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Klimawandel und Landwirtschaft

Studie: Klimawandel verändert den Getreideanbau

Traktor auf trocknem Feld
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Dr.Olaf Zinke, agrarheute
am
27.03.2019

Bis zum Jahr 2040 werden sich die globalen Wachstumsbedingungen für Weizen, Soja, Reis und Mais deutlich verändern.

Das gilt selbst dann, wenn die Emissionsziele des Pariser Klimaabkommens erreicht werden. Teile Südeuropas, Afrikas, Amerikas und Australiens werden erheblich trockener. Dagegen gibt es in den Tropen und einigen nördlichen Regionen mehr Regen. Zu diesem Ergebnis kommen Wissenschaftler des International Center for Tropical Agriculture (CIAT) und der Universität Leeds in einer im März  veröffentlichten Studie.

Die Forscher sind überzeugt: Selbst wenn die Treibhausgas-Emissionen schon bald radikal reduziert werden, müssen wichtige Anbaugebiete der Welt bis 2040 mit deutlichen Änderungen der Niederschlagsmuster rechnen. Danach müssen die Landwirtte in einigen Anbauregionen bereits in etwa einer Generation mit deutlichen Klimaveränderungen leben.

Dabei kommen die Wissenschaftler zu dem Ergebnis, dass bis zu 14 Prozent der Anbauflächen für Weizen, Mais, Reis und Soja spürbar trockener werden, während es für 31 Prozent mehr Regen geben wird. Die Studie verwendet vier unterschiedliche Emissionsszenarien von niedrig bis hoch, um den Zeitpunkt dauerhafter Niederschlagsänderungen vorherzusagen.

Top-Weizenanbauer bekommen mehr Regen

Die Untersuchung macht deutlich, dass ein rasches Absenken der Emissionen - in Übereinstimmung mit dem Pariser Abkommen von 2015 - die Veränderungen weiter in die Zukunft schieben oder die Auswirkungen in den betroffenen Gebieten verringern würde. Zu den von zunehmender Trockenheit betroffenen Regionen gehören nach den Erkenntnissen der Wissenschaftler der Südwesten Australiens, das südliche Afrika, der Südwesten Südamerikas sowie die Länder rund um das Mittelmeer.

Mehr Niederschläge können dagegen Kanada, Russland, Indien und der Osten der Vereinigten Staaten erwarten. Die vier in der Studie genannten Kulturen decken etwa 40 Prozent des weltweiten Kalorienbedarfs. Die Autoren sagen außerdem, dass egal wie sich die Niederschläge verändern, alle Regionen in Anpassungsmaßnahmen investieren müssen.

In den Szenarien mit niedrigen Treibhausgas-Emissionen haben die meisten Regionen jedoch zwei bis drei Jahrzehnte mehr Zeit sich anzupassen als in Szenarien mit hohem CO2-Ausstoß. Die Autoren betonen außerdem, dass emissionsarme Szenarien möglicherweise weniger kostspielige Anpassungen an die neuen Niederschlagsmuster erfordern. 

Mittelmeerregion und Südeuropa immer trockener

Traktor auf trocknem Feld

Bei einem mittleren Emissionsszenario würden etwa 27 Prozent der Anbaufläche von Weizen in Australien weniger Niederschlag bekommen. Am höchsten wären die Auswirkungen in Algerien, wo auch bei einem mittleren Szenario die gesamte Weizenfläche von den rückläufigen Niederschlägen betroffen wäre.

Es folgen dann Marokko (91 Prozent), Südafrika (79 Prozent), Mexiko (74 Prozent), Spanien (55 Prozent), Chile (40 Prozent), die Türkei (28 Prozent), Italien (20 Prozent) und Ägypten (15 Prozent). Höhere Emissionen bedeuten, dass eine größere Menge Land früher trockener wird, so die Studie. "Dies sind auf jeden Fall Länder, die ziemlich schnell überlegen müssen, was sie mit ihrer Weizenproduktion machen", sagte Maisa Rojas, der Hauptautor der Studie und Klimatologe an der Universidad de Chile.

"Erkennbare Niederschlagsänderungen sind natürlich nicht nur für die Landwirtschaft wichtig, sondern generell für die Bewirtschaftung der Wasserressourcen. Daher sind unsere Ergebnisse auch für andere Sektoren relevant", sagte Rojas weiter. 

Ackerbau unter völlig veränderten Bedingungen

Ein erstaunlicher Aspekt der Studie ist, wie schnell sich der Niederschlag weltweit verändert. Der Vergleichswert sind die 20 Jahre von 1986 bis 2005. Nur wenige Regionen haben diesen "historischen" Durchschnitt bereits überschritten. Dazu gehören Russland, Norwegen, Kanada und die Teile der Ostküste der Vereinigten Staaten.

Die Studie geht davon aus, dass in einem Szenario mit hohen Emissionen bis zu 36 Prozent der gesamten Landfläche nasser oder trockener sein werden. "Landwirte, die in diesen Gebieten Kulturpflanzen anbauen, werden deutlich andere Bedingungen erleben als bisher", sagt Julian Ramirez-Villegas, Co-Autor und Wissenschaftler am Internationalen Zentrum für tropische Landwirtschaft (CIAT).

Die Landwirte müssten dann unter völlig veränderten Umweltbedingungen arbeiten und befänden sich gewissermaßen außerhalb der bislang von ihnen gemachten historischen Erfahrungen, glauben die Wissenschaftler.

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