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Rapsmarkt und Rapspreise

Steigen die Rapspreise bis auf 700 Euro? - durchaus möglich

Raps.
am Dienstag, 05.10.2021 - 11:54 (8 Kommentare)

Die Rapspreise steigen wegen einer weltweit extrem knappen Versorgung nahezu ununterbrochen.

Rapspreise.

Mitte September haben die Rapspreise in Europa erstmals die 600-Euro-Marke durchbrochen. Nun könnte als nächstes die 650-Euro-Hürde fallen. Immer mehr Analysten halten auch das Erreichen der 700-Euro-Grenze für möglich. Schaut man einmal auf die internationalen Exportpreise für Raps, so ist das gar nicht so weit hergeholt.

An den den kanadischen Exporthäfen wurde Raps/Canola vorige Woche für 775 USD je Tonne verladen – das sind umgerechnet knapp 670 Euro je Tonne. Ukrainische Exporteure verlangten zum gleichen Termin 725 USD je Tonne und wenn man in Australien kaufte, kostete der Raps  "nur" 665 USD je Tonne. In allen drei Ländern war die schwarze Ölsaat damit 30 bis 40 USD je Tonne (!!)  teurer als in der Woche zuvor.

Die europäischen Rapspreise waren am Montag am Terminmarkt in Paris um weitere 5 Euro auf 649 Euro je Tonne gestiegen – und beendeten den Handel damit nur knapp unter der 650 Euro Marke. Das ist der höchste jemals erreichte Rapspreis. In nur zwei  Wochen hat die schwarze Ölsaaten damit um mehr als 50 Euro zugelegt.

In Canada sind die Canolapreise diese Woche ebenfalls weiter gestiegen. Am Montag notiert der vordere Novemberkontrakt für Canola am Terminmarkt in Winnipeg bei 907 CAD je Tonne – das sind etwa 617 Euro je Tonne. Und am heutigen Dienstag steigen die Kurse im laufenden Handel weiter - auf 913 CAD je Tonne.

Am deutschen Großmarkt und Importhafen Hamburg wurden für den Raps der neuen Ernte am Montag 651 Euro je Tonne geboten und für spätere Termine waren die Preise noch etwas höher. In Mannheim lagen die Angebotspreise bei 653 Euro und am Mittelandkanal bei 650 Euro je Tonne.

Am wichtigsten französischen Handelsplatz in Rouen wurden am Montag Rapspreise von 648 Euro je Tonne notiert und an den Verladehäfen der Mosel lagen die Preise ebenfalls bei 648 Euro je Tonne. Getragen wurde der Auftrieb zum einen durch die sehr kleine kanadische Ernte. Hinzu kommen die ebenfalls steil ansteigenden Preise für Pflanzenöle, Rohöl und Energie.

Auch Ölmühlen kaufen, trotz hoher Preise

exportpreise raps.

Analysten berichten, dass die Verarbeitung von Raps für die Ölmühlen wegen der sehr hohen und weiter steigenden Rapsölpreise ebenfalls sehr profitabel bleibt und die Nachfrage zusätzlich anheizt. Die Rapsölpreise steigen angesichts der sich abzeichnenden rapiden Verknappung weiter sehr schnell. Dazu trägt auch der weitere Anstieg der Rohölpreise bei, die auf den höchsten Stand seit drei Jahren geklettert sind. Diese Entwicklung wirkt auch für den Biokraftstoffsektors wie ein Katalysator.

Viele Analysten erwarten derzeit, dass der Rapsanbau für die Ernte 2022, aufgrund des günstigeren Wetters und der Rekordpreise, deutlich zunehmen wird (siehe unten). Die Versorgungslage bleibt jedoch in Europa und in Kanada für die nächste Zeit äußerst angespannt. Die kanadischen Ölmühlen meldeten das die Rapsverarbeitung im August aufgrund mangelnder lokaler Verfügbarkeit um 170.000 Tonnen auf 662.000 Tonnen geschrumpft ist, verglichen mit 830.000 Tonnen im August 2020.

Anders als bei Raps stehen die Sojapreise seit einige Zeit unter Druck und bremsen den Auftrieb beim Raps etwas ab. Der Grund: Die US-Ernte geht zügig voran. Die Preise für Sojabohnen sind deshalb auch am Montag zurückgegangen, beeinflusst auch durch vergleichsweise hohe Lagerbestände und die Aussichten auf eine wachsende globale Erntemenge.

Der Sojakomplex war bereits nach der Veröffentlichung des Quartalsberichts des USDA über die Lagerbestände am vorigen Donnerstag unter Druck geraten, der von einem Anstieg der Bestände und der Erntemenge ausgeht. Die Rapspreise sind trotz der bärischen Daten zum Sojamarkt jedoch weiter gestiegen.

Strategie Grains: Preise bleiben hoch – aber starke Anbauausweitung

Rapsanbau.

Das europäische Analystenhaus Strategie Grains geht in seinem aktuellen Marktbericht davon aus, dass die Landwirte in der Europäischen Union die Rapsfläche für die nächste Ernte um etwa 7 Prozent ausweiten werden. Der Grund sind die sehr hohen Preise und das sehr kleine Angebot in Europa und am Weltmarkt, sagte das Beratungsunternehmen in seinem Bericht. Die ersten Aussaatprognosen von Strategie Grains für die Ernte 2022 geht davon aus, dass die Rapsfläche in der EU von 5,23 Millionen Hektar in diesem Jahr auf 5,60 Millionen Hektar anwachsen wird.

Die Rapsaussaat profitierte in weiten Teilen der EU von relativ günstigem Wetter, obwohl die südöstlichen EU-Länder von Trockenheit betroffen waren, sagte Strategie Grains. Für Deutschland wird eine Zunahme der Fläche um 6 Prozent auf 1,06 Millionen Hektar prognostiziert, während der Anbau in Frankreich um 17 Prozent auf 1,15 Millionen Hektar zunehmen könnte.

Für die aktuelle Saison 2021/22, wird sich das EU-Angebot jedoch noch weiter verknappen. Der Grund: Eine leicht nach oben korrigierte Ernte wírd durch nochmals reduzierte Importe aus Kanada und eine hohe Nachfrage der Ölmühlen mehr als ausgeglichen, sagte Strategie Grains. Die Rapsbestände in der EU erreichen Ende 2021/22 danach ein Rekordtief von 0,9 Millionen Tonnen, was die niedrigste Bestände seit Beginn der Aufzeichnungen wäre.

Die Analysten erwarten außerdem, dass die Rapspreise während der gesamten Saison sehr hoch bleiben. Dabei wird der weitere Anstieg durch Importe von argentinischem Biodiesel und die gute US-Sojabohnenernte etwas gebremst, hieß es weiter. Strategie Grains hatte seine Schätzung für die Rapsernte 2021 in der EU auf 17,03 Millionen Tonnen leicht erhöht, gegenüber der vorigen Prognose von 16,93 Millionen vor einem Monat, hauptsächlich aufgrund einer etwas nach oben korrigierten Ernte für Frankreich.

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