämlich auch drastisch reduziert - um satte 25 Prozent, sagt die französischen Analysten von Agreste – doch davon später.

Die Preise für die neue Ernte sind an den wichtigsten französischen Handelsplätzen ebenfalls nur moderat gefallen – in Creil von etwa 225 Euro je Tonne im Juni auf aktuell 213 Euro Tonne. Aus Finnland (Naantali) wurden zuletzt Preise von 175 bis 180 Euro gemeldet und in Litauen (Vilnius) wurde Braugerste mit knapp 190 Euro je Tonne notiert.

Frankreich und UK mit starkem Anbaurückgang

Gerste.

Wie sehr die knappe Versorgungslage die Braugerstenpreise in den nächsten Wochen bestimmt, muss man erst noch abwarten. Fakt ist jedenfalls: Allein die französischen Bauern haben ihre Anbaufläche (zugunsten von Wintergetreide) um fast 200.000 Hektar oder 25 Prozent auf 600.000 Hektar reduziert, berichten die französischen Agrarstatistiker von Agreste.

Allerdings gehen Analysten – wie Coceral – von deutlich höheren Erträgen aus als im extrem schwachen Vorjahr. Damit würde ein Großteil des Anbaurückgangs ausgeglichen und die geschätzte Erntemenge in Frankreich wäre mit etwa 3,7 Millionen Tonnen – nur etwas kleiner als im vorigen Jahr mit 3,9 Millionen Tonnen.

Einen deutlich stärkeren Rückgang der Produktion erwartet man indessen bei einem anderen wichtigen Exporteur – nämlich im Vereinigten Königreich. Dort rechnen die Analysten aufgrund eines starken Anbaurückgangs bei Sommergerste, von rund 310.000 Hektar zugunsten von  Wintergetreide, mit einem Produktionseinbruch. Anstelle der 6,3 Millionen Tonnen Sommergerste wie im vorigen jahr sollen die britischen Farmer nur 4,3 Millionen Tonnen ernten. Also 2 Millionen Tonnen weniger – auch für den Export . Zudem wird die Ausfuhr natürlich durch das Ausscheiden der der Briten aus der EU erschwert.

Eine ähnlich große Ernte wie im vorigen Jahr erwarten die Analyten von Coceral – trotz einer Anbauausweitung – in Polen und auch in Tschechien wird wohl so viel Sommergerste wie im vorigen  Jahr geerntet. Alles in allem sind die Importmöglichkeiten von Braugerste nach Deutschland jedoch deutlich schlechter als im vorigen Jahr, denn der europäische Markt ist nicht besonders gut versorgt – das dürfte die heimischen Braugerstenpreise mittelfristig spürbar stützen.  

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